OMV: Am Weg vom Öl- zum Gaskonzern

OMV: Am Weg vom Öl- zum Gaskonzern

OMV-Boss Rainer Seele will den Konzern weiter umkrempeln.

OMV-Chef Rainer Seele sprach über die Zukunft des Konzerns, auf welche Länder das Unternehmen setzt, warum der Aktienkurs der OMV noch nicht dort ist, wo er sein sollte und was die Tankstellen von morgen bieten sollen.

„Rainer Seele hat mit einer zunächst viel diskutierten Strategie Österreichs größten Industriekonzern wettbewerbsfähiger und deutlich profitabler gemacht. Er setzte neue Schwerpunkte im Portfolio, senkte die Kosten und konnte die Produktion deutlich steigern“ fasste TPA-Partner Leopold Brunner den Kurs von OMV-General Seele anlässlich der TPA-Veranstaltungsreihe face-to-face zusammen.

Gaspreis künftiger wichtiger als Ölpreis
Seelen auch einen genauen Fahrplan für die Zukunft. „Die OMV wird weniger Öl und mehr Gas produzieren und bei Öl deutlich mehr mit der Höherveredelung setzen als bisher. „Wir wollen unsere Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren und investieren daher in Ländern wie Tunesien, Russland und Norwegen intensiv in die Gasproduktion. Der Gaspreis wird für uns die Bedeutung bekommen, die in der Vergangenheit der Ölpreis hatte“, kündigt der OMV-Chef an. Gasreserven gebe es weltweit noch für geschätzt 200-400 Jahre, Öl noch rund 100 Jahre. Schlummernde Reserven noch gar nicht berücksichtigt, die mit neuen Technologien aufgefunden werden könnten.

„Restrukturierung in schwieriger Phase“
„2015 war die OMV in einer schwierigen Lage“, erinnert sich der OMV-Chef an seine Anfangszeit an der Spitze des Unternehmens. „Es war wichtig, transparent zu machen, warum wir ein starkes Kostensenkungsprogramm fahren. Das ist auch bei unseren Mitarbeitern angekommen“, so Seele. Der neue Vorstand sei ein gutes Team und rudere in eine Richtung.

Erste Regierung, die Engagement zeigt
Der OMV-Boss erklärte „überzeugte Europäer“ mit dem Headquarter-Standort Österreich zu sein. „Wir haben zuletzt sehr viel Unterstützung von der Bundesregierung bekommen.“ Ein Interesse und Engagement, das er bei den vergangenen Regierungen stark vermisst hat. Er zeigt auch Verständnis für die Republik als Miteigentümer der OMV und für den Schritt zur neuen Staatsholding ÖBAG: „Es ist nachvollziehbar, dass sich ein Hauptaktionär mit einer Beteiligung von 31,5 Prozent ins Unternehmen einbringen will – und diese direkte Begleitung des Unternehmens ist auch im Interesse des Staates. Die neue Struktur der ÖBAG macht die Abstimmung mit dem Aktionär wieder einfacher.“

Russland und Mittlerer Osten: Die günstigsten Produktionsländer
Derzeit gebe es zwei Regionen in der Welt, in denen die OMV günstig produzieren könne: Russland und der Mittlere Osten. „Die Kosten liegen dort ungefähr bei einem Zehntel dessen, was man in der Nordsee aufwenden muss. Deshalb haben wir dort Fuß gefasst und dafür nicht profitable Zweige abstoßen.“
Dabei seien ihm seine guten Kontakte nach Russland und Abu Dhabi aus der früheren Tätigkeit zugute gekommen. „Mit diesem Einstieg in Regionen mit großen Öl- und Gasfeldern ist die OMV heute komfortabel aufgestellt. Und das Geschäft wollen wir noch intensivieren“, kündigt Seele an. Grundsätzlich gelte es dort Anlagen aufbauen, wo die günstigen Rohstoffquellen sind und das Investitionsrisiko gering ist.“

Als Erfolgsmodell – speziell in Abu Dhabi – bezeichnet Seele dabei den Borealis-Konzern, an dem die OMV zu 36 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wien setzt auf Höherveredelung von Mineralölprodukten – ein Weg, den auch die OMV intensivieren will.

Asien als Wachstumsmarkt
Seele setzt jedoch beim Absatz seiner Produkte auch auf Asien. „Wir machen zwar 80 Prozent unseres Geschäftes in Europa. Das hat den Vorteil, dass die Kunden hier im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt auch zahlen.“ Durch die Veränderung der europäischen Märkte sei das Wachstum aber begrenzt. Langfristig werde der verstärkte Absatz von Elektrofahrzeugen auch den Absatz bei Mineralölprodukten schmälern. Noch brummt das Geschäft bei Diesel und Benzin aber. „In Asien sehen wir dagegen alle unsere Produktgruppen große Wachstumschancen.

Plastikmüll soll genutzt werden
Beim Engagement in erneuerbare Energien zeigt sich Seele zurückhaltend. „Solarpanels oder Windräder bauen? Das können andere besser als wir.“ Sehr wohl aber werde die OMV auf Technologieentwicklung setzen, wenn es etwa um die Nutzung von Abfällen wie Plastikmüll geht. Herausforderungen dabei sind die Verfügbarkeit und Reinheit des Rohstoffes Plastik. Auch die Wasserstofftechnologie sei ein interessantes Investitionsfeld für die OMV.

Tankstelle: Neben Sprit auch Post- und Bankgeschäfte erledigen
Was den Trend zur E-Mobilität betrifft, so kündigt Seele Investitionen in die Infrastruktur an. Sein Ziel sind Full Service-Tankstellen, die neben Diesel und Benzin künftig auch (zugekauften) Strom bieten. Generell möchte er die Tankstellen künftig zu Dienstleistungszentren ausbauen, die etwa auch Post- oder Bankdienstleistungen bieten.

„Aktienkurs noch nicht dort, wo er hingehört“
Den aktuellen Aktienkurs der OMV findet Seele – trotz Aufwärtstrend – „noch nicht prickelnd. Wir haben ein absolutes Ausnahmejahr hinter uns mit interessanten Milliardenakquisitionen und den Erfolgen aus dem Kostensenkungsprogramm. Trotzdem ist der Kurs noch nicht dort, wo ich ihn haben will.“ Zu Jahresbeginn 2018 lag die Aktie bei 55 Euro, derzeit bei 49. Er sei jedoch optimistisch, dass die gute Performance der OMV mit deutlich höherer Rentabilität und Produktion auch bei den Aktionären ankommen werde.

Prominente Gäste
Mehr als 90 Gäste folgten der Einladung des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens TPA ins Wiener Park Hyatt Hotel, um OMV-CEO Rainer Seele Ausführungen zu hören. Unter den Gästen von „Face to Face" waren Sophie Karmasin, Geschäftsführerin von Karmasin Research, Walter Kreisel, CEO Kreisel Systems; Martin Lenikus, Chef vo Lenikus GmbH; Felix Prändl, Partner BKP Rechtsanwälte; Günther Rabensteiner, Vorstand Verbund AG, Ernst Vejdovszky, Vorstandsvorsitzender S Immo AG und Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds.

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