Saudis setzen Fracking-Anbieter mit Billig-Öl unter Druck

Saudis setzen Fracking-Anbieter mit Billig-Öl unter Druck
Saudis setzen Fracking-Anbieter mit Billig-Öl unter Druck

Durch Fracking und die schwächelnde Konjunktur sind die Ölpreise massiv gesunken. Nun geht Saudi Arabien mit billigerem Öl selbst in die Offensive - und setzt dadurch ausgerechnet die amerikanischen Schieferöl-Anbieter unter Druck.

Im Kampf gegen den Ölpreisverfall will Saudi-Arabien die erfolglose Taktik der 80er Jahre in jedem Fall vermeiden. "Der große Fehler war, dass sie die Produktion immer stärker gedrosselt haben, um die Preise zu stützen", sagt Analyst Yasser Elguindi vom Beratungshaus Medley Global Advisors. Doch damit habe die Regierung in Riad nicht viel erreicht und zudem eine große Chance vergeben. Denn nach Ansicht des Ölmarkt-Experten hätte das größte Förderland der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) eher mit Rabatten um Marktanteile kämpfen sollen. So hätte Saudi-Arabien Produzenten mit höheren Fixkosten herausdrängen können. "Und genau das tun sie jetzt."

Nun hat Saudi-Arabien seine Preise für US-Abnehmer gesenkt und damit für einen erneuten Kursrutsch an den Ölmärkten in Richtung 80 Dollar gesorgt. Dieser Preisverfall macht anderen Produzenten das Leben schwerer, die beispielsweise mit der kostspieligeren Fracking-Methode in den USA Schieferöl fördern. Laut Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch liegt für 82 Prozent der Produzenten der kostendeckende Preis bei weniger als 60 Dollar. Er beruft sich dabei auf Vertreter die Energiebehörde IEA. Doch für die umstrittene Schieferöl-Förderung in den USA brauche man einen Preis von mindestens 80 Dollar, um profitabel zu sein. Dort muss das "schwarze Gold" mit hohem technischen Aufwand aus Schiefergestein herausgelöst werden.

Die richtungweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee ist derzeit mit gut 82 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) so billig wie zuletzt im Oktober 2010. Die Preise sind seit Juni um rund ein Drittel gesunken. Erst Anfang Oktober hatte Saudi-Arabien die Marktteilnehmer wissen lassen, dass das Land gut mit Preisen unter 90 Dollar oder gar mit einem Preis von 80 Dollar leben könne. Für Kunden in Asien wurden die Preise bereits gesenkt.

"Aus ökonomischer Sicht ist es für Saudi-Arabien viel besser, den Preisrückgang zuzulassen", betont Gary Ross, Chef von Pira Energy. Der heraufziehende Preiskrieg sei "eine Sache der Notwendigkeit", fügt der Rohstoff-Veteran hinzu, der seit den 70er Jahren am Ölmarkt aktiv ist. In den frühen 80er Jahren überschwemmte Nordsee-Öl die Weltmärkte. Dies drückte den Preis seinerzeit auf unter zehn Dollar. Saudi-Arabien senkte daraufhin die Ölförderung binnen fünf Jahren von über zehn Millionen Barrel am Tag auf weniger als 2,5 Millionen. Doch die übrigen Ölproduzenten folgten dem Beispiel nicht - weder innerhalb noch außerhalb der Opec. So gingen die Preise dennoch weiter in den Keller.

Ende 1985 hatten die Saudis dann genug: Sie erhöhten die Produktion und gewährten Kunden Rabatte. Dies sorgte zunächst für einen zusätzlichen Preisverfall, läutete aber die allmähliche Erholung des Marktes ein. Allerdings dauerte es 16 Jahre, bis der Ölpreis sein altes Niveau wieder erreichte.

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