Neue OMV-Strategie: Raus aus Öl und Gas

OMV-CEO Alfred Stern hat seine neue Strategie vorgestellt. Er steuert den kompletten Ausstieg aus dem Öl- und Gasgeschäft an und will stattdessen auf Chemie, Kunststoffe, Recycling und E-Mobilität setzen.

OMV CEO Alfred Stern

OMV CEO Alfred Stern

Anfang September 2021 hat Alfred Stern die Position des Vorstandschefs der OMV von Rainer Seele übernommen. Seither ist er nach außen kaum in Erscheinung getreten. Weil er erst die neue Strategie für die OMV, Österreichs größtes Unternehmen, erarbeiten wollte.

Nun war es soweit. Stern hat seine Strategie vorgestellt. In dem Konzern, der heute noch überwiegend im Öl- und Gasgeschäft aktiv ist, wird demnach kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Der neue CEO leitet die Klima-Wende ein und will in Etappen komplett aus dem Geschäft mit den fossilen Energieträgern aussteigen. Stattdessen will Stern auf chemische Produkte setzen Finanziert werden soll der mittel- und langfristige Rückzug aus Öl und Gas mit den Gewinnen, die das Öl- und Gasgeschäft abwirft.

Ausstieg aus dem Öl- und Gasgeschäft

Konkret soll die Rohölproduktion bis 2030 schrittweise um etwa 30 Prozent reduziert werden, die Erdgasproduktion um etwa 15 Prozent. 2025 soll die Jahresproduktion rund 450.000 Fass Öleinheiten betragen, bis 2030 soll sie auf unter 400.000 Barrel pro Tag sinken. Bis 2050 wird die Produktion von Öl und Gas zur energetischen Nutzung vollständig eingestellt.

Investitionen in die Öl- und Gasproduktion werden bis 2026 fortgesetzt, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Gasprojekten liegt, danach sollen sie deutlich zurückgehen. Der Anteil von Gas soll auf mehr als 60 Prozent steigen. Die Erschließung des Neptun-Gasfelds im rumänischen Schwarzen Meer ist dabei ein Kernprojekt. "Abhängig vom neuen Offshore-Gesetz in Rumänien erwarten wir die finale Investitionsentscheidung für 2023", sagte Stern. Ab 2027 soll dort das erste Gas gefördert werden. In das Projekt "Neptun Deep" sollen bis zu 2 Mrd. Euro investiert werden. "Wir rechnen mit einer Plateau-Produktion von bis zu 70.000 Barrels Öleinheiten pro Tag für die OMV für einen geschätzten Zeitraum von zehn Jahren."

Abschied von Russland

Auch der bisherigen Kernregion Russland kehrt die OMV den Rücken. "Das bedeutet automatisch, dass wir dort keine weiteren Investitionen verfolgen. Deswegen haben wir auch alle weiteren Verhandlungen für das Erdgasfeld Achimov abgebrochen. Es bedeutet aber auch, dass wir uns alle Optionen ansehen, wie wir mit unserer 24,99-Prozent-Beteiligung am Juschno-Russkoje-Gasfeld weiter umgehen können. 'Alle Optionen' bedeutet vom Verkauf bis zu Exit, allerdings gibt es eine komplexe rechtliche Situation dort, die wir jetzt untersuchen."

Grundsätzlich will die OMV aber geographisch expandieren und das Portfolio diversifizieren, um das Risiko in den verschiedenen Regionen zu verringern. Laut Upstream-Vorstand Johann Pleininger ist etwa auch Libyen ein stabiler Produzent, 2022 rechnet man dort mit einer Produktion von mehr als 30.000 Fass pro Tag.

Die vergleichsweise teure Öl- und Gasförderung in Österreich (Gänserndorf) wird nicht eingestellt, stellte Pleininger klar. Dabei geht es um 19.000 Fass pro Tag. Man sei bis 2030 weiterhin in der Lage, in Österreich wirtschaftlich zu produzieren. Es gehe aber nicht nur um die produzierten Mengen, sondern Österreich sei auch ein Innovations- und Technologiezentrum für den E&P-Bereich der OMV, erklärte Pleininger.

