Post-General Pölzl erzielt erneut Rekordergebnis

Post-General Pölzl erzielt erneut Rekordergebnis

Georg Pölzl hält es mit Ayrton Senna, der einst gesagt hat: "If you think, you have everything under control, you are simply not fast enough."

Im ersten Interview nach der Datenaffäre bei der Post sorgt sich General Georg Pölzl, dass das Geschäft mit Direktmarketing komplett an Amazon, Google und Facebook fallen könnte. Für sein Kerngeschäft, das Portal shöpping.at und die erneute Suche nach einem Bankpartner ist er optimistisch. Das Ergebnis konnte der Oberpostler zum neuen Mal in Folge auf Rekordhöhe bringen.

Im neunten Jahr in Folge konnte Post-Generaldirektor Georg Pölzl das Ergebnis der Österreichischen Post AG (ISIN AT0000APOST4) steigern und somit das beste Ergebnis der Geschichte erzielen. In Zahlen gegossen heißt das: Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um 1,5 Prozent auf 210,9 Millionen Euro zu, beim Umsatz gab es ein Plus von einem Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Die positive Entwicklung im Paketgeschäft setzte sich fort (plus 11,5 Prozent), im Briefgeschäft hielt der Abschwung an (minus 2,5 Prozent). Der Personalstand blieb mit 20.545 Vollzeitkräften auf Vorjahresniveau. Die positive Entwicklung zeichnet sich auch am Aktienkurs ab, der im laufenden Jahr bereits um 22,58 Prozent gestiegen ist (Stand vom 15.3.2019).

Vor Bekanntgabe des Ergebnis gab Pölzl dem trend ein Interview (siehe unten). Darin nimmt er auch Stellung zu den jüngsten Bespitzelungsvorwürfen, der Konkurrenz durch Amazon und weiteren Playern, dem Datengeschäft der Post, der Suche nach einem neuen Bankenpartner sowie zur Staatsholding ÖBAG, einem der Hauptaktionäre der Post. Zu der zwischen dem Interview und der Bilanzpräsentation erfolgten Übernahme der DHL in Österreich hielt sich Pölzl aus börsenrechtlichen Gründen noch bedeckt.

Post-Bilanz 2018 vs. 2018. Für aktuelle und Detailinformationen zur Entwicklung des Aktienkurses klicken Sie bitte auf die Abbildung.


Interview

"Das ist blanker Unsinn"

Post CEO Georg Pölzl beim trend-Interview mit Andreas Lampl und Bernhard Ecker (von rechts)

Post CEO Georg Pölzl beim trend-Interview mit Andreas Lampl und Bernhard Ecker (von rechts)

Post-CEO Georg Pölzl im trend-Interview: "Die Zukunft der Post hängt nicht vom Geschäft mit Bankdienstleistungen ab."

trend: Datenaffäre, die gescheiterte Partnerschaft mit der deutschen Fin-Tech-Gruppe, neue Amazon-Konkurrenz, der stotternde Start des E-Commerce-Portals shöpping.at: Im Moment hat man den Eindruck, es läuft nicht ganz rund bei der Post.
Georg Pölzl: Der Eindruck mag bestehen, ist aber völlig falsch. Die Entwicklung der Österreichischen Post AG ist international einzigartig. Wir sind die einzige Postgesellschaft, die in den letzten zehn Jahren ohne Gewinnwarnung ausgekommen ist. An der Börse haben wir die beste Bewertung im europäischen Vergleich. Auch für 2018 erwarten wir ein Prozent Umsatzplus und ein Ergebnis leicht über dem Vorjahr. Die Kundenzufriedenheit wächst von Jahr zu Jahr. Es läuft sehr gut.

Der Verkauf von Daten an politische Parteien kratzt aber schon gehörig am Image. Ist das nun erlaubt oder nicht? Post und Datenschutzbehörde haben da offensichtlich unterschiedliche Meinungen.
Pölzl: Von der Diskussion wurden wir Anfang Jänner überrascht und haben innerhalb von zwei Tagen entschieden, die Daten über politische Affinitäten zu löschen (siehe Kasten, unten) Es tut uns leid, dass Menschen verunsichert wurden. Aber es bestehen hier tatsächlich unterschiedliche Interpretationen über gesetzliche Rahmenbedingungen.



