Olympia: Eingestürzte Neubauten und leere Staatskasse in Brasilien

Olympia: Eingestürzte Neubauten und leere Staatskasse in Brasilien

Staatschefin Dilma Rousseff droht der Amtsverlust.

Als Rio de Janeiro 2009 das Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele gewann, war Brasilien ein ekstatisches, Samba tanzendes Wirtschaftswunder. Nun, hundert Tage vor dem Beginn des Sportereignisses in der Metropole, häufen sich die Probleme: Es fehlt an Geld, Zeit und Sicherheit, das grassierende Zika-Virus bereitet Sorge - und zu allem Überfluss steckt das Land in einer politischen Krise.

Zu den Olympischen Spielen vom 5. bis zum 21. August werden 10.500 Athleten aus 206 Ländern und 450.000 Touristen in Rio erwartet. Der brasilianischen Regierung zufolge sind die Sportstätten zu 98 Prozent fertiggestellt, der Chef des Olympischen Komitees, Thomas Bach, versprach schon jetzt "exzellente Spiele".

Doch die Kehrseite der Olympischen Medaille sind unerfreuliche Zahlen: Seit 2013 starben auf Rios Olympia-Baustellen mindestens elf Menschen, allein die Erweiterung der U-Bahn kostete drei Arbeitern das Leben. Die neue U-Bahn-Linie soll das Touristenzentrum Ipanema mit dem Westen von Rio verbinden, dem Zentrum der Spiele. Ob der geplante Eröffnungstermin am 1. Juli zu halten ist, steht allerdings in den Sternen.

Nahezu symbolisch für das Chaos in Rios Verkehrssystem ist auch der Einsturz einer für Olympia errichteten Fahrradbrücke an der Küste: Das 11 Mio. Euro teure Projekt war gerade drei Monate fertig, als es den riesigen Atlantikwellen nicht standhielt. Mindestens zwei Menschen starben.

Das Versprechen, Rios veraltetes Verkehrsnetz zu modernisieren, sollte die Bewohner, die sich täglich durch die verstopften Straßen zur Arbeit quälen, von Olympia überzeugen. Am Ende der Bauarbeiten sollten 63 Prozent der zwölf Millionen Menschen in der Metropolregion ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen sein - vor sieben Jahren waren es 18 Prozent.

Brasilanische Wirtschaft bricht heuer ein

Regierung und Verkehrsbehörden versprühen Optimismus, dass alles bis Anfang August fertig ist, doch die Bevölkerung ist skeptisch. Sieben Jahre nach dem Jubel über den Zuschlag für Olympia steckt Brasiliens Wirtschaft in der Krise, heuer dürfte diese um 3,8 Prozent einbrechen. Die Arbeitslosenquote liegt bei über zehn Prozent und Brasiliens Kreditwürdigkeit dümpelt am unteren Rand der Skalen herum.

Das Geld ist derzeit so knapp, dass der Bundesstaat Rio de Janeiro seine Angestellten nicht pünktlich bezahlen kann. Die Olympia-Organisatoren sparen an allem - von der Druckertinte bis zur Stadionbestuhlung. Ein Problem sind auch das Abwasser und der Müll in der Bucht, in der die Segel- und Windsurfing-Wettkämpfe stattfinden. "Es ist sehr schmutzig dort", sagte der Hongkonger Windsurfer Lee Lai Shan, selbst Goldmedaillenträger. "Und wenn Du krank wirst, ist es vorbei."

Vier Morde pro Tag

Da ist es fast schon das kleinere Problem, dass die Spiele möglicherweise nicht von Präsidentin Dilma Rousseff, sondern von ihrem Stellvertreter Michel Temer im Maracana-Stadion eröffnet werden. Der Staatschefin droht der Amtsverlust. Sollte es zu einem Amtsenthebungsverfahren kommen, könnten Straßenproteste zusätzliche Unruhe bringen.

Und dann wäre da noch die Sicherheit der Athleten und Besucher. In der Stadt, in der täglich im Schnitt vier Morde begangen werden, sollen 85.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz sein - doppelt so viele wie bei den Olympischen Spielen in London 2012. Nicht zuletzt sind die Menschen angehalten, sich vor Mücken zu schützen, die das Zika-Virus übertragen können. Es kann grippeähnliche Symptome auslösen und gilt als gefährlich für Schwangere.

Doch Brasilien wäre nicht Brasilien, würden Optimismus und Lebensfreude nicht zuletzt sterben. Die "Liebe" und Lust der Brasilianer, eine "gute Party zu schmeißen", werde sich letztlich durchsetzen, sagt der in Brasilien geborene US-Wasserballsportler Tony Azevedo. Er ist überzeugt, dass die Spiele für Brasilien das Zeug zum "Wendepunkt in der Geschichte" des Landes haben.

Wirtschaft

Energieversorgern pfeift neuer Wind um die Ohren

Wirtschaft

KV-Verhandlungen: AUA-Angebot ist für Betriebsrat eine "Frechheit"

Easyjet startet im Jänner in Berlin Tegel

Wirtschaft

Easyjet startet im Jänner in Berlin Tegel