Ölpreis: Der Tag der Wahrheit

Treffen der Opec-Ölminister in der Zentrale in Wien wird mit Spannung erwartet.
Treffen der Opec-Ölminister in der Zentrale in Wien wird mit Spannung erwartet.

OPEC-Konfernez in Wien.

Der in den vergangenen Monaten um fast ein Drittel gesunkene Ölpreis bestimmt das Treffen der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) in Wien. Die große Frage ist, wie das Öl-Kartell auf den niedrigen Ölpreis reagieren wird. Der Ölminister von Saudi Arabien ist vor dem Treffen gegen Kürzungen von Förderquoten.

Die Akteure der globalen Ölmärkte fiebern dem OPEC-Treffen heute, am 27. November 2014, entgegen wie selten zuvor. "Das Ergebnis dieses Meetings könnte die Ölpreisentwicklung bis in das erste Quartal 2015 bestimmen“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Das Problem der Opec: Eine niedrige Nachfrage trifft auf ein steigendes Angebot, das vor allem aus den USA kommt. Durch den neuen großen Player am Markt, die USA, ist ein neuer Kampf um Marktanteile entbrannt.

Die OPEC-Minister sind offenbar bei der Frage einer möglichen Kürzung ihrer Förderziele uneins. Zum Auftakt der halbjährlichen Sitzung hatte der kuwaitische Ölminister Ali Saleh Al-Omair gesagt, das derzeitige Überangebot am Markt stamme nicht nur von OPEC-Ländern. Der venezuelanische Außenminister Rafael Ramirez signalisierte hingegen Zustimmung zu einer Produktionskürzung, um die Preise zu stabilisieren.

Am Tag vor dem OPEC-Gipfel in Wien erklärte der mächtige Ölminister Saudi Arabiens, Ali Al-Naimi, bereits seine Position zu einer diskutierten Reduktion der Erdöl-Förderquoten: "Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren." Saudi Arabien hat eine bestimmende Position in der OPEC. Rund 30 Prozent des OPEC-Öls kommt aus Saudi Arabien. Außerdem verfügt weltweit kein Land über größere Produktionskapazitäten. Die Saudis haben bei Kartellverhandlungen bereits mehrfach als ausgleichende Kraft im Ölgeschäft gezeigt. Doch einige Ölstaaten wollen den Preisverfall nicht länger hinnehmen, allen voran Venezuela oder Iran. Diese Länder sind extrem stark von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig. Der venezolanische Präsident plant gar ein Bündnis gegen den Ölpreisverfall zu schmieden

Doch die mächtigen Saudis wollen den Ölpreis niedrig halten und die Förderquoten hoch. Die Saudis scheinen diesmal auch hart bleiben zu wollen. Al-Naimi fragte: "Warum sollte Saudi-Arabien Förderquoten kürzen? Die USA sind mittlerweile auch ein großer Produzent. Sollten sie kürzen?" Tatsächlich haben neue und unkonventionelle Fördertechniken, wie etwa die Schieferölproduktion, die Ölfördermenge in den USA auf ein 30-Jahres-Hoch steigen lassen. Seit 2011 ist die US-Produktion besonders rapide gestiegen. Produktionsausfälle durch verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen wurden so mehr als ausgeglichen. Zudem fließt seit einiger Zeit wieder Öl aus Libyen wieder und mehrere OPEC-Länder, insbesondere Saudi-Arabien, haben ihre Produktion ausgeweitet.

Einige Experten vermuten daher, dass Saudi-Arabien mit seiner Ölpolitik die wachsende Konkurrenz in den USA unter Druck setzen will. Der wichtigste OPEC-Staat kann Insidern zufolge bis zu ein Jahr lang Preise von 70 bis 80 Dollar verkraften.

Ölpreis im freien Fall

5-Jahres-Entwicklung des Brent-Rohölpreis.

