OMV: Trennungs-Absichten

Der Machtpoker, wie der OMV-Konzern für die Zukunft ausgerichtet wird, ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt sogar Überlegungen zu einer Aufspaltung von Chemie-und Ölgeschäft.

Alfred Stern, neuer CEO der OMV

OMV-Boss Alfred Stern kommt aus der Borealis und wird am grundsätzlichen Umbau zu einem Chemie-Unternehmen nichts ändern. Vizegeneral Johann Pleininger würde dagegen gerne verhindern, dass die wieder kräftig sprudelnden Gewinne aus der Öl- und Gasförderung ausschließlich für die Expansion im Chemiebereich abgezweigt werden.

Österreichs bestverdienendes Unternehmen präsentierte 2,3 Milliarden Gewinn vor Steuern im ersten Halbjahr 2021. Die offenen Auseinandersetzungen nach dem Abgang von CEO Rainer Seele scheinen vorerst bereinigt. Entspannte Ruhe ist in der OMV trotzdem aber noch keineswegs eingekehrt. Vieles befindet sich im Fluss. Zündstoff ist ausreichend vorhanden.

Hinter verschlossenen Türen werden sogar Überlegungen für eine Revolution gewälzt: nämlich die Trennung von Kunststoffbereich auf der einen Seite sowie Öl-und Gasgeschäft auf der anderen. Seele verfolgte einen klar umrissener Kurs: kontinuierliches Wachstum in der Chemie, sukzessives Schrumpfen in der Öl- und Gasförderung. Unter seinem Nachfolger Alfred Stern, der aktuell an der neuen Strategie arbeitet und diese im ersten Quartal 2022 vorstellen will, hat sich im Grunde daran nichts geändert. Auch für den früheren Boss der von der OMV zu 75 Prozent übernommenen Petrochemie-Gruppe Borealis hat die Produktion von Kunststoffen Vorrang.

Öl-Bastion

Johann Pleininger hingegen war schon als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und als Verantwortlicher für die Division Exploration & Production der Gegenspieler von Seele. Er kann sich - aus seiner Sicht irgendwie verständlich - nicht damit abfinden, dass "seine" Gewinne überwiegend in den Umbau der OMV zu einem Chemiekonzern und nicht ins eigene Business investiert werden sollen. Der Niederösterreicher aus Gänserndorf, die Öl-und-Gas-Bastion des Konzerns, strebt nach mehr Eigenständigkeit und könnte sich durchaus mit einer Abspaltung anfreunden, wie mit der Sache vertraute Personen erklären. Zumal durch den stark gestiegenen Ölpreis die Profite aus der Förderung nun wieder kräftig sprudeln. Auch mit der Versorgungssicherheit für Österreich argumentiert Pleininger.

In der kleinen Gruppe, die mit der Erarbeitung der Strategie befasst ist, wird ein solches Separationsszenario genauso thematisiert wie im Aufsichtsrat der OMV. Für Stern könnten zwei Punkte dafür sprechen: Durch den globalen Trend zu mehr Klimaschutz, der auch die Finanzbranche erfasst hat, würde die Börsenbewertung des sogenannten Downstreambereichs inklusive der Chemie-Aktivitäten wahrscheinlich steigen, gäbe es keine Vermischung mit dem Bohren nach fossiler Energie. Die gerät zunehmend in Misskredit. Der Aktienkurs könnte nach oben klettern, so die Idee. Außerdem könnte sich der studierte Kunststofftechniker Stern ganz auf das Feld konzentrieren, von dem er viel versteht, und hätte gleichzeitig die Chance, Konfliktpotenzial in der OMV aufzulösen.

Politisch heikel

Auch wenn sich gewisse Anzeichen für die Möglichkeit einer Spaltung mehren. Es spricht auch eine ganze Menge gegen die hauptsächlich von Topmanager Pleininger getragenen Intentionen. Der Upstreambereich alleine wäre wohl nicht börsenfähig. Es müsste also ein neuer Investor einsteigen. Und es ist nicht ausgemacht, dass sich ein potenter Finanzinvestor finden ließe. Die großen Private-Equity-Fonds stehen nicht gerade Schlange für milliardenschwere Deals in der fossilen Welt.

