Opel bekommt nach Verkauf an Peugeot Galgenfrist

Opel bekommt nach Verkauf an Peugeot Galgenfrist

GM-Chefin Mary Barra will Opel noch eine Chance auf Eigenständigkeit geben.

Opel soll nach dem Verkauf an Peugeut als Marke erhalten bleiben, verspricht Mary Barra, Chefin des Mutterkonzerns General Motors, bei einem Besuch in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim. Die 34.000 Beschäftigten zittern indes um ihren Job.

Hamburg/Rüsselsheim/Paris. Opel soll nach einem Verkauf an Peugeot eigenständig weitergeführt werden. Mary Barra, Chefin des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors, soll das einem Bericht des deutschen "Manager-Magazin" zufolge bei ihrem Besuch in Rüsselsheim zugesagt haben. Die Weiterführung soll auch ein Teil der Verhandlungen betreffen des Verkaufs der verlustreichen deutschen GM-Tochter an Peugeot sein.

Barra soll erklärt haben, dass Peugeot-Chef Carlos Tavares zunächst auf Kontinuität setzen wird. Der amtierende Opel-Vorstand soll im Amt bleiben. Das gelte auch für den aktuellen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Opel äußerte sich nicht.

Verkauf oder Kooperation

Laut dem Bericht ist ein Verkauf der deutschen Tochter das klare Ziel der Gespräche von GM mit PSA Peugeot Citroen. Für die Franzosen sei dagegen auch bloß eine weitere Vertiefung der seit 2012 bestehenden Kooperation der Marken vorstellbar. GM-Chefin Barra soll PSA unter anderem angeboten haben, die Elektroplattform des amerikanischen Konzerns gegen eine Lizenzgebühr in Europa zu nutzen.

Opel-Chef Neumann will die Marke dem Magazin zufolge bis 2030 in einen reinen Anbieter von Elektroautos umwandeln. Dieses Szenario sei auch für die PSA-Führung denkbar. GM bringt gerade mit dem Chevrolet Bolt und dem Opel Ampera e zwei Elektroautos auf den Markt, die eine Reichweite von 500 Kilometern haben sollen.

In den Plänen von GM hat die deutsche Tochter jedenfalls keine Zukunft. Seit dem Jahr 1999 schreibt Opel anhaltend rote Zahlen. Seit 2009 stehen für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall Verluste von mehr als neun Milliarden in den Büchern.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass der US-Konzern General Motors sich von seiner europäischen Tochter Opel und deren britischen Schwester Vauxhall trennen und beide Marken an die Franzosen abtreten will. Am Donnerstag waren auf deutscher Seite Hoffnungen geäußert worden, Opel könne von tiefen Einschnitten verschont bleiben. Es gebe durchaus Signale, dass durch die Übernahme keine Standorte in Deutschland geschlossen werden müssten, hatte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer gesagt. Sie bezog sich damit nach Angaben der deutschen Landesregierung auf eine Telefonkonferenz von Vertretern der Bundesländer mit Opel-Standorten, der deutschen Bundesregierung und Arbeitnehmervertretern mit dem Vorstand des Rüsselsheimer Autobauers.

Kasse statt Masse

Es ist jedoch fraglich, welchen Stellenwert Zusagen von GM vor einem Verkauf von Opel an Peugeot haben. GM-Chefin Barra will unbedingt Opel loswerden. "Kasse statt Masse", soll ihr Credo lauten. Profit geht der 55-jährigen Barra wie kaum einem ihrer Vorgänger vor Tradition, Prestige und Größe.

Mit dem Rückzug bei Opel würde sich GM vom Spitzenplatz der weltgrößten Autokonzern weiter entfernen. Im Jahr 2016 waren Volkswagen (10,31 Millionen Autos) und Toyota (10,17 Millionen Fahrzeuge) die Absatzkönige dicht gefolgt von GM (rund 10 Millionen Autos). Das Trio liefert sich seit Jahren einen Kampf um teuer bezahlte symbolische Erfolge wie die Marke von 10 Millionen verkauften Neuwagen pro Jahr. Und Barra will nicht mehr um jeden Preis in diesem Match mitspielen. GM-Chefin Barra würde sich aus dem Kampf um die Nummer 1 somit selbst aus dem Rennen nehmen.

Opel und Peugeot konkurrieren mit ihren Klein- und Mittelklassewagen um die gleiche Kundschaft. Deshalb wird erwartet, dass Peugeot nach einer Übergangszeit die Kapazitäten verringern wird, um die Kosten zu senken. Was letzten Endes nichts anderes bedeuten wird, als Werkschließungen und Personalabbau.

Die befürchteten Werksschließungen und ein Stellenabbau an den verbliebenen Standorten will GM aber selbst nicht mehr durchführen. Der neue Eigner PSA Peugeot Citroen wird mit dem Einstieg zunächst einmal diese unpopulären Schritte setzen müssen.

Der Betriebsrat von Opel und die IG Metall pochen bei einem möglichen Verkauf des Rüsselsheimer Unternehmens an Peugeot auf die Einhaltung der ihnen gemachten Beschäftigungszusagen. Die europäischen Arbeitnehmervertretungen seien bereit, mit dem französischen PSA-Konzern "konstruktive Gespräche" zu führen.

Entscheidend sei, dass die von der Konzernmutter General Motors bei der letzten Opel-Sanierung vor einigen Jahren gemachten Beschäftigungs- und Investitionszusagen eingehalten würden. "Wir erwarten, dass alle Tarifverträge im Falle eines Kaufs ihre Gültigkeit behalten, dass alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben", betonte der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, am Freitag an die Adresse von Peugeot.

In einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaft und des Opel-Betriebsrats hieß es zudem, die Arbeitnehmervertretungen sähen in einem Zusammenschluss mit dem französischen Autobauer auch Chancen." Wir werden die Gespräche mit PSA im Falle eines Verkaufs offen und konstruktiv führen und schnellstmöglich zu einem Ergebnis bringen", sagte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.

Einmischung verboten

Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einer Übernahme von Opel durch Peugeot die Sicherung der deutschen Standorte und Arbeitsplätze Vorrang. "Die Gespräche sind im Gange", sagte sie am Freitag am Rande eines Besuchs des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau in Berlin.

"Und wir werden alles, was wir politisch tun können, dafür tun, dass die Arbeitsplätze und die Standorte in Deutschland gesichert sind", so Merkel. Ansonsten müsse man die weiteren Gespräche zwischen den Beteiligten abwarten.

Merkel enthielt sich einer Bewertung des Übernahmevorhabens, das in dieser Woche bekanntgeworden war.

Ifo-Präsident Clemens Fuest rät der Politik bei den Verhandlungen über eine Übernahme des deutschen Autobauers Opel durch den französischen Konkurrenten Peugeot zur Zurückhaltung. "Weder die französische noch die deutsche Regierung sollten sich einmischen", sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Es gehört zu den Grundlagen des europäischen Binnenmarktes, dass Firmen aus Frankreich deutsche Unternehmen übernehmen können und umgekehrt. Die Interessen der deutschen Arbeitnehmer zu vertreten, ist Aufgabe der Gewerkschaften, nicht der Politik."

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