OPEC: Öl- und Gasverbrauch steigt trotz Energiewende weiter

Trotz aller Anstrengungen, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren und den Klimawandel zu stoppen sind die Ökonomen der OPEC überzeugt, dass der globale Öl- und Gasbedarf in den nächsten Jahrzehnten massiv steigen wird.

Ist die Energiewende zu langsam? OPEC-Ökonomen sind überzeugt, dass das globale Wachstum den Öl- und Gasverbrauch weiter steigen lässt.

Ist die Energiewende zu langsam? OPEC-Ökonomen sind überzeugt, dass das globale Wachstum den Öl- und Gasverbrauch weiter steigen lässt.

Spätestens seit dem 22. April 2021, dem diesjährigen Earth Day könnte man meinen, dass die sich die Staats- und Regierungschefs der Welt einig sind und dem Klimaschutz Top-Priorität einräumen. US-Präsident Joe Biden hatte den Tag zum Anlass für einen gemeinsamen Klimagipfel mit Spitzenpolitikern aus 40 Nationen genommen. Die Spitzenpolitiker haben dabei neue, verbindliche Klimaziele vereinbart, an deren Ende die Klimaneutralität steht.

Klimaneutralität bedeutet, dass kein CO2 mehr ausgestoßen wird oder der CO2-Ausstoß zumindest vollständig kompensiert wird. Der Schlüssel dafür ist der Abkehr von fossilen Brennstoffen - Öl, Gas und Kohle - und ihr Ersatz durch Erneuerbare Energien.

Die USA peilen bis 2030 eine Verringerung der Treibhausgas-Emissionen 50 bis 52 Prozent gegenüber 2005 an, bis 2050 soll die Nation klimaneutral sein. Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich darauf, bis 2030 die Treibhausgase der Europäischen Union um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu reduzieren - davor wurde das Ziel von minus 40 Prozent angepeilt. Großbritannien will den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2035 um 78 Prozent im Vergleich zum Niveau der 1990er-Jahre senken. Das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, könne damit bereits bis 2037 zu zwei Dritteln erreicht sein.

OPEC: Verbrauch und Emissionen werden weiter steigen

Die OPEC, die Organisation Erdöl exportierender Länder rechnet jedoch dem nun vorgelegten "World Oil Outlook 2021" zufolge dennoch mit einem global weiter steigenden Verbrauch von Öl und Gas. Die Basis dafür bildet die Projektion, dass der Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2045 aufgrund einer weiter steigenden Wirtschaftsleistung und Produktivität um 28 Prozent steigen wird.

Bei ihrer Prognose gehen die Wirtschaftsforscher davon aus, dass sich die globale Wirtschaftsleistung bis 2045 verdoppeln und die Weltbevölkerung um 1,7 Milliarden auf 9,5 Milliarden Menschen anwachsen wird. Die Anzahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) soll um 900 Millionen steigen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 65 auf 63 Prozent zurückgehen.

Auch wenn die großen Industrieländer ihre CO2-Emissionen senken und die Autoproduzenten viele Milliarden in Elektroautos investieren gehen die Ölförderländer davon aus, dass Erdöl noch viele Jahre lang unverzichtbar sein und im Jahr 2045 noch 28 Prozent im Energiemix ausmachen wird. Die durch die Verbrennung von Erdöl verursachten CO2-Emissionen werden damit laut OPEC-Prognose von derzeit 11,2 Milliarden Tonnen jährlich auf 13,3 Milliardeb Tonnen steigen. In Summe werden die Treibhausgasemissionen aus Kohle, Öl und Gas bis 2045 entgegen den Pariser Klimazielen nicht sinken.

Die Folgen der Pandemie

Der Trend zur Entflechtung der Weltwirtschaft sei durch die Corona-Pandemie verstärkt worden, sagen die Ökonomen. Eine weitere Folge der Pandemie sei ein starker Anstieg der Verschuldung. Auch der Rückgang des Tourismus und Reiseverkehrs ist in die Prognose eingeflossen. Auf dieser Basis wird ein Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung um jährlich 3,1 Prozent im Zeitraum 2020 bis 2045 vorausgesagt - mit einem stärkeren Wachstum in der ersten Phase (+3,8 Prozent p.a.) und einer Abschwächung auf 2,7 Prozent ab 2035. Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum um 5,5 Prozent angenommen und für das kommende Jahr rund 4 Prozent.

Das Wachstum soll jedoch vor allem von den Nicht-OECD-Ländern kommen. Im Jahr 2045 sollen nur China und Indien gemeinsam 37 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen, die OECD-Länder 34 Prozent. Die OPEC-Prognose rechnet mit einem Anstieg des weltweiten Energiebedarfs von 275,4 mboe/d (Millionen Öl-Äquivalente pro Tag) im Jahr 2020 auf 352 mboe/d im Jahr 2045. Mehr als 70 Prozent des Primärenergiebedarfs soll dann auf die Nicht-OECD-Länder entfallen.

Energiemix ändert sich zu langsam

Wenn die OPEC-Ökonomen nicht nur aus Eigeninteresse argumentieren, dann werden daher in den kommenden Jahrzehnten die Bemühungen zur Dekarbonisierung der Erde von der Entwicklung und dem Wirtschaftsaufschwung in den Schwellenländern untergraben und mehr als zunichte gemacht. Öl und Gas werden demnach kaum an Bedeutung verlieren, lediglich der Anteil von Kohle an Energiemix würde demnach deutlich zurückgehen, nämlich von 26,5 Prozent auf 17,4 Prozent. Der Anteil von Öl soll laut Prognose von 30,0 auf 28,1 Prozent sinken, jener von Gas von 23,3 auf 24,4 Prozent steigen. Das heißt, dass auch in einem Vierteljahrhundert noch immer mehr als die Hälfte des globalen Energiebedarfs mit Erdöl und Erdgas gedeckt werden.

Den Erneuerbaren Energien - vor allem Wind und Solar - prognostizieren Ökonomen ein starkes Wachstum, ihren Berechnungen zufolge werden sie aber am Ende des Prognosezeitraums erst annähernd so bedeutend sein wie Erdgas alleine. Auch der Anteil der Atomenergie soll demnach leicht auf 6,2 Prozent steigen.

Auch bei der Mobilität wirkt der weltweite Trend zum Automobil der positiven Entwicklung durch die Umstellung zur Elektromobilität entgegen. Laut OPEC-Erwartungen wird die globale Fahrzeugflotte in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten um 1,1 Milliarden auf 2,6 Milliarden Fahrzeuge anwachsen - davon sollen dann zwar schon 500 Millionen Elektrofahrzeuge sein, das Wachstum dürfte aber der Dekarbonisierung durch Elektroautos im Weg stehen.

Weitere Informationen

Details zu den Ergebnissen und den "World Oil Outlook 2021-2045" der OPEC zum Download finden Sie unter der Adresse woo.opec.org

UNIQA CEO Andreas Brandstetter und Ministerin Leonore Gewessler

"In dieser Lage sind Ausreden nicht mehr zulässig"

Umwelt- und Energieministerin LEONORE GEWESSLER und Uniqa-Boss ANDREAS …

Arbeitskräftemangel: EU-weite Mobilität forcieren

Arbeits- und Wirtschaftsminster Martin Kocher und Wifo-Chef Gabriel …

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IAASA) in Laxenburg.

Klimaforscher Keywan Riahi: "Wir werden nicht ärmer werden"

Der weltweit führende Klimaforscher Keywan Riahi im trend. Interview über …

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Bernd Spalt, CEO der Erste Group, hat erklärt, dass er seinen bis Ende …