Palfinger startet nach Corona und Cyber-Attacke wieder durch

Der Kranhersteller Palfinger hat das Corona-Jahr 2020 gut überstanden und ist mit vollen Auftragsbüchern in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die Folgekosten der Cyber-Attacke vom Jänner belasten das Ergebnis im ersten Quartal.

Palfinger CEO Andreas Klauser

Palfinger CEO Andreas Klauser

Als ob die Lage in der Corona-Krise nicht schon schwierig genug gewesen wäre, musste sich der Kranhersteller Palfinger im Jänner 2021 auch noch wochenlang mit einer Cyber-Attacke herumschlagen. Die Angreifer waren ins IT-System eingedrungen und legten nicht nur den Mail-Verkehr und andere Kommunikationswege lahm, sondern auch das ERP-System. Die Produktionsprozesse an etlichen Standorten, vor allem in Europa, wo bereits ein hoher Digitalisierungsgrad erreicht ist, mussten heruntergefahren werden. (Siehe Artikel: "Ausgehebelt und abgezockt: Cyber-Attacken gegen Unternehmen".)

Die Folgen dieses Angriffs wiegen schwer in der Kasse des Unternehmens, obwohl es Firmenchef Andreas Klauser, der die Angelegenheit zur Chefsache erklärte, gelang die Lösegeldsumme auf ein "erträgliches Maß", wie er sagt, zu verhandeln. "Wir konnten den Cyber-Angriff von Ende Jänner erfolgreich überwinden, Einmaleffekte in diesem Zusammenhang werden jedoch insbesondere das 1. Quartal belasten“, erklärt Klauser dazu bei der Präsentation des Geschäftsergebnisses des vergangenen Jahres. „Es wurden weder Geld noch Daten abgesaugt“, ist auch Finanzchef Felix Strohbichler um Beruhigung bemüht. Die Kosten für Berater, Mehrarbeit und nicht produktive Mitarbeiter durch den Stillstand von Werken wurden nicht beziffert. „Zum Teil“ werde der Schaden durch eine Versicherung gedeckt, so Strohbichler.

Das abgelaufene Jahr stand freilich ganz im Zeichen der Corona-Krise, die wie nicht anders zu erwarten auch bei Palfinger das Geschäft ordentlich gebremst hat. Während die Bauwirtschaft, die für rund 40 Prozent des Palfinger-Umsatzes steht, 2020 außerordentlich robust blieb, musste das neu aufgebaute Geschäftsfeld Kreuzfahrtschifffahrt Einbußen erleiden. Es steht für weniger als zwei Prozent des Umsatzes. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werden uns auch 2021 begleiten“, ist sich Klauser sicher, „unvorhersehbare Schwankungen und das Marktrisiko durch COVID-19 bleiben bestehen."

Gute Auftragslage, Start des Impfplans

Dennoch geht Klauser optimistisch in das neue Geschäftsjahr. Sein Optimismus begründet sich im guten Auftragsstand. Die Auftragsbücher sind zumindest einmal fürs erste Halbjahr voll, die Planbarkeit für die nächsten sechs Monate somit gesichert und Klauser ist auch zuversichtlich, dass sich der Nebel anschließend lichtet: "Wir erwarten eine deutliche Erholung und Stabilisierung der Märkte ab dem Sommer, die sich entsprechend auf unsere Geschäftsentwicklung auswirken wird.“

Ab April will das Unternehmen mit Sitz in Bergheim bei Salzburg auch seine Impfstrategie implementieren. So soll es sowohl am oberösterreichischen als auch am Salzburger Standort Impfstraßen geben. Auf die Frage des trend, ob er etwa auch über seinen chinesischen Partner Sany Heavy Industries alternativ Impfstoff beschaffen könne, sagt Klauser, dass es „zusätzliche Möglichkeiten“ gebe - in Zusammenarbeit mit der Industriellenvereinigung. Klauser: „Ja das geht, allerdings gibt es das Problem der Zulassung und der Eintragungsfähigkeit in den Impfpass.“ Palfinger will möglichst schnell Schlüssel-Arbeitskräfte etwa im Marine-Bereich wieder zur Servicierung ins Ausland schicken können.

Die geplante Auflösung der Kreuzbeteiligung mit Sany erhöht zudem den finanziellen Handlungsspielraum von Palfinger für strategische Akquisitionen. Zusätzlich werden 2021 über 100 Millionen Euro in die Zukunft, vor allem in Modernisierung und Digitalisierung investiert - was man auch als eine Folge der Cyber-Attacke vom Jänner interpretieren kann.

Positiv für den Neustart nach der Corona-Krise sind auch die niedrigste Nettofinanzverschuldung seit 2013, deutlich verbesserte Bilanzkennzahlen und ein historisch hoher Free Cashflow. „Den Auswirkungen der Krise konnten wir uns nicht entziehen“, meint Klauser, „durch rasches Agieren und gezielte Maßnahmen waren wir aber in der Lage, aktiv gegenzusteuern und den laufenden Transformationsprozess weiter voranzutreiben."


Key Financials

  • Konzernumsatz 2020 1.533,9 Mio. € nach 1.753,8 Mio. € 2019 = Minus 219,9 Mio. € (-12,5 %)
  • EBITDA 188,7 Mio. € = -15,6 %
  • EBITDA-Marge 12,3 % nach 12,8 % 2019
  • EBIT 100,3 Mio. € nach 149,0 Mio € in 2019
  • Nettofinanzverschuldung 397,1 Mio. € (nach 525,6 Mio. € 2019)
  • Dividende Palfinger wird eine Dividende von 0,45 EUR je Aktie ausschütten
  • Aktienkurs AT0000758305

Für 2021 strebt PALFINGER einen Jahresumsatz von über 1,7 Mrd € und eine EBIT-Marge von 8 Prozent an. Für 2024 liegen die Finanzziele bei 2,0 Mrd € Umsatz über organisches Wachstum, 10 Prozent durchschnittliche EBIT-Marge und 10 Prozent durchschnittlicher ROCE über den Wirtschaftszyklus.

Hier finden Sie die Online-Version des integrierten Geschäftsberichts 2020 der PALFINGER AG

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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