Piech bei Porsche-HV in aller Munde

Piech bei Porsche-HV in aller Munde

VW- und Porsche-Chef Martin Winterkorn wird auch nach dem Machtkampf mit Ex-Patriarch Ferdinand Piech nicht so schnell Ruhe haben.

Die Hauptversammlung der Porsche-Aktionäre wurde beherrscht vom Ex-VW-Patriarchen Ferdinand Piech, obwohl er nicht anwesend war. Er hatte seine Teilnahme am Aktionärstreffen von Porsche kurzfristig abgesagt. Ein erwarteter Showdown der beiden Kontrahenten im VW-Machtkampf Piech und VW-Chef Martin Winterkorn blieb somit aus. Fraglich ist, ob nach dem Machtkampf nun Ruhe einkehrt.

Stuttgart. Ferdinand Piech hat die Debatten auf der Hauptversammlung der Porsche-Dachgesellschaft bestimmt - obwohl sein Stuhl bei dem Aktionärstreffen am Mittwoch leer blieb.

Über die Gründe seines Fehlens war nichts zu erfahren. "Das ist seine Entscheidung", sagte Piechs Cousin und Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche in Stuttgart. Mitarbeiter von Piech hatten den Chefjustiziar der Porsche SE am frühen Vormittag darüber informiert, dass der Autopatriarch nicht erscheinen werde.

Die Hauptversammlung wäre der erste gemeinsame Auftritt von Piech und VW-Chef Martin Winterkorn nach dem heftigen Führungsstreit bei Volkswagen gewesen. Der 78-jährige VW-Patriarch ist auch nach seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium der Wolfsburger Aufsichtsrat bei der Porsche-Holding.

Die Führungsspitze der Porsche SE und des Volkswagen-Konzerns ist personell identisch, sodass die Hauptversammlung der SE einem Familientreffen gleicht. VW-Chef Winterkorn und VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sind zugleich im Holding-Vorstand.

VW-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche ist Aufsichtsratschef der Porsche SE, Piech im Kontrollgremium der SE. Piech ist mit gut 13 Prozent an der Porsche SE beteiligt und verfügt damit über gut drei Prozent der VW-Stammaktien, denn die Porsche SE hält 51 Prozent der VW-Stammaktien.

Piech hatte Insidern zufolge im Streit über Winterkorn mit einem Verkauf seiner Anteile gedroht. Die Porsche SE werde auch in Zukunft ihre Verantwortung als Großaktionär für den Volkswagen-Konzern wahrnehmen, sagte Wolfgang Porsche am Ende des Rundgangs durch die Ausstellung der neuesten Porsche-Modelle, die er zuvor gemeinsam mit Winterkorn begutachtet hatte.

Winterkorn gab sich in Stuttgart gelasen. "Wieso soll ich enttäuscht sein? Wenn der Herr Piech verhindert ist, dann ist das halt so", quittierte Winterkorn dessen Fernbleiben mit einem verbalen Achselzucken. "Wir haben viele Aufsichtsräte bei der Porsche SE."

Noch ein Porsche als Aufseher

Neben Piechs Bruder Hans Michel und Wolfgang Porsche sitzen noch zwei weitere Vertreter des Familienclans in dem Kontrollgremium. Hans-Peter Porsche wurde heute wieder in den Aufsichtsrat gewählt. Er folgt Scheich Jassim bin Abdulaziz bin Jassim Al-Thani nach, der sein Aufsichtsratsmandat zum Ablauf des 24. März 2015 niedergelegt hat.

Hans-Peter Porsche war bereits seit der Gründung der Porsche SE im Jahr 2007 Aufsichtsratsmitglied dieser Gesellschaft, hatte allerdings im Zuge des Anteilserwerbs des Emirats Katar sein Mandat im Januar 2010 zugunsten Scheich Al-Thanis niedergelegt.

"Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch in Zukunft die Verantwortung für die Volkswagen-Gruppe und die 600.000 Menschen wahrnehmen werden", sagte Wolfgang Porsche. Auf die Frage, ob das für alle Mitglieder der Familien Porsche und Piech gelte, zögerte Porsche nur kurz und sagte dann: "Wahrscheinlich, ja."

Neue Zusammenarbeit mit Piech

Die Zusammenarbeit mit Piech im Aufsichtsrat der Porsche-Holding werde so weiterlaufen wie bisher, betonte der Chef des Sport- und Geländewagenbauers Porsche, Matthias Müller, der ebenfalls zusätzlich im Vorstand der Holding sitzt. "Ich sehe es genauso", sagte Winterkorn. "Wir haben über 30 Jahre erfolgreich zusammengearbeitet."

Winterkorn hat jetzt vor allem ein Anliegen: "Wir werden dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt." Der wochenlange Machtkampf bei Volkswagen, der in Piechs Rückzug als VW-Aufsichtsratschef gipfelte, war dennoch ein Thema bei der Hauptversammlung.

Der Vorwurf gegen Wolfgang Porsche

Unter den Porsche-Aktionären hielt sich die Aufregung in Grenzen, es herrschte Bedauern über das Fehlen von Piech, der als Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche VW erst als Vorstandschef dann als Oberaufseher zum Weltkonzern aufgebaut hatte.

Einer der Aktionäre sieht die Vorgänge der vergangenen Wochen jedoch kritisch. Der Aktionärsvertreter und Rechtsanwalt Martin Weimann warf Wolfgang Porsche vor, eine Intrige gegen Ferdinand Piech in Gang gebracht zu haben, die zu dessen Rücktritt führte, und die mediale Auseinandersetzung geschürt zu haben.

Porsche-SE-Finanzchef Hans Dieter Pötsch entgegnete: "Zunächst einmal gibt es eine solche mediale Auseinandersetzung zwischen Herrn Doktor Porsche und Herrn Professor Piech nach unserer Wahrnehmung nicht."

Dafür sei von der Porsche SE auch kein Geld ausgegeben worden, wie von Weimann vermutet. Der Berliner Rechtsanwalt verklagt die Porsche SE regelmäßig wegen angeblich fehlerhafter Hauptversammlungsbeschlüsse. Bisher war seine Erfolgsquote niedrig.

Großes Nachspiel vor Gericht

Der misslungene Versuch einer Volkswagen-Übernahme in den Jahren 2008 und 2009 hat der Porsche Holding auch mehrere Schadenersatz-Klagen von Investoren eingebrockt, die sich falsch informiert fühlten. Bisher hatten sie keinen Erfolg bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.

Von Juli an müssen sich die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter zudem wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen amtierende Porsche-Aufsichtsräte.

Die Porsche-Holding hält 51 Prozent der Anteile an Volkswagen und verdient ihr Geld hauptsächlich mit der entsprechenden Dividende. Im ersten Quartal 2015 steigerte die Porsche SE ihr Konzernergebnis von 728 auf 882 Millionen Euro.

"Die Beteiligung an Volkswagen ist und bleibt das starke, tragende Fundament der Porsche SE", sagte Winterkorn. Die Holding hatte angekündigt, ihr Geld in Beteiligungen rund um die Automobilindustrie zu stecken. Bisher hat die Porsche SE aber nur den Verkehrsdaten-Anbieter Inrix übernommen.

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