Photovoltaik: „Jedes Dachl kostet ein Vermögen“

Alfred Weinberger, Österreich-Chef von Amarenco, einer der größten europäischen Photovoltaikanbieter, über teure PV-Dächer, den Flächenwettkampf der Ökostrombetreiber – und warum die Windkraft beim neu geplanten Ökostromgesetz die besseren Lobbyisten hatte.

Alfred Weinberger, Amarenco

Alfred Weinberger, Amarenco Solar Austria

trend: Sie sind als Landesvertreter Österreichs von Amarenco Vertreter eines des größten PV-Projektbetreibers in Europa. Wird Österreich mit dem geplanten neuen Ökostromgesetz mit seinen neuen Förderregeln nun zum Eldorado für Sonnenstrom?
Alfred Weinberger: Sagen wir so: Der vorgelegte Gesetzesentwurf ist durchaus umsetzbar, es könnte besser sein, aber er ist nun mal da. Das neue Fördermodell mit Marktprämien und seine Berechnungen ist kompliziert. Aber das ist international üblich, da haben wir kein Problem damit.

Aber gerade die Großprojekte, die Sie gerne verkaufen würden, werden mit hohen Abschlägen bei den Förderungen bestraft, sofern sie auf freien Flächen stehen?
Der 25 Prozent Abschläge auf der Freifläche halten wir grundsätzlich für richtig, denn es geht um die Marktnähe der Förderungen. Denn für das Gelingen der Ökostromwende ist es eine Tatsache, dass die Haushalte und die Industrie nicht mit hohen Kosten belastet werden dürfen. Und Fördern wird nur teuer, wenn man mit den Hausdächern beginnt, das ist das Klein-Klein. Jedes Dachl kostet ein Vermögen. Aber sobald das auf der Fläche skalierbar wird, sinken die Kosten.

Als Großanbieter haben Sie Vorteile. Können Sie auch mit dem neuen Fördermodell leben, das Förderungen für Kraftwerksbetreiber nur an Billigstbieter in Ausschreibungen zuerkannt werden?
Auch das ist absolut lebbar für uns. Und es ist auch wichtig, denn die Stromkosten sollen für die Allgemeinheit in Zukunft auch nicht ansteigen, sondern sinken. Das muss das Ziel der Erneuerbaren sein.


Energiegemeinschaften sind zu kompliziert

Aber nach dem Willen des Umweltministeriums sollte eher das Ziel sein, dass möglichst viele kleine Gemeinden und Energiegemeinschaften am Markt teilnehmen. Immerhin soll es für jede kleine PV-Anlage ja so etwas wie Recht auf den Anschluss ans Stromnetz geben, was Netzbetreiber nervös macht.
Ja, die Erneuerbare Energiegemeinschaften sind im neuen Gesetz zu kompliziert dargestellt. Das muss auf eine verständliche Ebene heruntergebrochen werden. Aber das sehen wir auch als Aufgabe von Amarenco. Und selbst das mit dem Anschlussrecht ist lösbar, wenn auch die Formulierung jetzt nicht befriedigend ist.

Die Kollegen von der Windkraftbranche bekommt immerhin noch ein paar Jahre lang fixe Einspeisetarife, weil sonst der Windradausbau stocken würde, wie es heißt.
Die Windkraftlobby war da sehr erfolgreich, Gratulation, die haben sich ein wenig Platz verschafft, ich wollte, wir hätten das auch.

Dabei sind die größte Hürden für den Ausbau ja die fehlenden Raumordnungspläne in den Bundesländern, denn die Akzeptanz der Bevölkerung für Windräder oder große PV-Kraftwerke vor der eigenen Haustüre ist enden wollend. Wie gehen Sie als Großunternehmen damit um?
Die Raumordnung ist tatsächlich ein großes ungelöstes Thema, jetzt stehen einmal alle Großprojekte. Ich hoffe, wir können zumindest 2023 zu bauen beginnen. Man muss den Menschen die Vorteile verständlich machen, etwa wenn man von der Biodiversität unter einer PV-Anlage redet. Damit kann man aktiv versuchen einen Zustand herzustellen, wie er vor der industriellen Landwirtschaft war.


Das sind Forderungen von Grundstückspekulanten

Aber inzwischen beginnt ein Wettkampf um die günstigsten Flächen, höre ich. Bis zu 5.000 Euro pro Hektar werden verlangt. Das ist oft mehr, als man mit agrarischen Produkten verdienen kann.
Es gibt auch schon Forderungen nach noch mehr, aber wir zahlen das nicht. Und es wird auch nicht bezahlt, denn es sind nur Forderungen von Grundstückspekulanten, die jetzt schon für kommende Projekte Grundstücke sammeln. Die machen bereits Vorverträge und das ist eher für die Landwirtschaft ein Problem.

Niederösterreich hat vorerst einmal alle PV-Projekte gestoppt.
Ja, das hat man richtig gemacht und ist einmal auf die Bremse gestiegen. Aber es ist kein Wettkampf um die Fläche. Wir brauchen für das österreichische Ausbau-Ziel für Photovoltaik nur ein Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Das ist keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion.

Und halten Sie es für realistisch, dass Österreich das Ziel von 100 Prozent Ökostrom im Jahr 2030 erreicht?
Wir werden zumindest die jetzigen Pläne für alternative Stromkraftwerke erreichen müssen. Vor allem, weil wir ja 2030 mit dem Ausbau nicht aufhören können. Denn eines ist auch sicher: Der Stromverbrauch wird noch länger weiter steigen.


Über Amarenco: Der Photovoltaikspezialist Amarenco entwickelt, finanziert, baut und betreibt großtechnische PV Anlagen in Frankreich, Irland, Österreich, Spanien, Portugal und in ausgewählten Überseegebieten. Besonderes Augenmerk gilt dem Thema Agro-Photovoltaik wobei man auf die Betriebserfahrung einer Vielzahl unterschiedlichster Anlagen vor allem in Frankreich bauen kann.

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