Online-Handel boomt über die Corona-Pandemie hinaus

Der Online-Handel hat mit der Corona-Pandemie einen kräftigen Schub bekommen. Das starke Wachstum bei Umsatz und Kunden hält an. Der Online-Handel bietet neue Chancen für die Kundenansprache. Der Wettbewerb wird schärfer. Händler werden Läden dicht machen.

Online-Handel boomt über die Corona-Pandemie hinaus

Immer weiter: Hochlager statt Ladengeschäft. Handelsforscher rechnen damit, dass viele stationäre Ladengeschäfte geschlossen werden.

Der Handel steht auf Online und E-Commerce. Und das dürfte sich in naher Zukunft kaum ändern. Umsatz, Kauffrequenz und Kundenanzahl wachsen weiterhin mit großen Zuwachsraten. Aber auch neue Jobs wurden bereits während der Pandemie geschaffen. Und das Jahr 2021 wird zum Jahresabschluss wohl ein Rekordjahr für den Online-Handel.

Neun von zehn Onlineshop-Betreibern in der Schweiz und Österreich haben in den vergangenen 18 Monaten neue Kundschaften gewonnen. 51 Prozent der Händler melden sogar "sehr viele" neue Kunden, so das jüngste Ergebnis einer Erhebung in den beiden Ländern, die von ZHAW School of Management and Law in Kooperation mit dem Management Center Innsbruck (MCI) und dem österreichischen Handelsverband durchgeführt wurde. Befragt wurden die Händler von 365 Onlineshops, davon 284 Schweizer Anbieter und erstmals auch 63 Händler aus Österreich, sowohl im B2B- als auch im B2C-Handel

Ein zusätzlich interessantes Detail: Konsumenten kaufen demnach auch bei rund 40 Prozent der Anbieter häufiger ein, bei jedem zweiten zusätzlich auch größere Mengen. Nach dem Motto: Erhöhung der Frequenz mit dem Kunden bedeutet gleichzeitig ein kräftiger Umsatzzuwachs pro Kunde und somit auch insgesamt.

Das Jahr der Rekorde

Dies macht sich beim Umsatz bereits jetzt schon kräftig bemerkbar: 88 Prozent der Onlinehändler verzeichneten 2020 ein Umsatzwachstum. Bei mehr als einem Drittel der Online-Händler betrug der Umsatzzuwachs über 30 Prozent und war somit "sehr stark".

"In Österreich ist der Onlinehandel heuer pandemiebedingt um 20 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro nach oben geklettert. Dieser Trend wird sich fortsetzen", bilanziert Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes. Der Konsument habe während der Lockdowns die Vorzüge des Online-Shoppings für sich entdeckt und werde daher den Online-Absatzkanal weiterhin nutzen.

Dementsprechend ist die auch die Erwartungshaltung der Händler. 92 Prozent der Onlinehändler erwarten auch für die Zeit nach der Pandemie ein nachhaltiges Wachstum: 23 Prozent ein starkes und 69 Prozent moderate Zuwächse.

Zuwächse in allen Produktgruppen

Die befragten Händler der Onlineshops verzeichneten 2020 in sämtlichen Produktgruppen einen Anstieg der Bestellungen gegenüber 2019.

Bei Garten- und Do-it-yourself-Artikeln, Spielwaren, Möbeln und Sportgeräten sowie bei Lebensmitteln waren die Steigerungen bis zuletzt besonders stark. Die sehr starke Nachfrage im Bereich Computer-, Multimedia- und Elektrogeräte im Frühling 2020 ist inzwischen etwas abgeflacht.

Neue Kundenbindung

Das E-Commere eröffnet den Händlern nicht nur die Aussicht auf steigende Umsätze. Auch neue Varianten, den Kunden zu umwerben, werden mit dem Online-Handel möglich. Was zuletzt auch die Frequenz mit dem Kunden erhöht.

"Corona hat sich im eCommerce zu einem wahren Kundenbindungsprogramm entwickelt, durch das neun von zehn Onlineshops wachsen konnten. Bei Dreiviertel der Anbieter ist auch das Online-Marketingbudget seit der Pandemie angestiegen. Fast die Hälfte verzeichnete eine höhere Bestellfrequenz. Die 14.500 österreichischen Webshops müssen allerdings jeden zweiten Euro, der online ausgegeben wird, an ausländische Anbieter abgeben", sagt Handelsverband-Chef Will.

"Viele Onlineshops konnten in der jüngsten Vergangenheit gleich dreifach profitieren: vom Zustrom neuer Kundinnen und Kunden sowie von höheren Einkaufsmengen und -frequenzen", sagt ZHAW-Forscher Darius Zumstein. Auch in der Schweiz kam es wie in Österreich zu massiven Zuwächsen im Online-Handel. "Insgesamt schätzen wir, dass der Umsatz im Schweizer Onlinehandel 2021 mindestens 15 Milliarden Franken erreichen wird. Das ist ein Plus von beinahe 50 Prozent im Vergleich zu 2019", resümiert ZHAW-Forscher Zumstein.

E-Commerce als Job-Motor für den Handel

Die Zuwächse beim Handelsvolumen schlägt sich auch bei Jobs und IT-Infrastruktur nieder. So hat die Mehrheit der Händler für die Online-Kanäle auch neues Personal eingestellt. Vor allem im Lager und in der Bestellverarbeitung wurden Neueinstellungen vorgenommen. Viele sogenannte Omnichannel-Anbieter, die sowohl stationäre Ladengeschäfte als auch Onlineshops betreiben, haben außerdem ihre eCommerce-Abteilungen ausgebaut oder organisatorisch aufgewertet.

"Die Coronakrise hat diesbezüglich einen deutlichen Digitalisierungsschub bewirkt", bestätigt Marktforscher Zumstein. Viele Onlinehändler haben weiter in den Ausbau ihrer Lagerkapazitäten und in ihre IT-Systeme investiert. Inzwischen verkauft mehr als die Hälfte ihre Produkte auch auf virtuellen Marktplätzen wie Digitec Galaxus oder Amazon. Das seien deutlich mehr als noch 2019.

Neue Herausforderungen: Beschaffungskrise und scharfer Wettbewerb

Der Druck auf die Händler wird trotz neuer Absatzweg via Internet nicht geringer. Die Händler stehen auch im Online-Handel derzeit unter massivem Druck, vor allem bei der Beschaffung. Rund drei von vier Anbietern geben an, dass Lieferanten verzögert oder gar nicht liefern können. Daneben spüren 70 Prozent einen zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck.

Auch beim stationären Handel dürften die Karten neu gemischt werden, was sich in den Schließungen von Ladengeschäften niederschlagen wird. Unter den Omnichannel-Anbietern erwartet mehr als die Hälfte, dass es in den kommenden Jahren weniger stationäre Ladengeschäfte geben wird.

"Ein Teil der Betreiber wird wohl vermehrt auf neue Ladenformate setzen, beispielsweise Erlebnisgeschäfte oder Showrooms, in denen nur ausgewählte Produkte aus dem Onlinesortiment präsentiert und verkauft werden", meint Zumstein.

Zahlung via Kreditkarte und Rechnung

Die Standardzahlungsoptionen im Onlinehandel bleiben wie in den Vorjahren Kreditkarte und Rechnung. Auftrieb erhalten weiterhin neue Zahlungsformen wie etwa mobile Verfahren: So bieten beispielsweise 52 Prozent der Shops die Zahlung mit TWINT an.

Technisch im Hintergrund abgewickelt werden die Überweisungen am häufigsten über PayPal, Post Finance, Worldline und Datatrans.

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