Piloten-Vereinigung: "Laudamotion tritt Recht mit Füßen"

Laudamotion CEO Andreas Gruber (li) und Ryanair-Chef Michael O'Leary

Billig um jeden Preis? Laudamotion CEO Andreas Gruber (li) und Ryanair-Chef Michael O'Leary

Die Austrian Cockpit Association, die österreichische Interessenvertretung für Verkehrspiloten, schießt scharf gegen Laudamotion: Mit Lohndumping und Kollektivvertrags-Umgehung wird österreichisches Recht mt Füßen getreten.

Wie billig können und dürfen Flugticktes sein? An welchen Stellschrauben kann eine Fluglinie drehen und wie weit darf sie dabei gehen, um den Passagieren das Fliegen möglichst günstig anbieten zu können?

Die Austrian Cockpit Association (ACA), die österreichische Interessenvertretung für Verkehrspiloten, ist überzeugt, dass die zur irischen Billigfluglinie Ryanair gehörende Laudamotion gleich mehrere Schritte entschieden zu weit geht - sowohl auf Kosten der Mitarbeiter als auch auf Kosten der Umwelt. "Die Mitarbeiter bezahlen für die Billigtickets - mit schlechten Arbeitsbedingungen", mahnt die ACA. Die Fluglinie trete dabei österreichisches Recht mit Füßen und verhalte sich mit ihren Billigtickets ignorant in der Klimakrise.

Billig = teuer

2019 ist die Rechnung bei Laudamotion jedenfalls nicht aufgegangen. In der Bilanz steht ein Verlust von 90 Millionen Euro, der nicht zuletzt auf die niedrigen Ticketpreise zurückzuführen ist. "Lauda versucht Billigtickets um 9,99 Euro zu verkaufen und lässt seine eigenen Angestellten den Preis dafür bezahlen", mahnt die ACA, die derart billige Flugtickets auch unter dem Aspekt der Klimakrise für höchst bedenklich befindet: "Wenn man die geplante Ticketabgabe von zwölf Euro pro Passagier einem 9,99 Euro Ticket gegenüberstellt, kann sich jeder die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit eines solchen Kostenmodells ausrechnen."

Der hohe Preis, den die Mitarbeiter nun bezahlen müssen: Neue Mitarbeiter werden künftig nicht mehr vom Unternehmen selbst angestellt, sondern nur noch über die in Irland ansässige Leiharbeitsfirma "Crewlink" geordert, wodurch diese nach Einschätzung des Unternehmens nicht in die in Österreich geltenden Kollektivverträge fallen. "Damit wird schlicht österreichisches Arbeitsrecht ignoriert", erklärte die ACA, "ein Kollektivvertrag gilt in einem Unternehmen für alle Arbeitnehmer solange, bis er entweder von der Wirtschaftskammer oder der Gewerkschaft gekündigt wird."

Die Gewerkschaft vida stellt sich auf die Seite der Piloten-Vertretung. „Der Kollektivvertrag gilt in vollem Umfang für neue MitarbeiterInnen wie auch für überlassenes Personal. Lauda kann hier nicht einfach österreichisches Recht negieren“, betont stellt Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida. Es gibt für Liebhart auch kein Rütteln an den bestehenden Arbeitszeitregeln: „Sie können nicht einseitig geändert werden. Adaptionen sind prinzipiell möglich, aber auch nur mittels einer Betriebsvereinbarung.

Laudamotion gegen Betriebsrat

Derzeit bekämpft die Airline auch ihren Betriebsrat vor Gericht. „Wohl nicht einmal die Juristen von Lauda glauben, dass sie damit durchkommen“, ist Liebhart überzeugt. Öffentlich behauptet das Unternehmen, dass der Betriebsrat „null und nichtig“ wäre, vor Gericht plädiert das Unternehmen nur auf „Ungültigkeit“.

Die Gewerkschaft betont, dass damit die Beschäftigten verunsichert und weiter Druck aufgebaut werde, damit die innerbetriebliche Mitbestimmung unter die Schirmherrschaft des irischen Managements rutsche. Liebhart zeigt sich enttäuscht, dass „vom dem anfangs harten aber durchaus fairen Verhandlungspartner Lauda nach der Komplettübernahme durch Ryanair quasi nichts mehr übrig ist. Die angepriesene „österreichische Lösung“ ist mittlerweile nur mehr eine Farce“.

Laut ACA erhalten unter anderem Mitarbeiter im Falle eines Krankenstandes innerhalb einer Urlaubsperiode keine Urlaubstage rückvergütet, zugesagte Urlaubswochen werden teilweise nicht eingehalten oder verschwinden schlicht im System und Mitarbeiter, die nicht bereit sind, Leiharbeitsverträge zu unterschreiben, also auf das „neue“ System umzusteigen, werden gekündigt.

Das fliegende Personal erhalte trotz Kritik der Austrian Cockpit Association Drohbriefe in Form von „Sickletters“. "Eine aggressive, auf Druck basierende Personalführung", kritisiert die Piloten-Vereinigung.

Technische Mängel?

"Auch mit der Technik scheint Lauda Probleme zu haben", mahnt die ACA. Die Vereinigung weist auf "Fume Events" hin, bei denen verunreinigte Atemluft in die Flugkabine gelangt ist, was zu Personenschaden geführt habe. "Eine eingeleitete Notlandung in Malaga aufgrund übermäßigen Ölverlusts eines Triebwerkes, eine Flugzeugevakuierung in London Stansted sowie zahlreiche weitere technische Probleme und stundenlange Verspätungen gehören ebenfalls zur traurigen Bilanz des Jahres 2019", weiß die ACA, die einen Zusammenhang mit Einsparungen im Technik-Bereich vermutet. Zahlreiche erfahrene Techniker das Unternehmen verlassen, nachdem die Technik der Fluglinie auf eine irische Firma umgestellt wurde.

Die Austrian Cockpit Association ruft die Regierung auf, die gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Lohndumping und atypische Beschäftigung in der Luftfahrt zu unterbinden und die Mitarbeiter auch im Sinne der Flugsicherheit nach österreichischen Standards anzustellen und zu entlohnen.

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