Weil die Gewerbeordnung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) widerspricht?
Pölzl: Sie widerspricht einer bestimmten Auslegung der DSGVO. Die Grundfrage ist: Sind statistisch hochgerechnete Daten persönliche Daten? Wenn das so ist und solche Daten nicht mehr verwendet werden dürfen, dann gratuliere! Dann kann ich auch keinen vernünftigen Streuplan für Werbemailings und keine professionelle Zielgruppenanalyse mehr machen. Dann wird eine Branche mit österreichischer Wertschöpfung von 700 Millionen Euro, davon rund 200 Millionen Euro bei der Post, zugunsten von Google, Facebook und Amazon geopfert. Dann wird physisches Direktmarketing auf einen Schlag zugunsten von Onlinewerbung abgedreht. Im Internet muss ich ja 15-mal am Tag zustimmen, dass meine Daten weiterverwendet werden. Noch einmal: Die Post hat nicht - wie behauptet - selbst Daten erhoben, sondern nur mit statistischen Wahrscheinlichkeiten gearbeitet. Die Darstellung in manchen Medien, die Postler würden ihre Kunden ausspionieren - das ist blanker Unsinn.

Ist Ihr Geschäftsmodell des Adresshandels jetzt gefährdet?
Pölzl: Wenn die meisten Daten, auch wenn sie nur berechnet sind, rechtsgültig als Persönlichkeitsdaten klassifiziert werden, dann wäre das so. Aber diese Diskussion muss geführt und rechtlich geklärt werden. Das kann Monate, wenn nicht Jahre dauern. Wir müssen uns vor Augen halten: Wenn sich unsere Rechtsauffassung nicht durchsetzt, ist das ein Brandbeschleuniger in Richtung digitaler Werbung. Dieser Bereich wird von internationalen Playern beherrscht, die in Österreich kaum Steuern und Abgaben zahlen. Wenn so eine Entwicklung das Ziel der DSGVO ist, hielte ich das für völlig absurd.


Dann wird eine Branche zugunsten von Google & Co geopfert.

In der Post wird auch von einer Kampagne gesprochen und das Vorgehen der Datenschutzbehörde kritisiert?
Pölzl: Es war und ist eine Kampagne. Damit haben sich einige Leute in Österreich profiliert. Dem Leitbetrieb Post etwas anzulasten, bringt viel Aufmerksamkeit, weil wir praktisch 100 Prozent Bekanntheitsgrad haben. Was die Behörde betrifft, wünschen wir uns die Einhaltung einiger Grundregeln. Erstens: den Betroffenen zu informieren, bevor man mit den Medien redet. Zweitens: beraten statt strafen, das steht konkret zum Datenschutz im Regierungsprogramm. Ein Sperrfeuer aus dem Hinterhalt nützt niemandem.

Es gab auch den Vorwurf, die Post hätte personalisierte Kundendaten für Werbung verkauft, nicht nur an Parteien.
Pölzl: Das war ein neues, innovatives Produkt auf Basis legitimierter Daten. Es war ein Test, den wir jetzt einmal eingestellt haben. Das Produkt bieten wir - bis die Rechtslage geklärt ist - so nicht mehr an.

Merken Sie aufgrund der öffentlichen Aufregung generell eine Zurückhaltung bei Unternehmen, was Ihre Produkte im Adresshandel betrifft?
Pölzl: 2018 hatten wir eine besonders negative Entwicklung der gesamten adressierten physischen Werbung, das kommt aber aus der Diskussion über die DSGVO. Wegen des aktuellen Falles haben wir keine negativen Reaktionen. Natürlich bekamen wir ein paar Tausend Anfragen von Einzelpersonen, die Auskunft über ihre Daten wollen, im Verhältnis zur Breite der Kampagne ist das dennoch überschaubar.


Es gab in verschiedenen Punkten völlig unterschiedliche Auffassungen.

Kommen wir zu Ihrer Suche nach einem Bawag-Nachfolger als Partner für Finanzdienstleistungen der Post. Was waren die Gründe für das Platzen des Deals mit der FinTech-Gruppe?
Pölzl: Es gab in verschiedenen Punkten völlig unterschiedliche Auffassungen für die geplante gemeinsame Bank, die sich erst in der Umsetzung des Joint Ventures herausgestellt haben.

Dumm nur, wenn man sich schon vorher an dem potenziellen Partner beteiligt hat - für 35 Millionen Euro.
Pölzl: Das sehe ich nicht als gravierendes Problem. Die Fin-Tech-Gruppe bleibt ja ein spannendes Unternehmen, dessen Aktienkurs sich wieder erholen wird. Das ist jetzt eine Beteiligung in unserem Finanzportfolio und hat keine strategische Bedeutung. Das Scheitern des Deals hat auch keinen nachhaltigen Einfluss auf die Aktie der Österreichischen Post.

