OMV: Zum Halbjahr ein "rein buchhalterischer" Milliardenverlust

OMV CEO Rainer Seele

OMV CEO Rainer Seele: "Trendwende erreicht."

Die OMV hat im ersten Halbjahr 2017 gut verdient, der Verkauf der türkischen Tochter reißt aber ein tiefes Loch in die Bilanz des Öl-und Gaskonzerns. Für OMV-Chef Rainer Seele kein Grund, sich Sorgen zu machen.

Theoretisch ist die Halbjahresbilanz des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV hochweiß. Der Umsatz konnte im Vorjahresvergleich dank der etwas höheren Preise um zwölf Prozent gesteigert und das um die Lagerhaltungseffekte bereinigte operative Ergebnis auf 662 Millionen Euro verdoppelt werden.

In der Praxis sieht es allerdings etwas anders aus. Der Verkauf der türkischen Petrol Ofisi und der dadurch eingetretene negative Sondereffekt hat der OMV nämlich eine dickes Minus von 1,32 Milliarden Euro eingebrockt und somit Bilanz ordentlich verhagelt. Unter dem Strich steht daher ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Das den Aktionären zuzurechnende Ergebnis des ersten Halbjahres 2017 liegt somit bei -1,03 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr 2017 erbrachte die OMV ein starkes Ergebnis – zurückzuführen ist dies in erster Linie auf ein höheres Upstream Ergebnis sowie auf einen gestiegenen Öl- und Gaspreis und höhere Raffinerie- und Petrochemie-Margen.

Konsolidierungskurs

OMV-Chef Rainer Seele will sich aufgrund des negativen Effekts des Petrol Ofisi Verkaufs das Ergebnis aber nicht schlechtreden lassen. "Die Trendwende haben wir definitiv 2017 erreicht", sagt er und steht zur kostspieligen Beendigung des Tankstellengeschäfts in der Türkei: "Angesichts der aktuellen Lage am Bosporus, des politischen Risikos, und der rückläufigen Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen in der Türkei ist dies ein Schritt, der für die OMV positiv ist."

Der Verkauf der Petrol Ofisi sei ein "Einmal-Effekt und eine rein buchhalterische Maßnahme", betonte Seele. Und Finanzvorstand Reinhard Florey erklärte: "Das sind Altlasten aus dem Erwerb der Petrol Ofisi seit 2010." Die beim Verkauf verbuchten Verluste seien "die kumulierte Zahl aus den Währungsabwertungen seit 2010. Das ist über diese Jahre jeweils über den Cashflow auch in die Bilanz reingezogen worden", beim Verkauf "geht das einmal kumuliert durch die Gewinn-und Verlustrechnung".

Die OMV befindet sich weiter auf Konsolidierungskurs - neben der Petrol Ofisi wurde zuletzt auch die OMV UK abgegeben. Die Investitionen wurden im letzten Halbjahr von 965 Millionen Euro auf knapp 700 Millionen Euro zurückgeschraubt. Neu investiert wird vor allem in die Suche und Förderung von Öl und Gas.

Ihre Ölpreis-Prognose für das laufende Jahr hat die OMV reduziert, man rechnet nun mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 52 Dollar pro Fass, statt bisher 55 Dollar. Am europäischen Gasmarkt gebe es nach wie vor ein Überangebot, aufgrund des kalten Winters im ersten Quartal dürften aber die durchschnittlichen Gaspreise an den europäischen Spotmärkten höher ausfallen als im Vorjahr.

Strahlendes Börsenjahr

An der Börse hat die OMV (ISIN AT0000743059) ein außerordentlich gutes Jahr hinter sich. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Aktienkurs um über 95 Prozent gestiegen und hält aktuell bei rund 48 Euro.

OMV-Aktie (ISIN AT0000743059); 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 10.8.2017: 48,0 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

OMV-Aktie (ISIN AT0000743059); 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 10.8.2017: 48,0 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.


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Den Geschäftsbericht der OMV zum 2. Quartal des Jahres 2017 finden Sie hier zum Download.

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