Seit Juni ist der Ölpreis um mehr als 30 Prozent gesunken. Am Tag des Gipfels wird ein Barrel Rohöl der Marke Brent um 75,98 Dollargehandelt, womit es wieder um 1,50 Dollar günstiger ist als einen Tag davor (26. 11.)Der Brent-Preis ist auf das tiefste Niveau seit vier Jahren gerutscht. Der Preis für OPEC-Öl ist noch weiter, von 74,28 Dollar auf 73,70 Dollar pro Barrel gesunken. Die Folge des aktuell niedrigen Ölpreises erklärt Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank: „Ölproduzenten verlieren ihre Einnahmen und die zwei größten Ölkonsumenten China und USA erhalten einen großen Schub“, so Hansen.

OPEC-Präsident Abdourhman Ataher Al-Ahirish

In der Eröffnungsrede des OPEC-Präsidenten Abdourhman Ataher Al-Ahirish war von einer Reduktion der Fördermengen von aktuell 30 Millionen Barrel täglich auch keine Rede.

Der stark gefallene Ölpreis trifft auch Russland hart. Russland bezieht rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export. Dem Land von Sanktionen gezeichneten Land gehen durch den Ölpreis-Verfall bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich. Im Haushaltsplan für 2014 rechnet die Regierung mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Barrel. In Moskau ist daher längst von einem Komplott die Rede. Auch der russische Ölgigant Lukoil ist vom Ölpreis-Verfall betroffen. Der Gewinn von Lukoil brach im dritten Quartal trotz steigender Umsätze um rund die Hälfte auf 1,6 Milliarden Dollar ein.

Diese zwei Szenarien wären möglich

1. Die OPEC kürzt die Produktion drastisch . Sollte sich die OPEC für dieser schnelle Lösung entscheiden, würde das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt werden.

Eine Produktionskürzung um 0,5 bis 1 Million Barrel pro Tag könne eine Rallye in Gang bringen und wieder eine akzeptable Preisspanne herstellen. Dies ist nach Einschätzung verschiedener Experten ausreichend, um den Erdölpreis während des nächsten Jahres auf einen Wert von bis 100 Dollar hochzutreiben. „Mit dieser Kürzung würde die OPEC aber indirekt den Anstieg der US-Ölschieferproduktion unterstützen. Innerhalb eines Jahres wären wir wieder in der gleichen Situation wie heute“, glaubt wiederum Hansen. Aus diesem Grund könne das OPEC-Meeting am kommenden Donnerstag das wichtigste seit Jahren werden.

2. Die OPEC wartet ab und überlässt dem Ölpreis dem freien Spiel der Märkte . Schließlich könnte der Preissturz nur kurzfristig sein. Damit wäre der Ball bei den USA. Dann würden wahrscheinlich nicht die OPEC die Produktion kürzen müssen, sondern die USA. Denn laut Experten rentiert sich die Produktion des US-Schiefergas nur bis zu einer Untergrenze zwischen 80 und 90 Dollar pro Barrel. Doch ob die Untergrenze nach wie vor stimmt, ist nicht gewiss. Aufgrund der stark gestiegenen Produktion von Schiefergas sollen manche Schiefergas-Förderer bereits ab einem Preis von 40 Dollar Gewinne machen.

"Einige schwächere OPEC-Mitglieder wie Venezuela, Libyen und der Iran würden diesem Szenario wahrscheinlich zustimmen, obwohl sie stark auf die Öleinnahmen angewiesen sind“, so Saxo-Ölanalyst Hansen. Saudi Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate könnten wirtschaftlich gesehen eine längere Phase niedrige Erdölpreise aushalten. Ziel der Maßnahme: Man würde so zwar Marktanteile nicht ausweiten, aber so würde man einen höheren Preis und höhere Einnahmen erzielen.

Wird sich die OPEC für eine schnelle Lösung entscheiden und sich später um die Zukunft sorgen? Oder wird sie das Problem an die USA weiterreichen und somit kurzfristig die Preise weiter niedrig halten? Das Ergebnis des OPEC-Gipfels wird jedenfalls mit Spannung erwartet.

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