Warum musste dann der dafür zuständige Vorstand deswegen gehen?
Pölzl: Musste er nicht. Es gab zwischen Walter Hitziger und dem Aufsichtsrat mehrere Meinungsverschiedenheiten, aus denen er die Konsequenzen gezogen hat. Die Bank war dabei bei Weitem nicht das einzige Thema. Jetzt haben wir drei Vorstände und sind damit schlanker und besser aufgestellt.


Wir können uns auf eine breite Palette von Partnern stützen.

Einfach wird die Suche nach einem neuen Finanzpartner jetzt wohl nicht?
Pölzl: Wer sagt das? Es gibt immer noch viel Interesse, auch aus dem Ausland. Die Post wird jedenfalls auch ab 2020 Finanzdienstleistungen im Portfolio haben. Es muss ja nicht unbedingt das Modell Bawag sein, bei dem alle Produkte vom gleichen Anbieter kommen. Wir könnten uns ja auch auf eine breite Palette von Partnern stützen.

Zusammen mit FinTech wollten Sie eine eigene Bank gründen, nicht bloß Produkte von Dritten verkaufen. Ist diese Option nun tot?
Pölzl: Diese Frage wird gerade intensiv mit dem Aufsichtsrat diskutiert und ist noch nicht entschieden. Aber wahren wir einmal die Relation: Die Bankdienstleistungen machen 2,5 Prozent unseres Umsatzes aus und haben für das Ergebnis sehr wenig Bedeutung. Die Zukunft der Post hängt nicht von diesem Geschäft ab.


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Im Kerngeschäft ist zuletzt Amazon als Konkurrent in der Paketzustellung tätig geworden. Mit welchem Effekt?
Pölzl: 2015 wurden uns beim Markteintritt von DHL erhebliche Probleme vorausgesagt -das Geschäft hat sich jedoch danach positiv weiterentwickelt. Wir haben bewiesen, dass wir auch mit starkem Wettbewerb leben können. Daran wird auch Amazon nichts ändern. Es wird Volumen im Ballungsraum Wien kosten, aber unsere Strategie bleibt gleich: Wir setzen auf Qualität. Wir werden dennoch unsere Paketkapazitäten verdoppeln.

DHL leidet möglicherweise noch mehr unter Amazon. Könnte es mit dieser Tochter der Deutschen Post wieder eine stärkere Kooperation geben - so wie früher?
Pölzl: Das ist wie in einer Ehe, da gehören immer zwei dazu. Wir nehmen jedes Paket, das in Österreich zugestellt werden soll. Das ist übrigens gar nicht so absurd: 2017 mussten deutsche Unternehmen im Weihnachtsgeschäft Pakete ablehnen. Wir haben es auch zu Spitzenzeiten immer noch irgendwie geschafft.

MARKTFÜHRER bei Paketen ist eindeutig die Post. Aber Amazon startete erst Ende 2018.

Das Pilotprojekt mit zunächst 20 Hofer-Filialen als Paketabholstationen läuft gut?
Pölzl: Ja. Die Stationen werden gut angenommen. Weitere Schritte möchte ich aber nicht vorwegnehmen, bevor das mit unserem Partner abgesprochen ist. Wir eröffnen außerdem 30 neue physische Filialen alleine in Wien, die allesamt Selbstbedienungsstationen beinhalten. Das ist eine unserer großen Stärken. Während wir im Endkonsumentengeschäft einen Marktanteil von knapp 60 Prozent haben, haben wir bei den Paketrücksendungen einen Marktanteil von 90 Prozent - wegen unseres Filial- und Selbstbedienungsnetzes.

Wann wird der seit Jahren brodelnde Konflikt mit Ihrer türkischen Beteiligung Aras Kargo gelöst sein?
Pölzl: Es laufen Schiedsverfahren in Genf. Die Entscheidungen müssten demnächst kommen. Die Gespräche mit der Eigentümerfamilie gestalten sich nach wie vor schwierig. Oberstes Gebot ist der Werterhalt unseres Investments. So viele Möglichkeiten haben wir nicht, unseren internationalen Fußabdruck zu vergrößern. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der türkische Markt wichtig für Europa ist.

