Pierer Industrie will deutschen Zulieferer SHW übernehmen

Pierer Industrie will deutschen Zulieferer SHW übernehmen

Stefan Pierer vor seinem nächsten Coup: Mit SHW will er in der Automobilindustrie das Tempo erhöhen.

Die Pierer Industrie AG (PIAG) von KTM-Chef Stefan Pierer hat ihr angekündigtes Übernahme-Angebot an SHW-Aktionäre veröffentlicht. Die Österreicher wollen in Deutschland "strategische Potenziale im Automotive-Segment" heben. Die Geschäftsführung von SHW hatte sich Ende Juni gegen das Übernahmeoffert gestemmt.

Wien/Wels. Die oberösterreichische Pierer Industrie AG (PIAG) hat am Dienstag zur geplanten Übernahme des börsennotierten deutschen Zulieferers SHW das angekündigte Angebot an die SHW-Aktionäre veröffentlicht, wie der Trend in seiner aktuellen Ausgabe berichtet hat. Die Pierer-Gruppe will den im schwäbischen Aalen bei Stuttgart ansässigen Autozulieferer übernehmen. Dies war ert jetzt möglich, nachdem die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) grünes Licht zur Veröffentlichung gegeben hat.

Ihre Entscheidung zur Abgabe eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots an sämtliche SHW-Aktionäre hatte die Pierer Industrie bereits am 14. Juni bekannt gegeben. Geboten werden 35 Euro je SHW-Aktie, um etwa 10 Prozent über dem Schnitt der letzten Monate vor Bekanntgabe der Angebotsabsicht.

Das Offert der Österreicher birgt einen Zündstoff in sich. Die Geschäftsführung von SHW Ende hat Juni noch mitgeteilt, dass das Angebot der Pierer-Gruppe zu niedrig sei. "Auch im Hinblick auf die künftige, positive Entwicklung" von SHW sei das Angebot zu niedrig. SHW rechnet nämlich mit einem erheblichen Umsatz- und Ertragsschub.

"Langfristiges, strategisches Interesse"

Die PIAG hat in seiner heutigen Aussendung bekräftigt mit dem Übernahmeangebot ein langfristiges und strategisches Interesse zu verfolgen. Mit der Übernahme sieht PIAG die Möglichkeit der Realisierung von strategischen Potenzialen im Automotive-Branchensegment, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Die Pierer-Konzern-Gruppe ist im Fahrzeuggeschäft, u.a. im Segment Motorräder, sowie im automotiven High-Tech-Komponentenbereich tätig. Die Gruppe beschäftigt aktuell weltweit über 5.200 Mitarbeiter und erzielt mehr als 1,5 Mrd. Euro Gruppenumsatz. In Österreich beschäftigt die Pierer-Gruppe fast 4.000 Mitarbeiter.

Voriges Jahr hieß es, SWH liefere mit weltweit rund 1.300 Mitarbeitern Bremsscheiben, Pumpen und Motorkomponenten an die großen Automobilhersteller. Im Jahr 2015 hatte SHW 463 Millionen Euro umgesetzt und gut 14 Millionen Euro Nettogewinn erwirtschaftet.

Über seine Firma Swiss AG hatte der Chef der börsennotierten KTM Industries AG, Stefan Pierer, mittelbar 18,91 Prozent am deutschen Zulieferer SHW erworben, hieß es Mitte Juni. Die Pierer Industrie AG selbst verfügte damals erst über 0,02 Prozent SHW-Aktien.

Stefan Pierer und KTM

Der Motorradhersteller KTM ist das bekannteste Unternehmen von Vorstandschef Pierer. Der heute 60 Jahre alte Stefan Pierer, im trend zum "Mann des Jahres 2014" gewählt, hat vor 25 Jahren den insolventen Innviertler Motorradbauer KTM übernommen. Zum Jahr 2007 ist die indische Bajaj-Gruppe eingestiegen, sie hält heute 49 Prozent. Im Jahr 2016 legte KTM das sechste Rekordjahr in Folge hin: 1,34 Milliarden Euro Umsatz, 84 Millionen Euro Nettogewinn.

KTM-Eigentümer Pierer ist dank des günstigen Börsenumfeldes heuer noch vermögender geworden, obwohl er seine Anteile um gut zehn Prozent reduziert hat. Piereres Vermögen wird auf 860 Millionen Euro geschätzt. Damit ist er auf der trend-Rangliste "Die 100 reichsten Österreicher" auf Rand 46.

Der Börsenwert von KTM ist erstmals in der Firmengeschichte über eine Milliarde Euro geklettert. Im Vergleich zum Juni 2016 ist der Wert von KTM-Industries um rund 27 Prozent gestiegen. In dem in der Vorwoche veröffentlichten trend-Ranking Top-500 der erfolgreichsten Unternehmen Österreichs belegt die KTM-Industries Rang 64 und ist heuer um fünf Plätze besser als Mitte 2016.

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