Weitere Eckpunkte der "Strategie 2030"

  • Borealis. Am geplanten Verkauf der Düngemittel-Sparte der Chemietochter hält die OMV nach wie vor fest, obwohl der bereits fertig paktierte Deal mit dem russisch-schweizerischen Konzern EuroChem gestoppt wurde.
  • Refining & Marketing. Der Geschäftsbereich soll ein führender europäischer Anbieter von nachhaltigen Kraftstoffen, Rohstoffen und Mobilitätslösungen werden. So sollen etwa mit Investitionen von insgesamt mehr als 400 Mio. Euro bis 2030 mehr als 2.000 E-Ladestationen an Tankstellen und an Autobahnen und Transitstrecken sowie rund 17.000 Wallbox-Ladestationen für Firmenstandorte errichtet werden.
  • Nachhaltige Kraftstoffen und nachhaltige chemischen Rohstoffe.Die Produktion soll bis 2030 auf 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr gesteigert werden, wobei fast die Hälfte der Mengen auf nachhaltige Flugzeugtreibstoffe entfällt - der Absatz von nachhaltigem Flugtreibstoff soll auf mehr als 700.000 Tonnen steigen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Österreich fast 3,5 Mio. Tonnen Benzin und Diesel verbraucht.
  • Erneuerbare Energien. Weil man Öl- und Gas künftig nicht mehr zur Energiegewinnung verbrennen will, setzt die OMV künftig auch auf Wasserstoff, Solar-und Windenergie und will ihr Solar- und Windkraftgeschäft für den Eigenbedarf auf mindestens 1 TWh ausbauen und Möglichkeiten im Bereich Gas- und Wasserstoffspeicherung prüfen.
  • Geothermie. Zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen will die OMV rund 5 Mrd. Euro in die Entwicklung von CO2-armen Geschäftsfeldern investieren, d. h. in die Geothermie und die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Es wird erwartet, dass bis 2030 aus Erdwärme bis zu 9 TWh Energie pro Jahr gewonnen werden.

Neuer Wachstumsmarkt Chemicals & Materials

"Chemicals & Materials wird nicht nur unser Wachstumstreiber sein, sondern auch Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite in Einklang bringen und somit unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktdynamiken stärken", erklärte CEO Stern.

Es wird erwartet, dass das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten (bereinigt um Lagerhaltungseffekte) bis 2030 mindestens 6 Mrd. Euro erreicht. Die Hälfte der Einnahmen werde dann aus dem Bereich Chemicals & Materials kommen. Exploration & Produktion sollen rund 30 Prozent beitragen, Raffinerien und Tankstellen etwa 20 Prozent. Der operative Cashflow (exklusive Net-Working-Capital-Effekte) soll bis 2030 über 7 Mrd. Euro erreichen. Es gebe das klare Ziel, die Dividende jedes Jahr zu erhöhen, sagte der CEO.

Nach klaren Prioritäten bei der Kapitalallokation - Investitionen an erster Stelle, gefolgt von Dividenden, anorganischem Wachstum und Entschuldung - seien Investitionen in Höhe von 3,5 Mrd. pro Jahr für organisches Wachstum geplant. Mindestens 40 Prozent davon sind für CO2-arme Projekte vorgesehen.

Wirklich überzeugen kann die OMV mit ihrer neuen Strategie weder Umweltschützer noch Anleger. Global 2000 sieht in einer ersten Reaktion zwar positive Entwicklungen in die richtige Richtung, der geplante Ausstieg aus Öl und Gas erfolgt nach Ansicht der Umweltorganisation aber viel zu langsam. Die Aktie der OMV hat an der Wiener Börse in einem insgesamt festeren Börsenumfeld in der Spitze bis zu 7,5 Prozent an Wert verloren.

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