Pflege: 685 Millionen Euro Mehrkosten prognostiziert

Pflege: 685 Millionen Euro Mehrkosten prognostiziert

Der Fiskalrat hat staatliche Mehrkosten für die Pflege in Millionenhöhe errechnet. Doch es gibt auch ein optimistischeres Szenario. Wovon der Bedarf abhängt, sowie die Trends in der Pflege.

Der Fiskalrat erwartet in den nächsten Jahren höhere Pflegekosten als geplant. 2021 könnten die Ausgaben um bis zu 685 Millionen Euro höher sein als budgetiert. Der Fiskalrat hat in einer am Dienstag veröffentlichten Studie mehrere Szenarien durchgerechnet. Im besten Fall liegen die Kosten in vier Jahren acht Millionen über Plan, im schlechtesten sind es eben 685 Millionen.

Der Fiskalrat warnt, dass ohne Gegenmaßnahmen der Kostenzuwachs im Pflegebereich über den Werten des sogenannten Kostendämpfungspfads liegen könnte. Der Finanzausgleich für die Jahre 2017 bis 2021 erlaubt den Ländern und Gemeinden einen Anstieg der Bruttoausgaben von 3,6 Milliarden Euro 2016 auf 4,5 Milliarden Euro 2021. Laut Fiskalrat steigen die Pflegekosten aber auf bis zu 5,2 Milliarden Euro.

2015 lagen die gesamtstaatlichen Nettoausgaben für Altenpflege - private Beiträge sind da schon abgezogen - bei 4,3 Milliarden Euro oder 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Fiskalrat geht davon aus, dass sie 2030 zwischen 1,4 und 1,9 Prozent und 2060 zwischen 1,9 und 3,6 Prozent des BIP liegen werden. Das durchschnittliche jährliche Wachstum der Pflegekosten liegt demnach - abhängig vom Szenario - zwischen 4,4 und 6,2 Prozent bis 2030.

Der steigende Bedarf an Pflege hängt in erster Linie von der Demografie ab. 2015 waren fünf Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre alt - jene Altersgruppe, die am häufigsten gepflegt werden muss. Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der über 80-Jährigen auf 6,6 Prozent, bis 2060 auf elf Prozent steigen.

Einfluss auf die Kostenentwicklung haben laut Fiskalrat auch die Morbidität, also wie viel Prozent der Bevölkerung krank sind, und wie teuer die Pflegedienstleistung in Zukunft sein wird. Dazu kommt, dass immer weniger Menschen zuhause von Angehörigen gepflegt werden. Die Autoren der Studie haben diesen Trend zur formellen Pflege anhand der steigenden Frauenerwerbsquote und der Zunahme von Einpersonenhaushalten bemessen und sind zum Ergebnis gekommen, dass professionelle häusliche Pflege und institutionelle Pflege- und Betreuungsleistungen an Bedeutung gewinnen werden.

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