Panama: Ein Paradies für Steuerflüchtlinge und Reeder

Panama: Ein Paradies für Steuerflüchtlinge und Reeder

Der Panamkanal leistet den wichtigsten Beitrag zum BIP, er verbindet den atlantischen mit dem pazifischen Ozean.

Panama hat die größte Schiffsflotte der Welt. Das liegt jedoch nicht am florierenden Außenhandel, sondern an den niedrigen Steuern: Reeder aus aller Welt flaggen in das mittelamerikanische Land aus. Ein Überblick über das Wirtschaftssystem und die Verbindung zu Österreich.

Im Zuge des „Panama Papers“-Skandals ist auch die Wirtschaftspolitik des mittelamerikanischen Landes wieder in die Kritik geraten. So warf etwa OECD-Generalsekretär Angel Gurria der Regierung schwere Versäumnisse vor: "Panama ist der letzte große Verweigerer, der es weiterhin erlaubt, dass Offshore-Fonds vor Steuer-und Strafverfolgungsbehörden versteckt werden“, sagt der Chef der Organisation, die weltweit gegen Steuerbetrug und -vermeidung vorgeht. Damit ist er nicht alleine: auch die EU-Kommission veröffentlichte Anfang des Jahres eine „Schwarze Liste der Steueroasen“, auf der Panama eine unrühmliche Rolle einnimmt (mehr dazu unter diesem Link).

Die Regierung von Panama weist die Vorwürfe in einem schriftlichen Statement zurück. Das Land bekenne sich zu Transparenz und Kooperation in steuerlichen Angelegenheiten, heißt es dort. Im Jänner 2016 habe man neue Regeln erlassen, die den Besitz der umstrittenen „Bearer Shares“ limitieren. Zudem gebe es neue Gesetze in Einlag mit der internationalen Finanzorganisation FATF, die Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindern sollen. Und schließlich sollen „nicht-traditionelle Finanzsektoren“ wie Anwaltskanzleien und Immobilienfirmen genauer unter die Lupe genommen werden – dazu würde auch die Kanzlei Mossack Fonseca gehören, deren Daten im Rahmen der investigativen Recherche an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Ein Land, ein Kanal, viele Schiffe

Panama mag zwar einer der größten Finanzplätze Mittel- und Südamerikas sein, die größte Einkunftsquelle ist jedoch der berühmte Panamakanal: Er wird jährlich von 14.300 Schiffen durchfahren und generiert fast acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Gebaut wurde der Kanal kurz nach der Abspaltung des Landes von Kolumbien durch Ingenieure der US-Army. Lange war er in gemeinsamem Besitz Panamas und der USA, seit 1999 gehört er alleinig dem mittelamerikanischen Land. Heute arbeiten 8000 Menschen an der Verwaltung, dem Betrieb und der Instandhaltung der Wasserstraße, welche den atlantischen mit dem pazifischen Ozean verbindet. Die durch den Panamakanal transportierte Warenmenge entspricht etwa fünf Prozent des weltweiten Seefrachtverkehrs.

Panama: Ein kleines Land am großen Kanal.

Gleichzeitig hat Panama die größte Handelsflotte der Welt mit derzeit über 6000 Schiffen – fast jedes fünfte Schiff ist hier registriert. Der Grund dafür ist jedoch weniger der eigene Außenhandel des Landes, sondern das Prozedere des „Ausflaggens“: Fast alle hier registrierten Schiffe befinden sich in ausländischem Besitz und sind mit ausländischen Mannschaften besetzt, die Reeder aus aller Welt werden unter anderem durch die niedrigen Steuern nach Panama gelockt. Ein heikles Thema ist dies unter anderem, weil schon die Steuerprivilegien deutscher und griechischer Reeder für politischen Diskussionsstoff sorgen.

Bananen für Österreich

Nach Angaben des österreichischen AußenwirtschaftsCenters in Mexiko, das auch für Panama zuständig ist, ist die Wirtschaft des Landes in den vergangenen Jahres stetig gewachsen, die Arbeitslosenquote gesunken (Download des Fact-Sheets "Panama" unter diesem Link). Der wichtigste Partner für den Export sind die USA, importiert wird hauptsächlich aus den USA und China.

Der Außenhandel mit Österreich hält sich hingegen in Grenzen: Österreichs Warenausfuhr nach Panama lag 2014 bei 21 Millionen Euro, die Einfuhren bei zwei Millionen Euro. Sowohl Import- als auch Exportvolumen werden in der Statistik mit 0,0 Prozent des gesamten Außenhandelsvolumens angeführt, sind also quasi nicht existent. Das wichtigste Exportgut von Panama nach Österreich ist mit einem Anteil von 46,5 Prozent eines, das schon zwei berühmte Comicgestalten mit dem Schlachtruf „Oh, wie schön ist Panama!“ auf Reise in das bananenreiche Land schickte: Gemüse und Früchte aus dem warmen Süden.

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