Große andere Aktivitäten außerhalb Österreichs sind nicht mehr geplant?
Pölzl: Wir schauen uns laufend Zukaufmöglichkeiten an, auch in unserem Osteuropa-Portfolio. Aber die verlangten Preise halten wir zumeist für nicht darstellbar. Wir sind im internationalen Vergleich halt doch eher klein.


shöpping.at ist ein Beitrag zur Antwort auf die Globalisierung der Warenströme.

Das E-Commerce-Portal shöpping.at soll Ihre Antwort auf Amazon sein. Es gibt weder Daten zu den Investitionen noch zu den Umsätzen. Im Markt heißt es, das sei ein Millionengrab.
Pölzl: Das ist im Wesentlichen laufender Aufwand. 2018 war die Entwicklung sehr gut. Wir haben heute 500 Händler auf der Plattform. Es gibt täglich ein paar Hundert Bestellungen. Das Sortiment wird ständig besser. Und den Vergleich mit Amazon habe ich immer abgelehnt: Wir sind ein österreichischer Marktplatz, und wir werden der einzige österreichische Marktplatz bleiben. Natürlich gab es Startschwierigkeiten, die wie immer mit viel Häme kommentiert wurden. Aber ich bin zufrieden und gehe davon aus, dass wir weiterhin Unterstützung von Stellen bekommen, die Interesse an einer guten Entwicklung des österreichischen Handels haben. shöpping.at ist ein Beitrag zur Antwort auf die Globalisierung der Warenströme.

Die Verluste sind nicht so hoch, dass die Weiterführung infrage steht?
Pölzl: Sie sind nicht in Dimensionen, die das Ergebnis der Post AG infrage stellen. Da werden ja absurde Zahlen - 40 Millionen Euro oder mehr - kolportiert. Die Plattform ist heute besser denn je. Ich möchte keine zeitlichen Angaben dazu machen, wann wir den Break-even erreichen. shöpping. at ist heute schon ein Profitcenter, nur eben noch ohne Profit. Aber schauen Sie etwa auf unsere deutsche Tochter AEP, einen Arzneimittelgroßhändler: Dort machen wir nach fünf Jahren über 400 Millionen Euro Handelsumsatz.


Die ÖBAG ist im Verhältnis zur ÖBIB ein Fortschritt.

Zuletzt noch eine Frage zur neuen staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG, die sich ja wieder aktiver um ihre Beteiligungen kümmern will, u. a. um die Post. Eine gefährliche Drohung?
Pölzl: Ich habe das Konzept der Vorgängergesellschaft ÖBIB immer für falsch gehalten. Die Politik hat immer Einfluss. Entscheidend sind aber die handelnden Menschen. Im ÖBAG-Aufsichtsrat sitzen jedenfalls zu 100 Prozent Unternehmer und Manager, die wissen, worauf es ankommt. Wenn die Aufsichtsräte der Beteiligungen nun mit ähnlichen Leuten besetzt werden, begrüße ich das sehr. Die ÖBAG ist im Verhältnis zur ÖBIB ein Fortschritt.

Der Plan, bei der Post unter 50 Prozent Staatsbeteiligung zu kommen, etwa durch eine Mitarbeiterstiftung, ist nicht mehr aktuell?
Pölzl: Privatisierungsschritte sind politisch derzeit kein Thema. Und die Mitarbeiterstiftung ist in der Prioritätenliste etwas nach unten gerutscht.

Ihren Vertrag bis 2022, mit Verlängerungsoption bis 2024, werden Sie erfüllen?
Pölzl: Ich möchte das machen, ja. Wir haben eine langfristige Strategie, die gut funktioniert -auch wenn es da und dort rumpelt und viel lieber darüber berichtet wird, was wir nicht zusammenbringen, als darüber, was wir zusammenbringen, obwohl das viel mehr ist. Aber ich halte es mit dem früheren Rennfahrer Ayrton Senna, der gesagt hat: "If you think, you have everything under control, you are simply not fast enough."


Zur Person

Georg Pölzl , 61, war nach dem Studium an der Montanuniversität Leoben als Unternehmensberater für McKinsey tätig. Danach war der gebürtige Steirer ab 1998 Chef vom ersten privaten Mobilfunkbetreiber max.mobil, der 2002 vollständig von T-Mobile übernommen und umbenannt wurde. 2007 wechselte er in eine Spitzenposition zur Konzernmutter Deutsche Telekom, wo er ein konzernweites Effizienzprogramm geleitet hat. 2009 wurde er Chef von T-Mobile Deutschland. Noch im selben Jahr kehrte er von Bonn nach Wien zurück, wo er seither als Vorstandschef die börsennotierte Post führt.


