OMV-Chef Seele: Kunden wollen kein teures US-Gas kaufen

OMV-Chef Seele: Kunden wollen kein teures US-Gas kaufen

OMV-Chef Rainer Seele hat wenig Begeisterung für die EU/USA-Pläne, wenn es um Flüssig-Erdgas aus den USA geht.

Eine höhere Steuerquote und der schwache Dollar bremsten im 1. Halbjahr 2018 das Ergebnis der OMV. Die umstrittene Gas-Pipeline North Stream 2 ist laut OMV-Chef Seele auf Kurs und nicht von den US-Sanktionen betroffen. Der Markt soll den Preis richten, nicht die Politik.

Wien. OMV-Chef Rainer Seele hält offensichtlich wenig von der zwischen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump getroffenen Vereinbarung, dass Europa künftig mehr amerikanisches Flüssig-Erdgas (LNG) kaufen soll. "Welches Gas gekauft wird, entscheidet letztendlich der Markt und nicht die Politik", sagt OMV-Chef Seele bei der Präsentation der Halbjahreszahlen.

"Die Verbraucher sind nicht gewillt, einen höheren Preis zu zahlen, weil das Gas mit einem Schiff über den Atlantik gefahren wird", sagte Seele. Der trend-Manager des Jahres 2018 begründet dies mit dem Marktmechanismus: "Wenn wir über amerikanisches LNG sprechen, dann wird der europäische Markt für solche Lieferungen offen sein, wenn der Preis stimmt." Derzeit werde LNG in Asien um rund die Hälfte über dem europäischen Erdgaspreis gehandelt.

Das Russland-Projekt

Das umstrittene Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 sieht Seele nicht in Gefahr, man liege im Zeitplan und im Budget. In deutschen Gewässern habe man bereits mit der Verlegung der Rohre begonnen und warte jetzt nur noch auf eine Genehmigung aus Dänemark - wobei man durch eine kleine Routenänderung auch darauf nicht angewiesen sei.

Von den Russland-Sanktionen der USA sei Nord Stream 2 nicht betroffen, sagte Finanzvorstand Reinhard Florey, das habe man mit dem Finanz- und Außenministerium der USA geklärt. Von den veranschlagten Gesamtkosten des Projekts in Höhe von 9,5 Mrd. Euro entfällt auf die OMV ein Zehntel, bisher habe man 465 Mio. Euro gezahlt.

Sehr wohl zu spüren bekommen wird die OMV allerdings die Sanktionen gegen den Iran. Von dem im vergangenen Jahr in den OMV-Raffinerien verarbeiteten Rohöl habe man 4 Prozent aus dem Iran bezogen, sagte der für die Raffinerien zuständige Downstream-Vorstand Manfred Leitner. Im ersten Halbjahr 2018 seien es schätzungsweise 500.000 Tonnen gewesen, also eine relativ geringe Menge. "Natürlich war das eine sehr attraktive Möglichkeit, die wir auch wahrgenommen haben, aber das wird zu einem Ende kommen, sobald die Sanktionen greifen."

Das Ergebnis - 1. Halbjahr 2018

Der Dreher. OMV hat im ersten Halbjahr 2018 bei einem stabilen Umsatz von 10,68 Mrd. Euro sein Ergebnis deutlich verbessert. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten verbesserte sich um 5 Prozent auf 1,54 Mrd. Euro, der Periodenüberschuss drehte von -112 Mio. Euro auf 807 Mio. Euro ins Plus,

Im zweiten Quartal war der Umsatz mit 5,7 Mrd. Euro um 11 Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das operative CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten verbesserte sich um ein Zehntel auf 726 Mio. Euro. Im 2. Quartal blieb laut OMV-Chef Seele unterm Strich ein Periodenüberschuss von 276 Mio. Euro. "Das liegt daran, dass die OMV eine deutlich höhere Steuerquote hatte, sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal." Unterm Strich war das 2. Quartal "nicht beeindruckend".

Upstream. Für das bessere operative Ergebnis sei vor allem das höhere Upstream-Ergebnis in Höhe von 895 Mio. Euro (1. Halbjahr 2017: 580 Mio. Euro) verantwortlich, weil die Verkaufsmenge durch die Beteiligung am russischen Gasfeld Juschno Russkoje gestiegen sei. Die Gesamtproduktion stieg um 27 Prozent auf 428.000 boe/d (Barrel Öläquivalent pro Tag).

Downstream. Im Geschäft mit Raffinerien und Tankstellen ist das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten von 904 Mio. auf 714 Mio. Euro gesunken - hier machte sich der Verkauf der türkischen Petrol Ofisi im zweiten Quartal 2017 bemerkbar.

Cashflow. Die entscheidende Kennzahl ist für die OMV der operative Cashflow, der im ersten Halbjahr um 21 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro gestiegen sei. "Diese 2,3 Milliarden waren ausreichend, um unsere Investitionen von 1,1 Milliarden im ersten Halbjahr zu zahlen, und die OMV konnte aus diesem operativen Cashflow die zwei Ölfelder in Abu Dhabi kaufen, die haben 1,2 Milliarden gekostet."

Ausblick. Für das zweite Halbjahr ist OMV-Chef Seele optimistisch. Die OMV rechnet mit einem durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von 70 Dollar pro Fass, bisher hatte man einen durchschnittlichen Ölpreis von 68 Dollar angenommen. Auch der Gaspreis auf den europäischen Spotmärkten dürfte höher ausfallen als im Vorjahr. Die gesamte Tagesproduktion wird bei 420.000 Fass erwartet, wobei der Produktionsbeitrag aus Russland rund 100.000 Fass pro Tag ausmachen soll.
Allein das Closing der Akquisition in Neuseeland werde einen Produktionszuwachs um 30.000 Barrel am Tag bringen. Darüber hinaus erwarte man den Start der Ölproduktion in Abu Dhabi, "das ist in der Plateau-Produktion bis zu 40.000 Barrel am Tag". Beim Gasfeld Aasta Hansteen in Norwegen soll ebenfalls die Produktion beginnen, es soll einen Produktionsbeitrag von bis zu 18.000 Barrel am Tag bringen. "Wenn unsere Vorhersage stimmt - wir gehen in diesem Jahr von einem Ölpreis von 70 Dollar aus -, dann wird sich die höhere Produktion natürlich noch stärker auswirken."

Die Aktie. Die OMV-Aktie (ISIN AT0000743059) hat am Mittwoch verloren: Um 1,0 Prozent hatte der Kurs am Nachmittag (MEZ 16 Uhr) schwächer notiert als zum Börsenbeginn. Seit Jahresbeginn hat die OMV-Aktie um ein Zehntel an Wert verloren.

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