OMV weiter auf Erfolgskurs: Nettogewinn verdoppelt

OMV Raffinerie in Schwechat

OMV Raffinerie in Schwechat

Österreichs größtes Unternehmen, der Öl- und Gaskonzern OMV, hatte im ersten Halbjahr 2019 einen sehr guten Lauf. Das Betriebsergebnis wurde nahezu verdoppelt und ist trotz gesunkener Preise wieder über die Milliardengrenze gestiegen

"Dieses Ergebnis ist handgemacht", freut sich OMV-Vorstandschef Rainer Seele. Trotz widriger Umstände ist es der OMV gelungen, das Halbjahresergebnis aus dem Vorjahr nahezu zu verdoppeln. "Das Umfeld hat uns überhaupt nicht geholfen", betont Seele, " die Ölpreise sind um 7 Prozent niedriger gegenüber Vorjahr, die Gaspreise sind um 27 Prozent niedriger, und was noch viel wichtiger ist, die Raffineriemarge ist um 39 Prozent niedriger. Das Preisumfeld war also nur negativ, alles ist runtergegangen."

Dennoch war der von der OMV im ersten Halbjahr durchschnittlich realisierte Rohölpreis mit 63,47 Dollar um 7 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

Möglich wurde das durch die Produktionssteigerungen, ein leicht verbessertes Margenumfeld im Bereich der Petrochemikalien und die weitere Kostensenkung. "Wir konnten die Produktionskosten auf 6,9 Dollar pro Barrel absenken und haben jetzt um neun Prozent weniger Kosten im Upstream-Bereich im Vergleich zum Vorjahr", erklärt Seele Ebenfalls beigetragen habe eine gute Performance im Retailgeschäft.

OMV Ergebnis Jänner - Juni 2019 (KPIs)

Auch der Kunststoffproduzent Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, lieferte einen höheren Beitrag zum Betriebsergebnis, der allerdings auch auf die Auflösung einer Rückstellung für einen Steuerstreit in Finnland zurückzuführen ist.

OMV Kennzahlen

Der Free Cashflow war im ersten Halbjahr nach der Dividendenausschüttung mit 176 Millionen Euro (1. HJ 2018: -541 Millionen Euro) noch immer negativ, aber der operative Cashflow ist mit rund 1,14 Milliarden Euro im zweiten Quartal (Q2 2018: 1,23 Milliarden Euro) "auf einem vollkommen neuen Niveau".

Seele kündigte für das Gesamtjahr 2019 einmalig einen negativen Cashflow an, den er mit Kosten von 2,43 Milliarden Euro für die 15-prozentige Übernahme der Raffinerie in Abu Dhabi verweist.

Das Gearing, der Verschuldungsgrad sei mit 21 Prozent sehr niedrig, betonte Seele. "Wir haben super Finanzmuskeln, wir haben noch einen Cashbestand von über drei Milliarden Euro, da können wir noch die eine oder andere an Akquisitionen machen." Neben Abu Dhabi gebe es heuer auch noch das Projekt Achimov IV/V mit einem Volumen von 905 Millionen Euro. Seele: "Wir wollen bis zum Ende des Jahres die finalen Verträge unterzeichnen, das ist jetzt eher noch eine juristische Aufgabe."

Den Zeitplan für die Fertigstellung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist, gelte nach wie vor, sagte Seele. Zwar gebe es Sanktionsdrohungen aus den USA, doch die dänische Umweltbehörde mache professionell ihre Umweltprüfung, "dementsprechend habe ich keinen Grund, den Zeitplan zu ändern". Bisher habe die OMV für das Projekt 687 Millionen Euro bezahlt, wobei die Zahlungen immer kleiner würden, weil 70 Prozent der Leitung verlegt seien. "Der größte Kostenblock ist gar nicht die Verlegung der Pipeline, sondern die Herstellung der Rohre, und die sind alle schon hergestellt und bezahlt worden."

OMV an der Börse

Die Aktie des heimischen Öl- und Gaskonzerns (ISIN AT0000743059) notiert aktuell bei knapp 45 Euro und hat damit im laufenden Jahr bereits 17 Prozent am Wert zugelegt.

OMV-Aktie; ISIN AT0000743059; 5-Jahres-Entwicklung

OMV-Aktie; ISIN AT0000743059; 5-Jahres-Entwicklung

Die Berenberg Bank hat ihr "Buy"-Votum bestätigt und das Kursziel bei 60,0 Euro festgelegt, was ein neues Allzeit-Hoch für das Papier bedeuten würde. Der bisherige Höchstwert vom Jänner 2018 liegt bei 56 Euro.

Die OMV Berenberg-Analysten heben das Potenzial des Konzerns zur Cashflow-Generierung hervor, das sich positiv auf die Dividenden auswirken sollte. Für das Gesamtjahr geben sie ebenfalls eine positive Prognose ab. Sie schätzen, dass die Produktion in Libyen auf einem guten Niveau bleiben wird, was ein ausschlaggebender Faktor für die Gesamtproduktion 2019 sein könnte.

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