Packerl schupfen die Post-Bilanz auf Gewinnkurs

Packerl schupfen die Post-Bilanz auf Gewinnkurs

Die Post bringt noch Briefe ins Haus, mit Packerln will Post-Chef Georg Pölzl künftig den Rückgang bei Briefen mehr als ausgleichen, um Umsatz und Gewinn zu steigern.

Die Österreichische Post AG hat im ersten Halbjahr dank steigendem Online-Handel vom Paketdienst profitiert. Die Briefzustellung ist weiterhin rückläufig. Die Prognosen der Analysten wurden übertroffen. Für das gesamte Jahr 2017 rechnet Post-Chef Pölzl mit einer stabilen Umsatz- und Ergebnisentwicklung.

Packerl statt Brief - das scheint das Credo der Österreichischen Post AG zu sein. Während das Briefgeschäft weiterhin rückläufig ist, kann die Post vor allem dank Online-Handel kräftig bei der Paketsparte zulegen - beim Gewinn. Denn der Umsatz ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund elf Prozent zurückgegangen, was auf den Verkauf des Paketdienstes trans-o-flex zurückzuführen ist.

Den Umsatz ohne die verkaufte Tochter herausgerechnet, kann die Post dennoch einen Umsatzzuwachs von 1,9 Prozent auf 953,7 Mio. Euro verzeichnen.

Der Gewinn (EBIT) wurde im ersten Halbjahr um vier Prozent auf 102,1 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert.

Das Briefgeschäft stagniert: Die elektronische Briefpost macht der Post zu schaffen. So ist der Umsatz der Division Brief, Werbepost & Filialen um 2,2 Prozent auf 720,9 Mio Euro zurückgegangen. Aufgrund der "fehlender Impulse durch Wahlen" , wie es die Post in einer Aussendung erklärt, haben sie die Umsätze der Brief- und Werbepost reduziert. Der Umsatz der Division Paket & Logistik konnte hingegen um satte 17 Prozent auf 232,7 Millionen Euro gesteigert werden. Belebend war vor allem der anhaltenden Trend im E-Commerce bei Privatkunden. Gerade in diesem Bereich ist die Post einem massiven Wettbewerb ausgesetzt

Post-Generaldirektor Georg Pölzl zeigt sich mit der Umsatzentwicklung zufrieden, die vor allem "vom dynamischen Paketwachstum getragen wurde. "Wir konnten unsere starke Wettbewerbsposition in diesem hart umkämpften Markt aufgrund der ausgezeichneten Zustellqualität und des breiten Angebots an individuellen Kundenlösungen auch im ersten Halbjahr gut behaupten", sagt Pölzl

Als Marktführer in der Zustellung von Briefen, Werbesendungen und Paketen will Pölzl weiterhin an "hohen Qualitätsstandards" arbeiten.

Für das Gesamtjahr 2017 rechnet Post-Chef Pölzl mit einer "stabilen bis leicht positiven Umsatzentwicklung". Das operative Ergebnis soll "zumindest auf dem Niveau des Vorjahres liegen".

Das Ergebnis je Aktie stieg von 1,09 Euro im ersten Halbjahr 2016 auf 1,13 Euro im ersten Halbjahr 2017, was einem Anstieg um 3,4 Prozent entspricht.

Der Börsenkurs der Post AG (ISIN AT0000APOST4) ist im Jahresabstand um rund 25 Prozent gestiegen. Die Aktie notiert bei 38,89 Euro. Um 1,84 Prozent ist der Kurs gegenüber dem Vortag gesunken.

Die Aktienmehrheit hat weiterhin die Republik Österreich, die über die staatliche ÖBIB mit 52,85 Prozent der Hauptaktionär der Post ist. Der verbleibenden rund 38 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. 18,9 Prozent der Post-Aktien werden von privaten und institutionellen Investoren in Österreich gehalten.

Im Jahr 2016 hat die Österreichische Post einen Umsatz von 2,03 Mrd. Euro erzielt. Der Gewinn belief sich zum Jahresende 2016 auf 202,3 Millionen Euro - was einem Zuwachs von 21, Prozent gegenüber 2015 bedeutet hat

Rückgänge gibt es auch bei der Beschäftigtenanzahl. Waren vor genau einem Jahr noch 22.092 Postler auf der Payroll, sind es nun nur noch 20.390 Mitarbeiter. Davon arbeiten 17.2020 Beschäftigen in Österreich. 368 Vollzeitkräfte sind in Österreich zuletzt abgebaut worden. Der Personalabbau soll weitergehen - "allerdings langsamer", wie Pölzl betont hatte.

Die türkische Odysee

Die Beteiligung in der Türkei, Aras Kargo, hatte den Postlern zuletzt größere Sorgen bereitet. Die Post will weiterhin zukaufen und ihren
Anteil von 25 auf 75 Prozent aufstocken. Aras hatte sich gegen den Verkauf weiterer Anteile gestemmt. Der Zwist beschäftigt bereits die Gerichte. Pölzl hat dabei auf die Bestellung eines neuen unabhängigen Geschäftsführers durch die Gerichte verwiesen.

Und dennoch: Pölzl gibt sich zufrieden, weil sich dadurch die Kommunikation mit dem Unternehmen verbessert habe. Die Post beruft sich bei dem Deal auf eine Kaufoption. Mehrheitseigentümerin Evrim Aras will aber nicht verkaufen, sondern die Post wieder auskaufen. Der Streit liegt in der Schweiz bei einem Schiedsgericht.

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