Die Unterbrechung der Datenleitung

Die Post macht sich Sorgen um ihr Geschäft mit dem Adressenhandel.

AFFÄRE. Kurz nach dem Jahreswechsel geriet die Post AG ins Visier von Datenschützern, nachdem berichtet worden war, dass sie personenbezogene Daten zur Parteienaffinität für Wahlkämpfe verkauft hat. Allerdings hat die Post diese Daten nicht bei den Betroffenen erhoben, sondern nur nach statistischen Wahrscheinlichkeiten berechnet. Das sei rechtlich zulässig, ist General Pölzl überzeugt. Trotzdem wurde entschieden, diese Daten zu löschen. Im Unternehmen wird auch zugestanden, dass es nicht so klug war, den Personen Parteien mit Klarnamen zuzuordnen.

Damit ist die Causa aber nicht ausgestanden, denn sie hat weitreichende Konsequenzen. Die Post befürchtet eine massive Beeinträchtigung für physisches Direktmarketing (per Werbesendung ins Postfach), wenn solche Berechnungen als sensible Persönlichkeitsdaten eingestuft werden. Sie beschreitet daher den Rechtsweg. Die Sorge ist nicht unberechtigt: Sie könnte dazu führen, dass sich dieses Geschäft nahezu gänzlich ins Internet verlagert, wo die Konsumenten den Auswertungen ihrer Interessen (über Cookies) zustimmen müssen. "Wollen wir, dass der Marktanteil von Google, Facebook und Amazon von 80 auf 100 Prozent steigt?", fragt ein Postmanager. 200 Millionen Euro Umsatz wären beim staatlichen Logistikkonzern betroffen.

Die Datenschutzbehörde unter Leiterin Andrea Jelinek (Bild) hat zudem ein Verfahren gegen die Post eingeleitet, weil Adressdaten mit Erkenntnissen der twyn group zum Surfverhalten von Menschen kombiniert wurden. Die Post bietet dieses "innovative Produkt" vorerst nicht mehr an und fürchtet eine Verunsicherung ihrer Unternehmenskunden durch die "Kampagne gegen die Post" und die "irritierende Vorgehensweise" der Behörde. Man will sich aber dagegen wehren.

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Verlässlicher Partner gesucht

Post gerät bei Kooperation für Finanzdienstleistungen unter Zeitdruck.

ENTLOBUNG. Es hörte sich nach einem smarten Projekt an, das die Post im Herbst des Vorjahres präsentierte. Gemeinsam mit der deutschen FinTech Group, einem Online-Broker (Flatex) und Anbieter digitaler Finanztechnologien, wollte man eine gemeinsame, moderne Bank bauen, um nach dem Auslaufen des Vertrags mit der Bawag Ende 2019 weiter Geldservices in den Postämtern anbieten zu können.

Doch schon wenige Wochen danach war der Traum geplatzt. Die Vorstellungen der mehrheitlich staatlichen Post und des forschen FinTech-Chefs Frank Niehage ließen sich nicht unter einen Hut bringen. Es spießte sich schon an der Frage, wie die Managementpositionen besetzt werden sollen. Die Verlobung wurde gelöst, die Post steht nun unter Zeitdruck. Angeblich gibt es Interesse aus dem Ausland an einer Kooperation. Genannt wird vor allem die spanische Bank Santander, aber auch die deutsche Commerzbank.

Aber fix ist nix. Post-CEO Georg Pölzl lässt im Interview anklingen, man könne für verschiedene Produkte (Sparen, Kredite, Versicherungen, Wertpapiere) auch mit unterschiedlichen Partnern arbeiten. Das klingt irgendwie schon nach Plan B. Auch ob es wieder eine eigene Bank oder nur ein reines Vertriebsmodell (wie mit der Bawag) werden soll, ist nicht entschieden.

Die Postführung gibt sich gelassen. Lediglich 2,5 Prozent des Umsatzes (rund 50 Millionen Euro) kämen aus den Finanzgeschäften, so wird argumentiert. Aber so unbedeutend ist die Sache nicht. Die Post bekommt 300 (weitgehend unkündbare) Finanzberater von der Bawag zurück, für die sie eine Beschäftigung braucht. Und: Ohne Gelddienstleistungen könnte die Bedeutung des Filialnetzes noch schneller abnehmen, wird in der Post hinter vorgehaltener Hand bestätigt.

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