OMV-Chef Seele in großer Not: Ölpreis weiterhin auf Talfahrt

OMV-Chef Seele in großer Not: Ölpreis weiterhin auf Talfahrt

OMV-Chef Rainer Seele hat mit der Strategie seines Unternehmens zu kämpfen.

OMV-Vorstandschef Rainer Seele spricht tacheles zur derzeitigen Erosion in der Ölindustrie: "Nur wer Kosten unter Kontrolle hat, wird überleben." Seele findet Widerstand gegen russisches Gas "paradox". Die Nord-Stream 2-Pipeline wird laut Gazprom den europäischen Steuerzahler keinen Cent kosten.

Wien/Moskau. Der Preisverfall bei Öl und Gas auf historische Tiefststände ist nach Ansicht von OMV-Chef Rainer Seele für etliche Unternehmen existenzbedrohend. "Nur jene, die ständig an ihrer Profitabilität arbeiten, ihre Kosten unter Kontrolle haben und flexibel agieren, werden überleben", sagte Seele am Mittwoch bei der "European Gas Conference" in Wien.

"Unsere Branche hat ihre Investitionen um rund 400 Mrd. Dollar (368 Mio. Euro) reduziert", sagte Seele. Das werde mit einer zeitlichen Verzögerung zu einem neuen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage führen. "Der Markt ist konsequent und manchmal brutal." Versuche der Politik, den Markt zu regulieren und zu beschränken, hätten die Preise nicht sehr beeindruckt, ebenso wenig die Krise zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Neuer Sparkurs

Seele hatte am Wochenende nicht ausgeschlossen, dass es aufgrund der Talfahrt des Ölpreises auch bei der OMV zu einem Personalabbau kommen könnte. Der teilstaatliche Energiekonzern steht offenbar ein neuer Sparkurs bevor. "Wir haben 2014 mit einem großen Sparprogramm "Fit for Fifty" begonnen. Das reicht aber nicht, wenn der Ölpreis bei 30 Dollar liegt", sagte der OMV-Vorstandschef in diversen Interviews. Heute notiert der Fasspreis bei WTI Crud bei 27,54 Dollar und hat gegenüber dem Vortag um 3,23 Prozent verloren. Die Nordsee-Rohölsorte Brent notiert bei 28 Dollar mit einem minus von 2,63 Prozent.

"Der Wind weht uns jetzt ein bisschen rauer um Ohren. Daher beschäftige ich mich aktuell nicht mit Russland, sondern mit Kostensenkungen", so Seele.

Verkauf von Tankstellen

Fast zeitgleich zu seiner Brandrede am Mittwoch auf der "European Gas Conference" verkauft die OMV in Tschechien 68 Tankstellen. Die Tankstellenkette Benzina, die zum tschechischen Unipetrol-Konzern gehört - und diese wiederum zur polnischen PKN Orlen, übernimmt die Stationen der OMV. Die OMV bleibt dennoch in Tschechien. 135 Tankstellen wird der Ölkonzern weiterhin betreiben. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte die OMV am Mittwoch mit. Bereits im Oktober wurde der Verkauf der OMV-Stationen kolportiert.

Der Verkauf muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Das Closing für die einzelnen Tankstellen soll im Laufe dieses Jahres beginnen und 2017 abgeschlossen werden. Danach wird die OMV in Tschechien rund 135 Tankstellen betreiben. "Wir setzen damit den Kurs der Optimierung des Tankstellennetzes der OMV in unseren wichtigsten Märkten fort", sagte OMV-Vorstand Manfred Leitner laut Aussendung.

Ab Mittwoch wird sich Seele dennoch wieder mit Russland befassen müssen, auch außerhalb der Konferenz. Der Rubel ist am Mittwoch aufgrund des Ölpreisverfall auf Tiefstand gerutscht seit der Währungsreform 1998. Für einen Dollar muss mehr als 80 Rubel gezahlt werden - der Kurs von 80,79 Rubel war der tiefste seit der russischen Währungsreform 1998.

Hört die Signale

Der Weltklimagipfel könnte zwar ein Signal für die ferne Zukunft sein, "aber auch 2050 werden Öl, Gas und Kohle noch immer eine substanzielle Rolle im Energiemix spielen", zeigte sich der OMV-Chef überzeugt. Die Energiewende habe vor allem zu einer dramatischen Verschiebung im Energiemix hin zur Kohle geführt. Den Preis dafür würden vor allem die Verbraucher in Form von Subventionen für die Erneuerbaren bezahlen, während die energieintensive Industrie leide.

Neuerlich verteidigte Seele die Beteiligung der OMV am Pipeline-Projekt Nord Stream 2. "Versorgungssicherheit bedeutet Diversifizierung von Quellen und Transitrouten", sagt Seele, "aber die EU-Kommission will vor allem einen Ersatz für russisches Gas finden. Diese Einstellung kann man nur als paradox bezeichnen, wenn man bedenkt, dass russisches Gas gut 25 Prozent des europäischen Bedarfs deckt".

Nord Stream 2 sei mit einer Beteiligung von Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden "so europäisch, wie es nur sein kann". Die Gasproduktion in Großbritannien und den Niederlanden sei stark rückläufig, "Europa gehen die Optionen aus", sagte Seele.


Nord Stream 2 wird europäischen Steuerzahler keinen Cent kosten

Auch der russische Gazprom-Konzern hob bei der Wiener Gaskonferenz die Bedeutung von Nord Stream hervor. "Europas eigene Gasproduktion sinkt weiter", sagte die Generaldirektorin von Gazprom Export, Elena Burmistrova. "Europas wachsender Bedarf nach Erdgas wurde im vergangenen Jahr vor allem durch Importe gedeckt." Gazprom habe 2015 fast 159 Mrd. Kubikmeter Gas nach Europa exportiert, deutlich mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Nord Stream versorge nicht nur Nordeuropa mit Gas, sondern über Baumgarten auch viele Länder in Zentral- und Südeuropa, sagte Burmistrova. "Und vergessen wir nicht die Kosten für die europäischen Steuerzahler: Nord Stream 2 wird sie keinen Cent kosten."

Gazprom-Aufsichtsratschef Viktor Zubkov (Subkow) warnte davor, dass wegen der derzeit niedrigen Preise notwendige Infrastruktur-Investitionen ausbleiben würden. Das könnte in Zukunft zu großen Problemen auf den Öl- und Gasmärkten führen, warnte Zubkov.

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