Pilotenstreik eskaliert: 1000 Lufthansa-Flüge fallen aus

Am Mittwoch wird sich die Lage an den Airports in Frankfurt und München zusptizen. Betroffen sind aber auch Flüge von Wien und Graz in die beiden deutschen Städte. Bisher sind alleine von Wien 20 der 22 Flüge gestrichen. Die AUA wird statt der Mutter beistehen und einspringen und größere Flugzeuge nach Deutschland einsetzen. Die Lufthansa-Piloten wollen nicht auf üppige Pensionen verzichten. Die anelger feiern die Lufthansa-Aktie.

Pilotenstreik eskaliert: 1000 Lufthansa-Flüge fallen aus

Frankfurt/Wien. Die AUA-Konzernmutter Lufthansa wehrt sich gegen die abermals verschärften Pilotenstreiks mit juristischen Mitteln. Zum Ende der Ferienzeit kommt der neue Ausstand wieder Tausenden Passagieren in die Quere. Wegen der auf die Kurz- und Mittelstrecke verlagerten Streiks sollen am Mittwoch 1000 der 1520 geplanten Lufthansa-Flüge ausfallen, wie das Unternehmen zu seinem Sonderflugplan mitteilte.

Betroffen seien rund 140.000 von 180.000 gebuchten Kunden.

Der Dax-Konzern versucht jedoch, die inzwischen 13. Streikrunde noch von den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln stoppen zu lassen. Für die Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cargo sowie die Tochter Germanwings wurden am Dienstag einstweilige Verfügungen gegen den Streik beantragt, über die am Nachmittag noch nicht entschieden war. Von der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verlangt die Lufthansa zudem 60 Mio. Euro an Schadenersatz.

Für innerdeutsche Verbindungen wurden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen. Außerdem könnte das Unternehmen auch Jets anderer Gesellschaften aus dem Lufthansa-Konzern einsetzen.

Erneut sollten betroffene Kunden gezielt über SMS und E-Mails informiert werden. Die Kunden würden weit über das erträgliche Maß hinaus von einer kleinen Gruppe der Beschäftigten belastet, kritisierte Konzernsprecherin Barbara Schädler.

Zum Auftakt der 13. Streikrunde hatte die Gewerkschaft gedroht, dass ihre Mitglieder bei Europas größtem Luftverkehrskonzern bis zum Jahresende wöchentlich die Arbeit niederlegen könnten. Wörtlich sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Frankfurter Flughafen: "Bis auf Weiteres ist es jede Woche möglich, dass es neue Ausstände gibt. Ausgenommen davon ist vielleicht Weihnachten."

Die Ruhe vor der Leere

Am Frankfurter Flughafen war am Dienstag wie an anderen deutschen Airports nur wenig von den zunächst auf die Langstrecke beschränkten Pilotenstreiks zu spüren. Nur knapp die Hälfte der 170 Übersee-Verbindungen wurde abgesagt, allerdings fallen wegen der gestörten Umläufe auch am Mittwoch und Donnerstag noch dutzende Langstrecken aus.

Die scheibchenweisen Ankündigungen der VC zu den einzelnen Streikmaßnahmen stellten die Lufthansa-Planer zwar vor schwere, aber nicht unlösbare Aufgaben, sagte Schädler: "Wir haben bereits bei dem Streik im März gezeigt, dass wir das operativ hinkriegen." Für die Kunden sei aber jeder weitere Flugausfall unzumutbar.

Nicht betroffen sind am Mittwoch nach den VC-Ankündigungen die Verbindungen der Tochter Germanwings. Deren Maschinen würden nur bestreikt, falls die Lufthansa sie als Ersatz für die eigenen Jets einsetzen sollte, erklärte die Gewerkschaft.

Die Börse feiert die Aktie

Unbeeindruckt vom Streik und weiterer Verschärfungen ist die Börse. Die Anleger haben noch nicht reagiert oder sind noch in Feierlaune. Die Lufthansa-Aktie notierte mit 2,27 Prozent gar im Plus, was eher überrascht, hatten die nun 13 Streiks dem Unternehmen nicht nur Image sondern auch viel Geld gekostet.

In den bisher zwölf Streikrunden des laufenden Tarifkonflikts hat die VC der Lufthansa nach deren Angaben rund 330 Mio. Euro an Schaden zugefügt. Offizieller Streikgrund bleiben die Übergangspensionen der etwa 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

Es geht aber auch um die künftige Unternehmensstrategie mit der geplanten Billigschiene Eurowings. Lufthansa will hier ausschließlich Piloten einsetzen, die deutlich geringere Gehälter erhalten. In einer Reaktion lehnte es das Unternehmen ab, künftig noch mit der Tarifkommission der VC über dieses Thema zu sprechen.

Die Piloten hatten seit März nicht mehr gestreikt, sich im Sommer aber nicht mit der Lufthansa auf eine neue Tarifstruktur einigen können. Sie werfen dem Konzern Tarifflucht vor, weil bei Eurowings Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden sollen. Das Management begründet die Pläne mit dem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck durch Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet.

Lufthansa begründete die angekündigte Schadenersatz-Klage. Die Piloten hätten sich bei der ersten Streikrunde im April 2014 nicht rechtmäßig verhalten, weil damals zumindest bei der Tochter Lufthansa Cargo der angegriffene Tarifvertrag noch gültig gewesen sei.

Zudem wiederholte das Management, dass zu den aktuellen Bedingungen des Konzerntarifvertrags kein Pilot mehr eingestellt werde, weil die Kosten nicht wettbewerbsfähig seien. Wegen der natürlichen Fluktuation werden daher die Flotten der betroffenen Airlines Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings schrumpfen. Den Bestandspiloten sichert die Lufthansa ihre Besitzstände zu. Sie werden auch künftig ihren Arbeitsplatz im Konzern behalten.

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