Rainer Seele: "Die OMV ist schon bei einem Ölpreis von 25 Dollar Cashflow-positiv"

Der Mineralöl- und Gaskonzern OMV hat den Turnaround geschafft. Das Ergebnis konnte gegenüber dem Vorjahr verdoppelt werden, das Unternehmen wurde auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet. Mittlerweile kann die OMV auch bei einem Ölpreis von 25 Dollar noch gewinnbringend arbeiten.

OMV CEO Rainer Seele

Hat gut lachen: OMV CEO Rainer Seele bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2017.

"Die OMV ist kerngesund und kräftig aufgestellt", wesentlich robuster also noch vor wenigen Jahren, sagt OMV-Chef Rainer Seele, der aktuell vom trend zum "Mann des Jahres" gewählte Manager (siehe trend-Ausgabe 50-52/2017). "Wir können heute bereits bei einem Ölpreis über 25 Dollar Cashflow-positiv arbeiten. 2015 lag diese Zahl noch bei 70 US-Dollar", erklärte Seele bei der Präsentation der Ergebniszahlen für das Geschäftsjahr 2017.

"Wir haben ein bereinigtes Ergebnis vor Sondereffekten von knapp drei Milliarden Euro erwirtschaftet. Damit haben wir unser operatives Ergebnis gegenüber 2016 verdoppelt", berichtete der OMV-Chef. "Ein annähernd so gutes Ergebnis konnte das Unternehmen zuletzt 2013 erzielen, allerdings bei einem doppelt so hohen Ölpreis."

Bei der Produktion habe man 2017 mit 348.000 Barrel Erdöl und Erdgas pro Tag einen Höchststand in der Geschichte der OMV erreicht. "Die Reserven-Ersatzrate lag das zweite Jahr in Folge über 100 Prozent. Unseren Raffinerien waren trotz geplanter Wartungsstillstände zu 90 Prozent ausgelastet." Die OMV-Referenzmarge für die Raffinerien sei um mehr als ein Viertel gestiegen. Dank der Beteiligung am russischen Gasfeld Juschno Russkoje habe man die Produktion im vierten Quartal bereits auf den Rekordwert von 377.000 boe/d gesteigert. "Was aber noch viel wichtiger ist: Wir konnten unsere Produktionskosten innerhalb von zwei Jahren massiv reduzieren - sie liegen nun bei 8,8 Dollar pro Barrel im Vergleich zu 13,2 Dollar im Jahr 2015." Die Mitarbeiterzahl ist im vergangenen Jahr um rund tausend auf nunmehr rund 20.700 gesunken, das "reflektiert die Veräußerung der Petrol Ofisi" in der Türkei.

Steigende Preise stützen Ergebnis

Stark profitiert hat die OMV im Vorjahr vom deutlich höheren Öl- und Gaspreis, der sich im Upstream-Bereich mit rund 500 Millionen Euro positiv ausgewirkt habe, sagte Finanzvorstand Reinhard Florey. Im Downstream-Bereich wirke sich ein höherer Ölpreis zwar durch geringere Raffineriemargen negativ aus, "das ist im Jahr 2017 aber nicht passiert, insbesondere auch durch die Kapazitätsengpässe, die sich durch den Wirbelsturm 'Harvey' in Nordamerika ergeben haben".

Profitieren sollen auch die Aktionäre: "Wir werden der Hauptversammlung eine erhöhte Dividende von 1,50 Euro je Aktie vorschlagen", kündigte Seele an - "im übrigen die höchste jemals vorgeschlagene Dividende bei der OMV". Der Kurs der OMV-Aktie (ISIN AT0000743059) sei über das Gesamtjahr um 57 Prozent gestiegen.

Man habe diesen Erfolg in einem volatilen und schwierigen geopolitischen Umfeld erzielt, verwies Seele auch auf die "Ankündigung von US-Sanktionen zu Lasten der europäischen Wirtschaft". Die USA versuchen mit Sanktionsdrohungen auch die vom russischen Gazprom-Konzern gemeinsam mit der OMV und anderen europäischen Energieunternehmen geplante Gaspipeline Nord Stream 2 zu verhindern.

Seeles Kritik richtete sich auch an die EU und einzelne EU-Staaten. Brüssel sollte sich dafür einsetzen, dass der Wirtschaftsstandort Europa durch Investitionen in die Infrastruktur gestärkt werde und "nicht Investitionen verhindern, sondern ermöglichen". Jeden werde man bei der Diskussion über Nord Stream 2 nicht überzeugen können, "es sei denn, wir würden die Transitkapazitäten in der Ukraine und in Polen voll buchen". Er habe manchmal "den Eindruck, dass sich einige EU-Mitgliedsstaaten nicht vor der Pipeline fürchten sondern vor dem Wettbewerb, der von dieser Pipeline ausgeht".

Man werde den Bau der Nord Stream 2 konsequent weiterverfolgen, betonte Seele. Den auf die OMV entfallenden Finanzierungsbeitrag aufzustellen dürfte kein Problem sein: "Den Cash-Bestand haben wir nahezu verdoppelt, er lag zum Jahresende bei 3,97 Milliarden Euro." Der Verschuldungsgrad habe sich von 21 auf 14 Prozent reduziert, "damit liegt die OMV deutlich unter der langfristigen Zielmarke von 30 Prozent".

Meilensteine 2018

Einer der Meilensteine für 2018 sei die Finalisierung des Asset-Swaps mit Gazprom, sagte Seele. Hier spießt es sich bei den Verhandlungen aber noch bei der Frage der Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftsführungen der beiden Geschäftseinheiten, etwa in welchem Umfang man mit eigenen Mitarbeitern im Management der beiden Gesellschaften vertreten sei. "Das ist der Hauptpunkt."

Für heuer geht die OMV von einem Anstieg des globalen Energiebedarfs aus. Der Wechselkurs des Dollar zum Euro wird bei 1,20 erwartet, der durchschnittliche Brent-Ölpreis wird mit 60 Dollar pro Barrel angenommen. Der Gaspreis an den Spotmärkten soll sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen wie 2017.

Das Investitionsvolumen der OMV soll sich heuer auf 1,9 Milliarden Euro belaufen, wovon gut zwei Drittel in den Upstream-Bereich fließen sollen. "Ca. 600 Millionen gehen nach Rumänien", sagte der für den Bereich Upstream zuständige Vorstand Johann Pleininger, "wobei davon ca. 100 Millionen in die Entwicklung des Offshore-Gasfelds 'Neptun' im Schwarzen Meer gehen". Etwa 250 Millionen Euro sollen in Norwegen investiert werden, weitere 100 Millionen für Bohrungen in Österreich, und 80 Millionen Euro sind für Tunesien vorgesehen.

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