Porsche mit sattem Gewinn und satter Steuernachzahlung

Porsche mit sattem Gewinn und satter Steuernachzahlung

Vernetzung von Autos: Ein Megatrend nun auch für Porsche.

Der VW-Großaktionär Porsche SE hat einen Gewinn von rund drei Milliarden Gewinn eingefahren, muss aber aufgrund "komplizierter Sachverhalte" an die Finanz eine halbre Milliarde Steuern nachzahlen. Noch lange nicht abgeschlossen sind die Schadenersatzprozesse. Porsche hat für Zukäufe Geld auf die hohe Kante gelegt und hat IT-Unternehmen im Visier. Die Salzburger Porsche Holding fährt auf der Überholspur und erzielte abermals ein Rekordergebnis.

Stuttgart/Salzburg. Der VW-Großaktionär Porsche Holding hat das Geschäftsjahr 2014 mit einem Konzernergebnis nach Steuern in Höhe von 3,03 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,41 Milliarden Euro) abgeschlossen. Für das Jahr 2015 erwartet die Holding von ihrer VW-Beteiligung ein Konzernergebnis nach Steuern von 2,8 bis 3,8 Mrd. Euro.

Allerdings muss die Porsche Holding in diesem Jahr einen dicken Batzen Steuern nachzahlen. Der Fiskus habe nach einer Prüfung der Jahre 2006 bis 2009 festgestellt, dass die Holding in diesem Zeitraum zu wenig Steuern gezahlt habe, erklärte Finanzchef Hans Dieter Pötsch am Dienstag in Stuttgart.

In diesem Jahr sei deshalb mit einem Zahlungsabfluss von 428 Mio. Euro zu rechnen nach bereits 204 Mio. Euro im vergangenen Jahr. "Es geht um komplizierte Sachverhalte in Verbindung mit Kurssicherungsgeschäften", ergänzte Pötsch.

Die Steuerschulden schmälern die traditionell Mrd.hohe Nettoliquidität der Holding, die von den Familien von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und seines Cousins Wolfgang Porsche kontrolliert wird und mit 50,7 Prozent der Stammaktien die Mehrheit an Europas größtem Autokonzern Volkswagen hält. Die Nettoliquidität werde sich künftig auf 1,7 bis 2,3 Mrd. Euro belaufen. Im vergangenen Jahr war sie größtenteils wegen der Steuernachzahlung auf 2,27 von 2,61 Mrd. Euro gesunken. Pötsch zufolge wird sich die Holding einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die Steuerzahlung vom VW-Konzern zurückholen, da dies schon 2012 vereinbart worden sei. Mit der Zahlung 2015 sei das Thema voraussichtlich abgeschlossen.

Die Aktionäre - neben den Familien-Aktionären Piech und Porsche auch die Inhaber von Vorzugsaktien - müssen deshalb auf eine Dividendenerhöhung wahrscheinlich bis 2017 für das Geschäftsjahr 2016 warten, wie Pötsch weiter erklärte. In diesem Jahr sollen je Anteilsschein wie im Vorjahr 2,01 Euro bei Vorzugsaktien und 2,004 Euro bei Stammaktien gezahlt werden. Den Piechs und Porsches fließen damit mindestens 306 Mio. Euro zu.

Mehrere Schadenersatzprozesse

Noch lange nicht abgeschlossen sind die zahlreichen Schadensersatzprozesse mit Anlegern sowie Strafprozesse im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche 2008. Die Forderungen belaufen sich auf mehr als 5 Mrd. Euro.

Vier Gerichte haben bereits Klagen gegen die Porsche SE abgewiesen, doch gingen Kläger in Berufung. "Wir können zuversichtlich sein, dass wir hier auf einem sehr guten Weg sind", sagte Pötsch.

