Postler bekommen Boni und Prämien trotz schwieriger Zeiten

Postler bekommen Boni und Prämien trotz schwieriger Zeiten

Die teilstaatliche Post hat aufgrund des scharfen Wettbewerbs und vor allem der kriselnden deutschen Logistik-Tochter trans-o-flex weniger als halb so viel Gewinn eingefahren. Mitarbeiter samt Management bekommen dennoch großzügige Prämien und Boni ausgeschüttet. Aktionäre bekommen eine Dividende. Neue Konkurrenz macht das Geschäft heuer nicht einfacher.

Wien. Die Geschäfte für die heimische Post laufen zwar nicht richtig rund. Dennoch dürfen die 23.000 Beschäftigten mit einem Bonus rechnen. Die Postler bekommen für das Geschäftsjahr 2015 eine Prämie von 832 Euro pro Person. Dies entspricht der Auszahlung des Jahres 2014 und orientiert sich an der vorgeschlagenen Dividende von 1,95 Euro je Aktie. Für Führungskräfte gibt es ein eigenes Boni-Programm, Post-Chef Georg Pölzl erhält für 2015 insgesamt 1,29 Mio. Euro.

"Unser sehr starker Cashflow hat uns zu dieser Dividende veranlasst. Und wir geben den Unternehmenserfolg auch an unsere Mitarbeiter durch eine Prämie weiter, die an die Dividende angepasst ist", so Pölzl am Donnerstag bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz. Von der stabilen Dividende in einer Gesamthöhe von 132 Mio. Euro profitiert auch der Staat als Hälfteeigentümer der börsenotierten Post.

Wie bereits am Montag berichtet, hat die Post aufgrund seiner deutschen Paket-Tochter trans-o-flex einen gravierenden Gewinnrückgang zu verzeichnen. Die teilstaatliche Post hat 2015 einen Gewinn (Ebit) von 89 Mio. Euro eingefahren, im Jahr zuvor waren es noch mehr als doppelt soviel mit 196,9 Mio. Euro. Abschreibungen in Höhe von rund 125,8 Millionen Euro alleine auf trans-o-flex hatten das Ergebnis verhagelt. Ohne die Wertminderungen hätte die Post einen Gewinn in Höhe des Vorjahres erzielt. Das Ergebnis nach Steuern sackte im Jahresvergleich von 146,8 auf 71,6 Mio. Euro ab.

Die Dividende soll mit 1,95 Euro je Aktie stabil bleiben. Für 2016 wird eine stabile Umsatzentwicklung und ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau erwartet. "Die Österreichische Post verfolgt weiterhin das Ziel, zumindest 75 Prozent des Nettoergebnisses an die Aktionäre auszuschütten", so Konzernchef Georg Pölzl.

Der Umsatz legte um 1,6 Prozent auf 2,402 Mrd. Euro zu, wobei das Briefgeschäft um 0,9 und der Paketbereich um 2,9 Prozent wuchs.

Die schwer defizitäre deutsche Logistiktochter wird nun an LOXXESS Group und Schoeller Holding verkauft, die schon vor gut zehn Jahren Eigentümer des Unternehmens waren.

Die Post-Aktie notierte am Donnerstag um 0,4 Porzent schwächer.

Neue Services

Auch wenn die defizitäre deutsche Tochter aus den Büchern und dem Unternehmen verschwindet, gibt es keine Zeit zum Durchatmen. Der Post bläst künftig ein eisiger Wind entgegen. Die Deutsche Post ist im Herbst 2015 in Österreich gestartet. Und der Markteintritt des US-Online-Buchhändlers Amazon als Paketzusteller in Österreich wird ebenso erwarte. In Deutschland hat Amazon bereits mit einem regionalen Angebot gestartet.

Für die Postkunden kündigt der Ober-Poster Pölzl daher neue Services an. Im Laufes des Jahres kommen die Abendzustellung und eine Haustürlösung sowie die Online-Identifizierung. Mit der Zustellung zwischen 17 und 21 Uhr werde ein "signifikanter Schritt" in Richtung Lebensmittelzustellung gesetzt, sagt Pölzl. Ein Pilotversuch läuft bereits in Linz, wann es österreichweit los geht, ist laut Pölzl noch offen.

Die Haustürlösung soll spätestens zum Weihnachtsgeschäft großflächig ausgerollt werden. Und so funktioniert sie: Der Empfänger stellt eine Box vor die Haustür, die eine Schlaufe hat, die unter der Tür durchgezogen wird und das wegtragen durch Unbefugte verhindern soll. Der Postler legt dann in die versperrbare Box die Ware hinein.

Die Online-Identifizierung läuft über Videotelefonie im Live-Chat. Eine App dazu soll in zwei bis vier Wochen kommen. Die Registrierung in der Postfiliale ist weiterhin möglich.


Es wird nicht einfacher, aber es bleibt stabil.

In die weniger gewordenen Filialen wurde und wird mehr investiert, betonte Pölzl mit Verweis auf die kürzlich erfolgte Neueröffnung der Filiale am Wiener Fleischmarkt. Dieses "Flaggschiff" (O-Ton Pölzl) ist gleichzeitig auch die erste Postfiliale, die in Österreich gebaut wurde. Sie wurde 1875 eröffnet, zuvor war sie ein Kloster.

Gegen den Online-Handel

Beim Online-Geschäft sieht Pölzl erheblichen Handlungsbedarf in der Handelsbranche. "60 Prozent des Privatkundengeschäftes kommt hier aus dem Ausland", so Pölzl mit Verweis auf Amazon, Zalando und Co. Dem will er mit der Onlineplattform "shöpping.at" begegnen. Amazon ist im Onlinegeschäft der wichtigste Kunde der Post AG.

Zum Ausblick meinte Pölzl: Es wird nicht einfacher, aber es bleibt stabil. Eine Tariferhöhung im Briefgeschäft schloss Pölzl für heuer aus. Und die Jobs der 23.000 Postler sind derzeit auch gesichert. Ein Abbau steht trotz halbiertem Gewinn heur nicht auf dem Plan.

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