Porr: Gewinn bricht um 60 Prozent ein

Probleme durch ein Projekt in Norwegen und hoher Margendruck und Facharbeitermangel, speziell in einem Land, setzten der Porr 2019 zu. Aktuell setzen dem Unternehmen neben Corona-Effekten schadhafter Stahl aus China beim Bau einer großen Brücke in Deutschland zu.

Porr: Gewinn bricht um 60 Prozent ein

Porr-Chef Karl-Heinz Strauss machen negative Einmaleffekte eines Brück

Noch im Juni 2019 hat alles so gut ausgesehen. Die börennotierte Baukonzern Porr meldete einen Rekord-Auftragsbestand und Vollauslastung. In Folge von nachhaltig verbesserten Margen kündigte das Management selektiv Akquisitionen an. Die Neuaufträge im ersten Halbjahr 2019 stiegen um fast ein Viertel auf drei Milliarden Euro. Wenn auch schon damals über hohe Kapazitätsengpässe bei Subunternehmern und anhaltend hohe Kosten bei Baumaterialien und Logistik geklagt wurde.

Projekt in Norwegen und Margendruck in Polen lassen Gewinn einbrechen
Nun meldet die Porr für das abgelaufene Geschäftsjahr einen deutlichen Gewinneinbruch. Das Konzernergebnis brach 2019 gegenüber dem Jahr davor um 58 Prozent ein, von 66,2 auf 27,8 Millionen Euro. "Das vergangene Jahr hat Spuren hinterlassen,“ sagt Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr. Der Gewinn je Aktie (EPS) sank um 74 Prozent auf 0,5 Euro. Die Produktionsleistung entwickelte sich mit rund 5,6 Mrd. Euro stabil (minus 0,4 Prozent), wie das Unternehmen mitteilte.

Spektakulärer Brückenbau in Norwegen
Der Gewinn vor Steuern ging von 88,1 auf 37,4 Mio. Euro massiv nach unten. Grund dafür seien Einmaleffekte wie "der einmalige negative Ergebnisbeitrag eines Projekts in Norwegen. Seit dem Erwerb eines renommierten Infrastrukturunternehmens im Jahr 2015 ist die Porr in Norwegen mit eigenen Projekten vertreten. So hat die Porr mit der Tresfjord-Brücke eine der spektakulärsten Brückenprojekte der Region erfolgreich realisiert. Zu den weiteren Projekten zählen der Bau der Harpe-Brücke, der Farris-Brücke und die Loftenes-Brücke. Ein Folgeauftrag dürfte nun jedoch Probleme bereiten. So hat Porr-CEO Strauss bereits im Herbst auf der Gewinn-Messe von einem Brücken-Projekt gesprochen, bei dem Fehler passiert seien und das sich negativ auswirke. 2017 startete der Bau der 654 Meter langen Varodd-Brücke mit sechs Fahrspuren inklusive Fuß- und Radweg und Abriss der alten Hängebrücke aus 1956. Das Auftragsvolumen betrug 61 Millionen Euro, geplante Fertigstellung 2020.

Mangelhafter Stahl aus China könnte Bau Leverkusener Brücke verzögern
Zuletzt wurde außerdem über Mängel an aus China importierten Stahlteilen berichtet, die zu erheblichen Verzögerungen beim Neubau der Leverkusener Rheinbrücke führen könnte. "Die Stahlteile, die angeliefert wurden, weisen erhebliche Mängel auf", sagte ein Sprecher des Landesbetriebes Straßen.NRW der Deutschen Presse-Agentur. Beauftragt soll die Lieferung der Stahlteile die Porr haben. Nun muss das Unternehmen Konsequenzen fürchten. "Es ist richtig, dass Straßen.NRW bisher die Neuherstellung der Stahlteile fordert und die Kündigung des Bauvertrags angedroht hat", hieß es bei der Porr laut Medienberichten. Eine Neuherstellung der Teile sei jedoch nicht nötig, so das Management. Es sei möglich die vorhandenen Mängel zu beseitigen. Die Porr hält am Zeitplan für den Brückenbau fest. Die Leverkusener Rheinbrücke gilt als eines der aufwendigsten derzeitigen Bauprojekte im Straßenverkehr Nordrhein-Westfalens. Bereits seit Jahren ist die marode Brücke für Lastwagen gesperrt.

Aktuell drückt bei der Porr laut Management auch ein hoher Preis- und Margendruck in Polen auf den Unternehmensgewinn. Dort herrscht zusätzlich akuter Facharbeitermangel. Ein Rückgang im internationalen Geschäft wird auch auf das Auslaufen der Großprojekte in Katar zurückgeführt.

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich das Ergebnis (EBITDA) im Jahresabstand geringfügig um 1,3 Prozent auf 222,3 Mio. Euro. n

Marktanteile in vielen Ländern gewonnen
Der Auftragsbestand blieb den Angaben zufolge mit 7,1 Mrd. Euro nahezu unverändert (minus 0,5 Prozent). Um 12,5 Prozent deutlich zurückgegangen ist 2019 hingegen der Ordereingang - von 6,3 Mrd. auf 5,5 Mrd. Euro. So konnte in den meisten wichtigen Märkten konnten aber Marktanteile gewonnen werden. Wesentliche Treiber waren die Zuwächse in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Dividende wird gestrichen - allerdings nicht wegen des massiven Gewinneinbruchs, sondern angesichts der Coronakrise, die im März einsetzte und auch die Porr dazu veranlasste, staatliche Hilfe in Form des Kurzarbeitsmodells in Anspruch zu nehmen. Der Entfall der Gewinnausschüttung werde der Hauptversammlung "als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie" sowie "aus Solidarität gegenüber allen Stakeholdern der Porr" vorgeschlagen.

Aktie verliert fast 40 Prozent in einem Jahr
Die Aktie hat bereits in den vergangenen zwölf Monaten ordentlich gelitten. Der Kurseinbruch betrag rund 39 Prozent. Allein in der letzten Woche betrug das Minus 5,7 Prozent.


Hohe Unsicherheit bezüglich des tatsächlichen Ausmaßes der Coronakrise

Es bestehe derzeit eine "hohe Unsicherheit bezüglich des tatsächlichen Ausmaßes der Coronakrise und der wirtschaftlichen Implikationen aus dem Shutdown". Eine seriöse Bewertung und Anpassung der im März kommunizierten Unternehmensziele für das Jahr 2020 sei daher "zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich". Die wirtschaftlichen Folgen für die Profitabilität der Porr werden im Wesentlichen von der Dauer dieser Krise, den Auswirkungen auf die konjunkturellen Entwicklungen in den betroffenen Ländern und den Maßnahmen seitens der öffentlichen Hand abhängen.

Die Porr steuert allerdings dagegen: "Mit unserem Transformationsprogramm Porr 2025 ergreifen wir die erforderlichen Maßnahmen", so Porr-Boss Strauss. Weltweit beschäftigte Österreichs zweitgrößter Baukonzern (hinter der Strabag) im vergangenen Jahr 19.828 Mitarbeiter - das waren um 4,3 Prozent mehr als 2018.

Die Optimierungspläne bis 2025
Durch die Transformation sollen die Unternehmenseinheiten verschlankt und die Kosten optimiert werden und Managementstrukturen vereinfacht werden. Der Fokus soll auf die Heimmärkte und Kernkompetenzen gelegt werden, operative Prozesse verbessert und die Kostendisziplin erhöht werden.

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