Panama Papers: Hypo Vorarlberg-Chef Grahammer tritt zurück

Panama Papers: Hypo Vorarlberg-Chef Grahammer tritt zurück

Rücktritt: Hypo Vorarlberg-Vorstandchef Grahammer tritt ab.

Aufgrund "medialer Vorverurteilung" zu den in den Panama Papers aufgedeckten Offshore-Geschäften hat der Vorstandschef der Hypo Vorarlberg seinen Hut genommen. Michael Grahammer betont weiterhin die Rechtmäßigkeit der Geschäfte der Hypo Vorarlberg. Die Kunden habe man stets geprüft.

Bregenz/Panama-Stadt. Der Vorstandsvorsitzende der Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank (Hypo Vorarlberg), Michael Grahammer, hat am Mittwochabend den Aufsichtsrat über seinen Rücktritt informiert. "Schlussendlich war die mediale Vorverurteilung der Hypo Vorarlberg und meiner Person, die in den letzten Tagen erfolgt ist, ausschlaggebend für mich, diesen Schritt zu setzen", erklärte er in einer Medien-Mitteilung.

Die Hypo Vorarlberg war neben der Raiffeisen Bank International als zweite österreichische Bank in den Panama Papers im Zusammenhang mit dubiosen Geschäften über Briefkastenfirmen genannt worden.

Grahammer betonte aber weiter die Rechtmäßigkeit der Geschäfte der Hypo Vorarlberg. "Ich bin nach wie vor zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Bank zu keiner Zeit Gesetze oder Sanktionen verletzt hat", sagte er. Seine Rücktritts-Entscheidung sei bereits in den vergangenen Monaten gereift. Er werde seinen Hut auch nicht "per sofort" nehmen, um der Bank die Möglichkeit zu geben, seine Nachfolge in Ruhe zu regeln.

Der scheidende Banken-Chef Grahammer nannte in einem Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" die am Ende abgesagte Option eines Zusammengehens der Hypo Vorarlberg mit der Dornbirner Sparkasse sowie das Heta-Moratorium als jene Ereignisse, die ihn seinen Rücktritt erwägen ließen. Das Heta-Moratorium sei "sehr herausfordernd" gewesen.

Die Hypo Vorarlberg sah der 51-Jährige in einem Spannungsfeld zwischen Regionalbank und internationaler Geschäftstätigkeit stehen. Die Bank sei mittlerweile die zehntgrößte in Österreich mit Filialen in Wien, Oberösterreich, der Steiermark, Deutschland, der Schweiz und Norditalien. "Das starke Wachstum der letzten Jahre wäre allein in Vorarlberg nicht möglich gewesen", so Grahammer.

Die Vorarlberger Firmenkunden seien Exporteure, die im Auslandsgeschäft begleitet werden wollen. Dazu brauche die Bank das Akkreditivgeschäft mit chinesischen, russischen, tunesischen oder iranischen Banken. "Da muss man sich entscheiden, was man will", stellte er fest.

Der vermögende Russe

Bei den Offshore-Deals der Hypo Vorarlberg sei immer klar gewesen, mit wem man es zu tun habe. "Es ist ein Oligarch, ein vermögender Russe", so Grahammer zum Vorwurf aus den Panama Papers, man habe für den russischen Milliardär Guennadi Timtchenko (auch: Gennadi Timtschenko) Geschäfte gemacht. Man habe ständig Recherchen zu dessen Person angestellt, es habe nichts Negatives gegeben. "Er ist ein Rohstoffhändler, der mit Erdöl und Erdgasgeschäften groß geworden ist. Wir haben per se nichts Negatives daran gefunden, einen reichen Russen zum Kunden zu haben", befand Grahammer.

Zum Spezifikum eines Geldinstituts in öffentlicher Hand sagte der 51-Jährige: "Die öffentliche Hand als Eigentümer hat Positives wie die Stabilität. Der Nachteil ist die Öffentlichkeit, da alles politisch diskutiert wird".

Seit dem Jahr 2004 war Grahammer im Vorstand der Hypo Vorarlberg, den Vorstandsvorsitz hat er im Jahr 2012 übernommen. Er werde dann abtreten, wenn ein Nachfolger gefunden und bestellt ist.

Grahammer hatte schon zuvor und kurz nach den Enthüllungen zu den Briefkastenfirmen im Rahmen der "Panama Papers" in einem Interview erklärt, er würde sofort zurücktreten, sollte seine Bank in Geschäfte verwickelt sein, die gegen geltendes Recht verstoßen.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte bereits im Zuge einer Prüfung der Vorarlberger Landeshypo im Jahr 2012 eine Verdachtsmeldung an die Geldwäsche-Meldestelle beim Bundeskriminalamt erstattet. Diese Meldung wurde an die Staatsanwaltschaft Feldkirch weitergegeben.

Anlassfall war ein Offshore-Geschäft des Geschäftsmanns Guennadi Timtchenko (auch: Gennadi Timtschenko), der zu den engen Vertrauten des russischen Präsidenten Vladimir Putin gezählt wird. Der russische Milliardär mit finnischem Pass und Wohnsitz in der Schweiz machte laut den jüngsten Enthüllungen aus den sogenannten "Panama Papers" einen Deal mit der Southport Management Service auf den britischen Jungferninseln. Die Konten sollen laut Berichterstattung über die Vorarlberger Landeshypo gelaufen sein.

Timtchenko wurde im Frühjahr 2014 auf die Sanktionsliste der USA in Folge des Ukraine-Krim-Kriegs gesetzt. Er ist laut "Forbes" (2015) der neuntreichste Russe mit 10,7 Mrd. Dollar Vermögen (9,36 Mrd. Euro).

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