Ölpreisverfall zwingt OMV erneut zu einer Milliardenabschreibung

Ölpreisverfall zwingt OMV erneut zu einer Milliardenabschreibung

Für den OMV-CEO Rainer Seele wird der Ölpreisverfall zur großen Herausforderung.

Die OMV muss nochmals massiv seine Assets abwerten: Um 1,5 Milliarden Euro wird nun eine Wertberichtigung vorgenommen. Die aktuellen Produktionskosten machen OMV-CEO Rainer Seele "große Sorgen" und sollen bereits heuer gedrückt werden. Die Investitionen werden gekürzt und bei Exploration wird gespart. Der Bieterprozess für Gas Connect soll im März starten.

Wien. Nun ist es endgültig fix: Die OMV muss 1,5 Milliarden Euro für das vierte Quartal 2015 abschreiben. Der Ölpreisverfall zwingt den Öl- und Gaskonzern die Wertberichtigung vorzunehmen. Dazu kommen 300 Mio. Euro an zusätzlichen Rückstellungen.

Bereits im dritten Quartal drückten Abschreibungen von einer Milliarde Euro das Ergebnis - in Summe waren das also 2,5 Mrd. Euro, das Vierfache des Nettogewinns von 2014, bei einem Jahresumsatz von knapp 36 Mrd. Euro.

Doch damit sei's vorerst getan. Zumindest hat OMV-Chef Rainer Seele angekündigt, dass er heuer mit keinem weiteren Abschreibungsbedarf mehr rechnet. Vorausgesetzt der Ölpreis hält sich an die eigenen Prognosen. Für 2016 erwartet Seele einen durchschnittlichen Brent-Ölpreis von 40 Dollar pro Fass. Derzeit notiert Nordseeöl bei 33,90 Euro. WTI Crude bei 33,24 Euro. Wenn das OMV-Szenario eintritt, "wird sich kein weiterer Impairment-Bedarf ergeben", sagte Seele zur APA.

Im 4. Quartal 2015 notierte der Ölpreis im Schnitt bei 43,76 Dollar (derzeit 40,14 Euro), vor einem Jahr waren es noch 76,58 Dollar. Wegen der weltweiten Überproduktion hat sich dieser Rohstoff seit Mitte 2014 um etwa 70 Prozent verbilligt.

Wie weit die neuerliche Wertberichtigung das Jahresergebnis 2015 nach unten drücken wird, wollte Seele noch nicht beziffern - das Jahresergebnis soll am 18. Februar präsentiert werden, gemeinsam mit der neuen Strategie des Konzerns. 2014 stand unterm Strich nur noch ein Nettogewinn von 613 Mio. Euro - allein die Ölpreis-bedingten Abschreibungen im dritten und vierten Quartal 2015 machten 2,5 Mrd. Euro aus.

Allerdings kann der OMV-Chef nicht warten, bis die neue Strategie greift - sparen will er kurzfristig vor allem bei den Investitionen und im Bereich Exploration, weil dort die größten Aufwendungen sind. "Da werden wir insbesondere Cashflow-stützende Maßnahmen einleiten."

Unabhängig vom Ölpreisniveau müsse man die Produktionskosten senken - und zwar nicht erst längerfristig, "sondern ich rede von unseren bestehenden Aktivitäten. Da habe ich große Sorgen und da müssen wir sehen, dass wir unsere Verträge nachverhandeln und dass wir die Kostenseite da runterbringen, das ist die erste und wichtigste Maßnahme."

Erste Group senkt Empfehlung: "sell"

Die OMV-Aktie hat am Freitag mit 0,74 Prozent niedriger bei 23,32 Euro notiert.

Im Rahmen einer Branchenanalyse zu Öl- und Gaswerten in Mittel- und Osteuropa haben die Analysten der Erste Group am gestrigen Donnerstag ihre Empfehlung für die Aktien der OMV von "Reduce" auf "Sell" gesenkt. Das Kursziel wurde im Vorfeld der am Freitag vorgelegten Produktionszahlen ebenfalls von 22,0 Euro auf 20,0 Euro reduziert.

Die Experten der Erste Group haben ihre Schätzungen für den Brent-Ölpreis 2016 auf 35 Dollar je Barrel gesenkt. Sie erwarten zudem, dass die Ölpreise in den kommenden drei Jahren schwach bleiben werden. Die OMV sowie die Tochter OMV Petrom könnten von den niedrigen Ölpreisen gleich doppelt belastet werden: So wird die kurzfristige Rentabilität leiden, aber auch die langfristigen Wachstumsraten könnten beeinträchtigt werden.

Optimierung zu Niedrigkosten

Mittel- und langfristig will Seele das OMV-Portfolio bei der Produktion hin zu Niedrigkosten-Ländern optimieren. "Da denken wir spezifisch an Abu Dhabi, Iran und Russland. Mit den Technologien, die wir in Österreich entwickelt haben, wollen wir Zugang zu Lagerstätten insbesondere in Abu Dhabi und im Iran haben." Allerdings sei es noch zu früh, konkrete Öl- oder Gasfelder zu nennen, bei denen man Kooperationen anstrebe.

Der Verkauf von bis zu 49 Prozent an der OMV-Tochter Gas Connect wird laut Seele voraussichtlich im März in eine konkrete Phase treten. Aus der SPÖ kam zuletzt die Idee, die Gas Connect in eine Staatsholding einzubringen, um einen unerwünschten "Ausverkauf" ökonomisch und sicherheitspolitisch wichtiger Energieinfrastruktur zu verhindern. Davon hält Seele offenbar nichts. "Wir starten einen ganz professionellen, internationalen Bietprozess." Dazu habe man bereits eine Leadbank angeheuert und sei nun dabei, die Datenräume mit Informationen zu bestücken.

Zumindest das Thema Vorstandsumbau sollte Seele nicht mehr von seinen eigentlichen Aufgaben ablenken. Mit der Bestellung von Reinhard Florey als Finanzvorstand statt David Davies sei der Umbau nun abgeschlossen, hatte OMV-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Oswald zuletzt erklärt.

Für den vorzeitigen Abgang von Davies sei er, Seele, jedenfalls nicht verantwortlich, betonte der OMV-Chef am Freitag. "Ich habe eine extrem gute Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Davies und schätze seine Kompetenz. Die Entscheidungen, die getroffen wurden, sind Entscheidungen zwischen David Davies und dem Aufsichtsrat und haben nichts mit meiner Person zu tun."

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