Auf Übernahmekurs

Die Milliardenhohe Liquidität will die Porsche-Holding für weitere Zukäufe nutzen. Die Porsche SE sei auf der Suche nach weiteren Beteiligungen an Firmen, die Produkte zur Vernetzung von Autos anböten, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Porsche-Holding ist. "Diese Schlüsseltechnologie wird die Automobilbranche in den kommenden Jahrzehnten stark prägen", sagte er. Neben Dienstleistern seien für die Porsche-Holding auch Anlagen- und Werkzeugbauer interessant.

Im vergangenen Jahr hatten die Schwaben für 41 Mio. Euro zehn Prozent an dem Verkehrsdaten-Dienstleister Inrix aus den USA erworben. Die Porsche SE verfügt derzeit über eine Liquidität von mehr als 2 Mrd. Euro.

PSH fährte auf Rekordkurs

Die Porsche Holding Salzburg (PHS) hat ihr Allzeithoch aus 2013 im Vorjahr neuerlich übertroffen: Ein konsolidierter Umsatz von 17,1 Mrd. Euro bedeutet ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber 2013. In Summe verkaufte die PHS 623.203 Neuwagen (plus 5,3 Prozent) und 244.046 Gebrauchtwagen (plus 2,2 Prozent). Angaben zum Gewinn machte das Unternehmen in einer Aussendung am Dienstag nicht.

Nicht ganz so erfreulich lief es neuerlich am Heimmarkt: Dort konnte der Umsatz nach einem Rückgang im Jahr 2013 (von 5,2 auf 5,0 Mrd. Euro) zumindest gehalten werden. Der Marktanteil in Österreich blieb - bei einem deutlich rückläufigen Pkw-Gesamtmarkt mit minus 4,9 Prozent - mit 35,8 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres (35,9 Prozent). Untermauert wird die starke Präsenz am Heimmarkt auch mit der Bestseller-Liste: Unter den Top-Zehn war die Porsche Holding gleich mit vier Marken und sechs Modellen vertreten.

Die Mitarbeiterzahl in Österreich blieb mit 5.995 (2013: 5.956) nahezu unverändert. Zu den Marken der Porsche Holding zählen Volkswagen (Pkw und Nutzfahrzeuge), Audi, Seat, Skoda, Porsche, Bentley, Lamborghini, Bugatti, Ducati und MAN (in Chile und Kolumbien).

Steigerung in Osteuropa

Zufrieden zeigte sich die Holding mit der Entwicklung in Osteuropa, wenngleich dort von einem niedrigen Niveau ausgegangen wurde. Mit 198.933 Neuwagen konnte das Vorjahresvolumen um 13,1 Prozent gesteigert werden, ohne Ukraine sogar um 20,3 Prozent. Der Gebrauchtwagen-Absatz erhöhte sich um 15,6 Prozent auf 12.381 Fahrzeuge.

In Deutschland und Spanien, wo die PHS die Managementverantwortung für die konzerneigenen Einzelhandelsbetriebe übernommen hat, wurden 2014 in den 163 Einzelhandelsbetrieben exakt 106.000 Neuwagen und 95.632 Gebrauchtwagen abgesetzt. Der Umsatz stieg von 3,8 Mrd. auf 4,1 Mrd. Euro. In Frankreich, Holland, Belgien und Polen, wo die Multimarken Autohandelsgruppe PGA tätig ist, gab es ein Umsatzplus von 9,7 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. In diesen Ländern wurden 120.026 Neuwagen (plus 4,5 Prozent) und 116.586 Gebrauchtwagen (plus 1 Prozent), verkauft.

In Südamerika sprach die Porsche Holding angesichts der Währungsentwicklung von einer schwierigen Marktsituation. Der Marktanteil im Pkw-Geschäft konnte von 2,6 auf 2,8 Prozent leicht gesteigert werden. Und in China haben die insgesamt 23 Händler im vergangenen Jahr 16.610 Neuwagen abgesetzt (plus 19,5 Prozent). Der Umsatz wuchs um 11,2 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro.

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