Österreichs Zahlungsmoral hoch - Bund und Land sind Spätzahler

Österreichs Zahlungsmoral hoch - Bund und Land sind Spätzahler

Jeder Fünfte zahlt seine Rechnungen zu spät. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) stellt Österreichs Konsumenten und Unternehmen ein gutes Zeugnis für die Zahlungsmoral aus. Einzig: Bund und Länder könnten ihre Rechnungen früher begleichen.

Geht's ums Zahlen von Rechnungen, ist Österreich im Europavergleich recht gut aufgestellt. Die Mehrheit der Privatpersonen und Unternehmen zahlt ihre Rechnungen innerhalb vereinbarter Zahlungsziele. Das heißt: 80 Prozent zahlen pünktlich, 20 Prozent der Rechnungen werden verspätet beglichen trotz weiterhin guter Geschäftslage. Und obwohl sich gegenüber dem Vorjahr das Zahlungsziel um einen auf 24 Tage erhöht hat.

Gegenüber dem Vorjahr habe sich laut KSV-Umfrage "Austrian Business Check" die Zahlungsmoral bei den Privatpersonen sogar noch verbessert. 87,4 Prozent der Privatpersonen zahlen demnach pünktlich. Der Zahlungsverzug beläuft sich hierbei bei einem Tag, im Vorjahr waren es noch drei. Die durchschnittliche Zahlungsdauer hat sich ebenso verbessert. 2019 wurden die Rechnungen im Schnitt nach 15 Tagen beglichen, 2018 waren es noch 17 Tage.

Auch Unternehmen halten es mit der Begleichung ihre Schulden genau und liegen meist in der vereinbarten Zahlungsfirt. Im Schnitt sind Unternehmer fünf Tage im Verzug. Im Schnitt zahlen die Unternehmen ihre Rechnungen nach 29 Tagen. Die EU schreibt 30 Tage vor.

Anders sieht die Zahlungsmoral bei Gemeinden, Bund und Länder aus, die ihre Rechnungen zwischen zwei und drei Wochen später bezahlen als Privatpersonen. "Bund und Länder sind ein mächtiges Gegenüber", meint Ricardo-José Vybiral, Chef des Kreditschutzverbandes KSV1870. Was sich aber auch in den Zahlungszielen sowie bei Mahnungen niederschlägt. Unternehmen gewähren gegenüber dem öffentlichen Sektor aber auch großzügigere Zahlungsfristen. So lassen sich Gemeinden 29, Bund und Länder im Schnitt 36 Tage Zeit um ihre Rechnungen zu begleichen.

Und dennoch ist die Zahlungsmoral in Österreich hoch. Einerseits ist dies auf die sehr gute Wirtschaftslage zurückzuführen und auch auf die "generelle Kultur des Zahlens", betont Walter Koch, Chef des KSV-Forderungsmanagements. Andererseits gibt es auch das Bewusstsein, dass "Nichtbezahlen kostet". Ein Großteil derjenigen, die verspätet zahlen, reizen aber die komplette Bandbreite aus und warten "auf die letzte Mahnung", sagt Koch. Bei anderen säumigen Zahlern sei die Verspätung auf "Bequemlichkeit" zurückzuführen.

Laut KSV-Umfrage nennen Privatpersonen die Vergesslichkeit (59 Prozent) als Hauptgrund, eine ausständige Rechnung nicht zu bezahlen. Aber auch Liquiditätsengpässe (44 Prozent), Vorsatz (30 Prozent) oder Überschuldung (22 Prozent) sind Hauptgründe, die Zahlungen zurückzuhalten.

Trotz Zahlungserinnerung und Mahnungen werden unterm Strich von Privatpersonen aber dennoch 1,9 Millionen Rechnungen in der Höhe von insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Österreich nicht bezahlt. Bei Unternehmen wird der Forderungsverlust auf 1,7 Prozent des Umsatzes beziffert. Der KSV hat im Jahr 2018 als Inkasso 42,5 Millionen Euro für die Unternehmen wieder eingetrieben.

Das Thema Zahlungsausfälle bei den Unternehmen weiterhin ein Top-Thema. Für über ein Viertel (27 Prozent) der vom KSV befragten Unternehmen bedeuten Zahlungsausfälle die "größte Gefahr" für das Unternehmen.

Für das Jahr 2019 zeichnet sich bereits eine Trendumkehr ab. Soll heißen: Die Zahlungsmoral könnte sich aufgrund der wirtschaftlichen Lage wieder etwas verschlechtern. Laut KSV-Umfrage sind demnach fast 18 Prozent von 1.000 befragten Unternehmen überzeugt, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtern wird. Vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent.

KSV-Chef Vybiral sieht das differenzierter. Immerhin sei die Eigenkapitalquote der österreichischen Unternehmen weiterhin gestiegen. Ebenso habe das Geschäftsvolumen sich verbessert, so dass eine Krise von den Unternehmen wesentlich einfacher gemeistert werden könnte als nach der Finanzkrise 2008. "Die Guten werden besser, die Schlechten weniger", meint KSV-Chef Vybiral. Demnach beurteilen die Unternehmen auch weiterhin solide und optimistisch. Aktuell beurteilen 68 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage als sehr gut oder gut, nur 6 Prozent als mangelhaft oder ungenügend.

Auf dem Stockerl

Bei der Zahlungsmoral im internationalen Vergleich kann sich Österreich in der Spitze weiterhin etablieren. 29 Tage durchschnittliche Zahlungsdauer für Rechnungen bedeuten Rang zwei hinter Deutschland (32 Tage). In Dänemark (32 Tage), Schweden (34) und Großbritannien (35) werden Rechnungen schnell beglichen.

In Italien hingehen nimmt man Zahlungsfristen noch immer nicht so genau: die durchschnittliche Zahlungsdauer beträgt 74 Tage. Wobei Italien auch hier leichte Fortschritt erzielt. "vor gut zehn Jahren" war das Zahlungsziel bei rund 100 Tagen. Etwas besser ist Griechenland, das trotz größter wirtschaftlicher Turbulenzen auf eine durchschnittliche Zahlungsfrist von auf 61 Tagen kommt.

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