Die Alternative wäre ein strategischer Partner. Wahrscheinlich kein großes Problem, die russische Gazprom zum Beispiel wäre mit Sicherheit höchst interessiert. Aber bei so einer Lösung lässt sich absehen, dass Österreich über kurz oder lang seinen Einfluss auf das Geschäft verlieren würde. Politisch wäre das kaum durchzubringen -auch wenn die Grünen in der Regierung nicht am Betrieb von Öl-und Gasfeldern hängen.

Im Aufsichtsrat und innerhalb des Konzerns gibt es aber auch darüber hinaus gewichtig vorgetragene Skepsis. Etwa von OMV-Kontrollor Karl Rose, einem ausgewiesenen Energieexperten. Genereller Tenor der Kritik: Zusammen ließen sich die beiden Bereiche besser und profitabler managen. Allerdings schwingt dabei immer mit, dass sich in der Exploration in den nächsten fünf Jahren noch sehr viel Geld verdienen lässt -wenn dort auf Wachstum verzichtet wird. Diese Cashflows könnten dann - auch durch Übernahmen -in die Weiterentwicklung der OMV zu einem richtigen Chemieunternehmen investiert werden, das nicht mehr nur auf Kunststoffe limitiert ist.

Und das ist genau das, was Johann Pleininger gerne verhindern würde. Er sieht das logische Expansionsgebiet der OMV vielmehr in der Produktion von alternativer Energie aus Windkraft und Photovoltaik. Eine Strategie, die Ex-Boss Seele strikt abgelehnt hat. Alfred Stern hält sich noch bedeckt.

Bislang beurteilen auch die Aktienanalysten den Weg, sich als integrierter Konzern zu positionieren, positiv. Das OMV-Papier hat sich gut geschlagen. Von Seiten des Marktes ist aktuell kein Druck in Richtung Trennung zu erkennen.

Unsicherheitsfaktoren

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor wäre der zweitgrößte OMV-Aktionär, die Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi. Der mit der staatlichen ÖBAG auf zehn Jahre abgeschlossene Syndikatsvertrag wäre bei einer gravierenden Neustrukturierung der OMV obsolet. "Die Abus sind unsere Unabhängigkeitsgarantie. Es wäre schlecht, wenn sie das zum Anlass nehmen, sich teilweise zurückzuziehen", meint ein Insider. Inwieweit die Araber Interesse an einer eigenständigen Öl-und Gassparte hätten, ist schwer abzuschätzen. 37 Prozent am spanischen Ölkonzern Cepsa haben sie jedenfalls an den Finanzinvestor Carlyle verkauft. Und sie waren die stärksten Unterstützer für Seeles Chemie-Strategie.

Im kommenden Jahr muss eine Entscheidung fallen, wie sich die OMV Gruppe künftig aufstellt. "Eine extrem komplizierte Kiste", wie ein Kenner sagt. Die einfachste Lösung, sollte man sich wirklich zu einer Aufspaltung durchringen, wäre noch, dass die Staatsholding Öbag an beiden Teilen beteiligt bleibt. Aber die ist derzeit nicht in der Lage, so einen komplexen Prozess zu moderieren. Spätestens jetzt rächt sich, dass Sebastian Kurz dort seinen Freund Thomas Schmid als Boss installiert hat.

Nach dessen Absturz und Abgang ist die Öbag gelähmt. Die momentane Interimschefin, Christine Catasta, stellt sicher keine weitreichenden Weichen. Die bestellte Alleinvorständin Edith Hlawati, die erst am 1. Februar 2022 antritt, wird nicht sofort voll handlungsfähig sein. Bei den schwerwiegenden Entscheidungen, die bei der OMV, aber etwa auch bei A1 Telekom anstehen, ist die Öbag in keiner guten Position. Wodurch das Debakel verdeutlicht wird, das die ÖVP bei den Beteiligungen des Staates - mithin dem Vermögen aller Österreicher - angerichtet hat.



Andreas Lampl, Chefredakteur trend

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