Österreichs Wirtschaft verliert wieder an Schwung

Österreichs Wirtschaft verliert wieder an Schwung

Die Wirtschaft verliert nach dem Sommer wieder an Schwung: Bank Austria Konjunkturindikator sinkt im August auf 0,8 Punkte. Trotz der leichten Abschwächung gibt es aber ein recht solides Wachstumstempo.

Die Konjunktur in Österreich verliert an Schwung. Nach der leichten Belebung über den Sommer zeigt die Wirtschaft nun Anzeichen einer leichten Wachstumsverlangsamung. Der Bank Austria Konjunkturindikator ist nach drei Zuwächsen in Folge im August geringfügig gesunken. "Mit aktuell 0,8 Punkten weist der Indikator auf ein Anhalten der Erholung hin, aber mit etwas weniger Tempo als in den vergangenen Monaten“, meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Ursache dafür dürften unter anderem erste Zeichen der Verunsicherung durch die Brexit-Entscheidung in Großbritannien sein. „Die Verschlechterung der Stimmung unter den europäischen Handelspartnern der heimischen Industrie hat den Konjunkturindikator nach unten gezogen. Das deutet auf erste negative Auswirkungen des bevorstehenden Austritts der Briten aus der EU hin“, meint Bruckbauer.

Die jüngsten Außenhandels- und Industriedaten haben in vielen EU-Ländern enttäuscht. Die spürbare Verschlechterung der Industriestimmung in den wichtigsten Handelspartnerländern Österreichs, vor allem auch in Deutschland, widerspiegelt die schwächeren realen Wirtschaftszahlen.

Deutschland schwächelt

Die Deutsche Wirtschaft schaltet zumindest vorübergehend einen Gang zurück. Laut der aktuellen Konjunkturprognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr nach einem unerwartet kräftigen Jahresauftakt zwar noch um voraussichtlich 1,9 Prozent zunehmen. Im Winterhalbjahr dürfte dann aber das Brexit-Votum seine Spuren hinterlassen und das deutsche Wirtschaftswachstum belasten. Auch deshalb wird die deutsche Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um lediglich 1,0 Prozent zunehmen. Außerdem macht sich bemerkbar, dass es im kommenden Jahr drei Arbeitstage weniger gibt als in diesem Jahr – dies allein dämpft das Wachstum um vier Zehntel-Prozentpunkte.

„Insbesondere in Ländern mit einer hohen britischen Außenhandelstangente nehmen die Sorgen der Industrie zu, während sich die Stimmung in der heimischen Industrie gestützt auf die solide heimische Nachfrage vorerst sogar noch etwas verbessert hat. Die Zuversicht der Konsumenten in Österreich ist dagegen im August wieder etwas zurückgegangen“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Gutes Wachstumstempo

Trotz der Abschwächung weist der Bank Austria Konjunkturindikator aber auf ein recht solides Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft hin. Nach dem verhaltenen Frühjahr hat sich im Sommer die Konjunktur belebt. Im dritten Quartal hat das Wirtschaftswachstum die schwache Dynamik des Vorquartals übertroffen. Mit dem starken Start ins Jahr und den guten Sommermonaten in der Hinterhand rechnen die Ban Austria Ökonomen weiter mit einem Anstieg des BIP im Gesamtjahr 2016 von 1,5 Prozent.

Abhängig von der zeitlichen Umsetzung des Brexit und der Ausgestaltung der Verhandlungslösung wird allerdings das Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 spürbar belastet werden. Der Brexit dürfte aber überschaubare Folgen für die österreichische Wirtschaft haben. Der BIP-Anstieg für das Gesamtjahr 2017 wird mit 1,1 Prozent jedoch geringer als im laufenden Jahr ausfallen. Neben dem Außenhandel wird vor allem die Investitionstätigkeit in Mitleidenschaft gezogen werden. Das wird auch den Aufwärtstrend beim Konsum in Österreich etwas dämpfen.


Österreichs Konjunkturprognose
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Wirtschaftswachstum (real, Vdg. z. VJ) 1,9 2,8 0,7 0,1 0,6 1,0 1,5 1,1
Privater Konsum (real, Vdg. z. VJ in %) 1,0 1,3 0,5 -0,1 -0,3 0,0 1,3 1,1
Investitionen (real, Vdg. z. VJ in %) -2,1 6,7 1,4 2,2 -0,9 0,7 3,3 2,6
Arbeitslosenquote (nationale Definition) 6,9 6,7 7,0 7,6 8,4 9,1 9,2 9,5
Beschäftigung (Vdg. z. VJ in %) 0,8 1,9 1,4 0,6 0,7 1,0 1,1 0,5
Öff. Haushaltssaldo (in % des BIP) -4,4 -2,6 -2,2 -1,3 -2,7 -1,1 -1,7 -1,3
Öff. Verschuldung (in % des BIP) 82,4 82,2 81,6 80,9 84,0 85,5 85,2 84,1
Quelle: Bank Austria Economics

Stärkstes Konsumwachstum seit zehn Jahren

Die Inflation betrug in den ersten neun Monaten in Österreich durchschnittlich nur 0,8 Prozent. Der erwartete spürbare Anstieg der Teuerung ab der Jahresmitte ist bisher nicht eingetroffen. Angesichts eines relativ stabilen Ölpreises von knapp 50 Dollar pro Barrel bis zum Jahresende wird nur ein Basiseffekt bedingt durch den starken Ölpreisrückgang im Vorjahr die Inflation im Herbst nach oben ziehen.

Bis zum Jahresende wird die Teuerung in Österreich knapp die 1-Prozent-Marke übersteigen, im Jahresdurchschnitt aber unter einem Prozent bleiben. „Der niedrige Ölpreis und die Steuerreform stützten den Konsum in Österreich und wir erwarten trotz der leichten Skepsis der Konsumenten das stärkste Konsumwachstum seit zehn Jahren“, meint Bruckbauer.

Trotzdem bleibt das Konsumwachstum auch 2016 deutlich hinter den Zuwächsen von vor der Krise zurück, vor allem wenn man die stark steigende Bevölkerung mitberücksichtigt. Auch wenn die Inflation in Österreich im Jahresdurchschnitt 2016 unter einem Prozent bleiben wird, wird sie erneut – das achte Jahr in Folge – über dem Vergleichswert für die Eurozone von voraussichtlich 0,2 Prozent liegen. Im direkten Vergleich sind im laufenden Jahr vor allem die stärkeren Preisanstiege für Wohnen und im Tourismus für die Differenz maßgeblich, die sich seit 2009 auf insgesamt bereits 4,5 Prozentpunkte summiert hat.

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