Post-Chef Georg Pölzl liest der Regierung die Leviten

Post-Chef Georg Pölzl liest der Regierung die Leviten

Post-Generaldirektor Georg Pölzl

Post-Vorstandschef Pölzl spricht im trend-Interview über die harte Aufgabe, der Regierung beim Entbürokratisieren zu helfen, die fehlende wirtschaftspolitische Gesamtstrategie, die Kammern als Oberblockierer der Republik und er erklärt, warum sich Österreich "weniger Gedanken über Umverteilung machen" soll - und wie die Post trotz des schwierigen Umfelds den Change-Prozess geschafft hat.

Wien. "bitte nichts schönreden", warnt Post-Vorstandschef Georg Pölzl vor allzu großer Euphorie über die neuen Pläne der Regierung. Der Postchef sieht unzählige Baustellen, die schon längst hätten geschlossen werden. Er sieht keine wirtschaftliche Gesamtstrategie bei der Bundesregierung. Acht Jahre wurden vergeudet, etwa die Entbürokratisierung in die Wege zu leiten. "Nichts passierte, es ging nur um mehr Staat", kritisiert Pölzl.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch für den Postchef: "Das Pendel in der jetzigen Regierungskonstellation schwingt zum Glück wieder in die andere Richtung - ich sehe gute Ansätze." Der kritische Postchef wurde vor einigen Monaten von der Bundesregierung gebeten, in der Arbeitsgruppe für Deregulierung und Entbürokratisierung mitzuwirken, um die Reformschritte voranzutreiben.


Das Kammersystem aus sich selbst heraus zu reformieren, funktioniert nicht. Der Druck muss erhöht werden.

Einen konkreten Lösungsvorschlag hat Pölzl parat: Der Druck auf die Sozialpartner müsse deutlich erhöht werden. "Ich halte ja die Sozialpartner für die größeren Blockierer als die Länder", sagt Georg Pölzl im trend-Interview mit Chefredakteur Andreas Lampl .

Der Druck der Mitglieder auf die Kammern reiche jedenfalls nicht, "weil sie ja auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in der - ziemlich einzigartigen - Zwangsmitgliedschaft verhaftet sind". "Ich glaube, dass es mehr Druck von außen, mehr Druck von der Regierung auf das Kammersystem braucht", sagt der Generaldirektor des teilstaatlichen Betriebes.

Von der Diskussion über Vermögens-, Erbschafts- und Reichensteuer hält Pölz nichts. "Wir sollten uns weniger Gedanken über Umverteilung machen als darüber, wie wir Wertschöpfung erzielen. Wir werden länger arbeiten müssen, im Alter vielleicht kürzer, aber dann bitte ohne vollen Lohnausgleich", so Pölzl. Laut Geschäftsbericht 2015 bezieht Pölzl, Jahrgang 1957, ein Gesamt-Jahreseinkommen von 1,28 Mio. Euro.


Lesen Sie das komplette Interview im trend Nr. 8/2016
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