„Die Zeit der ORF-Gebührenerhöhungen ist vorbei“

ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz

ÖVP-Mediensprecher Blümel erteilt ORF-General Wrabetz eine Abfuhr.

Bei einer Diskussion im Wiener Management Club zwischen Schlüsselvertretern des Medienstandorts erteilte ÖVP-Mediensprecher Gernot Blümel dem ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eine Abfuhr: Eine jährliche Valorisierung der ORF-Gebühren werde es nicht geben.

Die Diskussion zum Thema „Medienstandort Österreich. Heimische Medien in ausländischer Hand" am 3. Oktober im Management Club war voller Spitzen, obwohl sich Markus Breitenecker (Geschäftsführer ProSiebenSat.1-Puls 4 Gruppe), Alexander Wrabetz (ORF-Generaldirektor), VÖZ-Generalsekretär Thomas Kralinger und ÖVP-Mediensprecher Gernot Blümel bemühten, die Gemeinsamkeiten hervorzukehren. So registrierte Blümel, dass in den letzten Jahren der Wille zur Kooperation im Angesicht der Konkurrenten aus dem Silicon Valley wie Google, Facebook oder Netflix deutlich stärker geworden sei. Wrabetz warb zum wiederholten Mal für eine gemeinsame Werbeplattform, ebenso wie Breitenecker für seine Idee einer gemeinsamen Streamingplattform. Als ein Argument, warum auch eine europäische Konkurrenz für Facebook, Twitter & Co. notwendig sei, nannte der Puls-4-Chef mit Blick auf Wrabetz übrigens die „Zeit, die deine und meine Top-Journalisten in ihrer von uns teuer bezahlten Arbeitszeit auf diesen Plattformen verbringen.“

Doch Wrabetz ließ es sich nicht nehmen, auch die Unterschiede genüsslich zu referieren. Was lokale Wertschöpfung betrifft, so der ORF-Boss, liege Google in Österreich bei zwei bis drei Prozent, Werbefenster ohne Österreich-Content wie jenes der RTL-Gruppe bei zehn Prozent, die ProSiebenSat.1-Puls4-Gruppe bei 25 Prozent – jene des ORF aber bei 85 Prozent.
Kurier-Geschäftsführer Kralinger vermisste mit Seitenblick auf seinen Sitznachbarn Blümel „einen echten Antrieb der Medienpolitik.“

ORF-Gebühren: Kommt Kurz, bleibt der Deckel drauf

Genau dafür will der Wiener ÖVP-Chef in der nächsten Legislaturperiode sorgen. Dem Wunsch des ORF, die GIS-Gebühren jährlich zu valorisieren, erteilt er eine klare Absage. Unter einer Kurz-Regierung, so lässt Blümel anklingen, werde auf absehbare Zeit der Deckel draufgehalten, um den Spardruck im größten Medienunternahmen weiter zu erhöhen: „Die Zeit der ORF-Gebührenerhöhungen ist vorbei.“ Eine Haushaltsabgabe sei ebenfalls keine Option für seine Partei: „Generell wollen wir die Abgabenquote in Österreich senken, dazu gehört eben auch, dass wir keine neuen Steuern einführen wollen. Eine Haushaltsabgabe wäre eine neue Steuer.“

Am Ende warf Markus Breitenecker sogar ein theatralisches Küsschen in Richtung Alexander Wrabetz. Der ORF-Chef, am anderen Ende des Podiums postiert, hatte eben einige positive Details zu den Aktivitäten von Breiteneckers ProSiebenSat.1-Puls 4 Gruppe in Österreich vermerkt. Doch schon einige Sekunden später war Breitenecker wieder ernüchtert. „Wenn du in zwei Jahren die Nachfolge eures Konzernchefs Thomas Ebeling in München antrittst“, warf ihm Wrabetz zu, „wer weiß, ob dann dein Nachfolger in Wien sich noch an das erinnert, was du getan hast?“

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