Paul Achleitner soll Chefauseher der Deutsche Bank bleiben

Paul Achleitner soll Chefauseher der Deutsche Bank bleiben

Paul Achleitner soll weiterhin der oberste Kontrolleur der Deutsche Bank bleiben - trotz großem Druck.

Der Österreicher Paul Achleitner soll weiterhin Aufsichtsratschef bleiben, obwohl ihm zuletzt ein eiskalter Wind entgegen geweht hatte. In einer internen Libor-Untersuchung wurde er nun freigesprochen. Große Investoren sind noch gespalten, ob er der richtige Mann für das Geldhaus ist, das derzeit stürmische Zeiten erlebt.

Frankfurt. Die Deutsche Bank lässt die Katze aus dem Sack: Paul Achleitner soll fünf weitere Jahre an der Spitze des Aufsichtsrates stehen. Das Kontrollgremium habe den Österreicher bereits Ende Oktober einstimmig zur Wiederwahl im Mai 2017 nominiert, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Geldhaus am Montag und bestätigte damit Informationen aus Finanzkreisen.

Eine Begründung gab es nicht, lediglich den Hinweis, dass Achleitner in der internen Untersuchung zur sogenannten Libor-Affäre entlastet worden sei. Demnach erhärtete sich der Verdacht nicht, dass der Chefkontrolleur durch eine unzureichende Zusammenarbeit mit den Behörden höchstpersönlich zu der verhängten Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar beigetragen haben könnte. Dieser Vorwurf war vor ungefähr einem Jahr in Medienberichten laut geworden.

Der frühere Allianz-Finanzvorstand Achleitner war im Frühjahr 2012 mit den beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen an den Start gegangen. Die Doppelspitze sollte die Deutsche Bank in die Ära nach Josef Ackermann führen, erwies sich aber recht bald als glücklos. Den nötigen Chefwechsel habe Achleitner viel zu spät eingeleitet. Erst Mitte 2015 zog Achletner die Handbremse und feuerte Jain. Er ersetzt ihn durch den heutigen CEO John Cryan.

Achleitner wird eine Mitschuld an der Aufarbeitung der Altlasten gegeben. Er hatte zwar den Briten Cyran an Bord geholt. Kritiker monierten allerdings, der Aufsichtsratschef habe zu lange an den Investmentbanker Jain als Co-Chef festgehalten. Die Bank habe deshalb bei ihrer Sanierung wertvolle Zeit verloren und sei nun schwer angezählt.

Mit Spannung wurde nun seit Monaten gewartet, ob und wie sich Achleitner für eine zweite Amtszeit positioniert - und ob der 60-Jährige die Unterstützung wichtiger Großaktionäre hat.

Eindeutig beantwortet ist diese Frage noch immer nicht. Zwar steht der größte Aktionär Katar hinter Achleitner, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Aber bei mindestens zwei weiteren Top-10-Aktionären gibt es noch große Vorbehalte, wie andere Eingeweihte berichten.

Diese Großaktionäre sind mit der bisherigen Bilanz Achleitners und dem drastischen Kursverfall der Aktie nicht zufrieden und wollen zum jetzigen Zeitpunkt nicht einfach einen "Persilschein" ausstellen, wo insbesondere der potenziell sehr teure US-Hypothekenstreit noch nicht gelöst ist.
Das Votum fällt spätestens auf der Hauptversammlung am 18. Mai, die entscheidenden Investorengespräche finden in der Regel kurz vorher statt.

Das Ende des Frühstückskabinetts

Von Katar gab es zunächst keine Stellungnahme. Das letzte Mal hatten sich die Scheichs, die rund zehn Prozent der Bank kontrollieren, in diesem Frühjahr öffentlich hinter Achleitner gestellt und auf dessen Führungsstärke verwiesen. Dafür ging nun einer der mittelgroßen Aktionäre in die Offensive: die genossenschaftliche Investmentgesellschaft Union Investment, die zu den Top-20-Investoren der Bank zählt.

Achleitner habe zwar ohne Zweifel Fehler gemacht, sagte Fondsmanager Ingo Speich. "Aber für uns ist entscheidend, dass er die richtigen Veränderungen im Aufsichtsrat durchgesetzt hat."

Früher sei das Gremium dem Vernehmen nach eher "ein Frühstückskabinett" gewesen, inzwischen sei es viel internationaler und mit viel mehr Expertise besetzt. "Aus heutiger Sicht würden wir an Achleitner festhalten."

Mit personeller Kontinuität könne auch verhindert werden, dass sich die Bank die kommenden zwölf Monate wieder nur um sich selbst drehe. Es dürften aber keine neuen Rechtsstreitigkeiten hochkochen und die Bank müsse unter Achleitner und Cryan endlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell formulieren, forderte Speich.

Hohes Ansehen genießt Achleitner seit langem bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat. Sie halten ihm zugute, dass er alle Vertreter im Kontrollgremium gleich behandele und frühzeitig einbinde. Gefährlich werden könnte es für Achleitner noch, wenn seine Kritiker nun doch mit einem Gegenkandidaten für den Top-Job um die Ecke kommen würden. Finanzkreisen zufolge ist im Moment allerdings niemand in Sicht.

Die Deutsche-Bank-Aktie notierte mit Börseschluss mit 0,13 Prozent bei 15,08 Euro knapp im Plus.

Kein Ruhmesblatt: Misst man Paul Achleitners Performance am Börsenkurs der Deutsche-Bank-Aktie, dann stellen sich viele Fragen.

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