Oliver Zipse wird neuer BMW-Konzernchef

Oliver Zipse wird neuer BMW-Konzernchef

Oliver Zipse, derzeit Produtktionsvorstand bei BMW, könnte bei BMW nun in die pole position aufsteigen.

Olvier Zipse übernimmt den Chefsessel bei BMW von Harald Krüger. Der bisherige Produktionsvorstand steigt am 16. August zum Vorstandschef der BMW AG auf.

Kurz nachdem BMW-Chef Harald Krüger überraschend seinen Rückzug für 2020 angekündigt hatte, wurde bereits über seinen Nachfolger spekuliert. Oliver Zipse wurde danbei sofort als Top-Kandidat für den Chefsessel beim bayrischen Autobauer gehandelt. Krüger hatte zuletzt wenig Fortune. Nun ist es fix: Zipse, bisher Produktionsvorstand bei BMW, wird den Chefsessel übernehmen und am 16. August zum Vorstandschef aufsteigen. Der Aufsichtsrat hat den entsprechenden Beschluss bereits getroffen.

Krüger also früher als geplant von der Kommandobrücke sowie aus dem Unternehmen ausscheiden. "Im beiderseitigen Einvernehmen", heißt es, wird er am 15. August 2019 sein Amt als Vorstandsvorsitzender niederlegen und aus dem Vorstand ausscheiden. Krügers Vertrag war eigentlich noch bis Ende April 2020 datiert.

Der neue BMW-Chef Zipse (55) ist seit 2015 Mitglied des BMW-Vorstands. Der Heidelberger ist ein BMW-Eigengewächs. Er hatte nach dem Abitur in Deutschland Informatik und Mathematik in Salt Lake City studiert. Danach setzte er sein Studium in Maschinenbau an der TU Darmstadt fort. Als Diplomingenieur begann seine berufliche Laufbahn 1991 als Trainee bei BMW, seither war er in verschiedenen leitenden Funktionen tätig, unter anderem als Leiter des Werks Oxford sowie Leiter Konzernplanung und Produktstrategie.

Ein knallharter Manager

Zipse gilt anders als der stets um Konsens bemühte Krüger als knallharter Manager, der auch einmal seine Ellenbogen ausfährt und zeigt, wo es lang geht. Dem Manager mit dem Schmiss auf der Oberlippe wird zudem nachgesagt, dass er keinem Konflikt aus dem Wege geht. Er gilt als besonders entscheidungs- und umsetzungsstark. Unter seiner Leitung als Produktionschef hat er die Produktion danach ausgerichtet, dass alle Werke jedes Auto bauen können - vom Verbrennungsmotor über Hybrid bis zum Auto mit Stromantrieb.

Harald Krüger wird nach Ablauf seines Vertrages im April 2020 bei BMW ausscheiden.

Der Kurs der BMW-Aktie [ISIN DE0005190003] hat sich nach Krügers Rückzügserklärung erholt. Die BMW-Aktie hat im Verlauf der vergangenen Woche über 2,2 Prozent zulegen können. Gegenüber dem Vortag konnten die Papiere im Verlauf des heutigen Handelstages nochmals um 1,2 Prozent auf 66,97 Euro zulegen.

Krügers Abschied

"Nach über zehn Jahren im Vorstand, davon mehr als vier Jahre als Vorstandschef der BMW Group, will ich mich nun beruflich neu orientieren", erklärte Krüger, dessen Zukunft bei BMW schon seit einigen Wochen in Frage stand. Kritiker warfen ihm Zaghaftigkeit bei der Ausrichtung des Konzerns auf künftige Aufgaben vor.

Der 53-jährige Maschinenbauingenieur war seit 1992 im Konzern. Krüger hatte im Mai 2015 das Rennen um den Chefposten gegen den damaligen BMW-Einkaufsvorstand und heutigen VW-Konzernchef Herbert Diess für sich entschieden. Damals gerade weil er als Teamplayer galt und den Rückhalt bei den Großaktionären der Erbenfamilie Quandt hatte.

Krüger musste in seiner Amtszeit 2016 die Führung im weltweiten Verkauf von Premiumautos an den Erzrivalen Mercedes-Benz abgeben, die sein Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, erobert hatte. Derzeit befindet sich BMW allerdings dank neuer SUV-Modelle und insbesondere in China und den USA mit den Verkaufszahlen wieder im Aufwind. 2020 wollte Krüger wieder vor Mercedes-Benz liegen.

"Harald Krüger hat über ein Vierteljahrhundert für die BMW Group in den verschiedensten Funktionen mit großer Leidenschaft wichtige Akzente gesetzt", sagte Reithofer, heute Aufsichtsratschef. Krüger habe die Bedeutung strategischer Kooperationen im Konzern gestärkt, hieß es vom Unternehmen. Dazu gehört das Zusammengehen mit Daimler bei Mobilitätsdiensten wie Carsharing und Fahrtenvermittlung, aber auch die gemeinsame Forschung an Technologie für das autonome Fahren mit den Stuttgartern. Auf diesem Gebiet hat BMW auch eine Allianz mit dem US-Tech-Konzern Intel und der Softwarefirma Mobileye.

Zuletzt bekam Krüger von den eigenen Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai allerdings ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Vergangenes Jahr verfehlte BMW in seinem Kerngeschäft erstmals seit der Finanzkrise die Renditeziele. Auch, weil viel Geld in Elektroantriebe und neue Modelle gesteckt worden war. Die Folge waren ein Gewinneinbruch und eine Kürzung der Dividende. Auch heuer wird das mittelfristige Ziel aller Voraussicht nach nicht erreicht. Zusätzlich musste der Konzern zuletzt eine Rückstellung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro bilden, um für eine mögliche Kartellstrafe durch die Europäische Kommission gewappnet zu sein

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