Osram-Übernahme: Aufsichtsrat billigt ams-Angebot

Im Rennen um eine Übernahme von Osram hat der steirische Chiphersteller ams eine wichtige Hürde genommen. Der deutsche Lichttechnikkonzern billigte den Plan von ams, ein offizielles Kaufangebot vorzulegen.

Osram CEO Olaf Berlien (li) macht ams-CEO Alexander Everke den Weg frei. Nun sind die Aktionäre am Wort.

Osram CEO Olaf Berlien (li) macht ams-CEO Alexander Everke den Weg frei. Nun sind die Aktionäre am Wort.

Der schwächelnde deutsche Lichttechnikkonzern Osram könnte bald zum österreichischen Chiphersteller ams gehören. Osram hob auf Wunsch von ams ein Stillhalteabkommen auf und stimmte einer Übernahmevereinbarung zu. Nun liegt es an den Aktionären, sich zwischen den Angeboten der Finanzinvestoren Bain und Carlyle und jenem der ams zu entscheiden.

ams will die Offerte der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle überbieten. Der Chiphersteller aus Premstätten bei Graz plant ein 4,3 Milliarden Euro schweres Angebot über 38,50 Euro je Aktie und will dieses nun zur Genehmigung bei der Finanzaufsicht Bafin einreichen. Weil ams einen Blick in die Geschäftsbücher von Osram werfen durfte, hatten sich die Österreicher verpflichtet, ihre Offerte nur mit Zustimmung von Osram offiziell vorzulegen.

Bain und Carlyle bieten 35 Euro je Aktie, was einem Unternehmenswert von vier Milliarden Euro entspricht. Dieses Angebot ist bereits seit Ende Juli offiziell und läuft derzeit bis 5. September. Nachdem Osram es den Aktionären bereits zur Annahme empfohlen hatten, hob auch ams überraschend die Hand. Wenn die Bafin den Österreichern bis 5. September grünes Licht gibt, verlängert sich die Laufzeit der Offerte von Bain und Carlyle so, dass beide Angebote parallel laufen, voraussichtlich bis Anfang Oktober. Einige Verfahrensbeteiligte rechnen mit einem Wettbieten.

Angebote mit Vor- und Nachteilen

"Unsere Aktionäre haben nun zwei Angebote vorliegen und können zwischen den verschiedenen unternehmerischen Konzepten wählen", erklärte Osram-Chef Olaf Berlien. Zugleich machte Osram deutlich, dass es noch Differenzen mit ams gebe. Von ihren Vorstellungen zur Ausrichtung der Geschäfte, zur globalen Standortstrategie und zum Integrationskonzept solle ams Vorstand und Aufsichtsrat von Osram noch überzeugen. Während Osram und ams auf Zusagen der Österreicher zum Schutz der Osram-Beschäftigten verwiesen, kritisierte die IG Metall den Übernahmeplan erneut als nicht zielführend.

ams (ISIN AT0000A18XM4) kann sich mit seinem höheren Gebot zwar bessere Chancen bei Aktionären ausrechnen als Bain und Carlyle, muss sich aber auf Widerstand bei den Osram-Beschäftigten einstellen. Anders als die Finanzinvestoren habe der Chipkonzern keine belastbaren Zusagen zur Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen gemacht, erklärte eine Sprecherin der Gewerkschaft. Im Osram-Aufsichtsrat stellen die Arbeitnehmer sechs der zwölf Mitglieder, davon zwei Repräsentanten der IG Metall.

Sollte der Plan des in Zürich börsennotierten steirischen Halbleiterbauers ams aufgehen, dann soll Osram laut ams-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch zu einer 100-Prozent-Tochter werden. Die Integration will man binnen drei Jahren abgeschlossen haben. Die Restrukturierung von Osram ist laut Wachsler-Markowitsch noch nicht abgeschlossen. Es sei ein weiterer Stellenabbau sei nötig. "Aber wir werden netto Arbeitsplätze in Deutschland schaffen."

Angebote beflügeln Aktienkurs

Nach Berichten über die bevorstehende Freigabe des ams-Angebots hat der Kurs der im MDax gelisteten Osram-Aktie (ISIN DE000LED4000) angezogen. Er stieg um 3,1 Prozent auf 36,25 Euro, dem höchsten Schlusskurs seit einem knappen halben Jahr.

Der Apple (ISIN US0378331005) -Zulieferer ams ist auf optische Sensoren spezialisiert und interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Die Österreicher wollen im Osram-Werk Regensburg Arbeitsplätze schaffen. Das Digitalgeschäft und das Verbrauchergeschäft mit LEDs soll hingegen verkauft werden. ams ist mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro deutlich kleiner als Osram. Die Münchner erlösten im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden Euro.

Bain Capital und Carlyle bekennen sich zur bestehenden Osram-Strategie mit dem Fokus auf optische Halbleiter, Automobil und digitale Anwendungen. Beim laufenden Konzernumbau wollen sie nach eigenen Angaben eng mit Vorstandschef Olaf Berlien zusammenarbeiten und in Wachstum investieren. Zugleich aber erfordere das schwierige Marktumfeld flexibles Handeln.

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