Österreichs Wirtschaft heißt Flüchtlinge willkommen

Österreichs Wirtschaft heißt Flüchtlinge willkommen

Immer mehr Betriebe in Österreich wollen Flüchtlinge einstellen. 85 Prozent der österreichischen Betriebe würden Flüchtlinge mit Arbeitsberechtigung beschäftigen, mehr als die Hälfte sogar unabhängig vom Asylstatus. Das sind mehr als noch vor einem Jahr. Bereits jedes neunte Unternehmen beschäftigt zumindest einen Flüchtling.

Während Innenminister Wolfgang Sobotka laut über eine Halbierung der Flüchtlingsquoten nachdenkt und sich sogar monatliche Beschränkungen vorstellen kann, heißt die heimische Wirtschaft weiterhin gerne Flüchtlinge willkommen. Der Großteil der österreichischen Betriebe ist bereit, Flüchtlinge mit Arbeitsberechtigung beschäftigen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen würde diese sogar unabhängig vom aktuellen Asylstatus beschäftigen.

Knapp 89.000 Menschen haben den offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Inneres im Jahr 2015 in Österreich um Asyl angesucht. Im Jahr 2016 waren es nur noch weniger als halb so viele. Etwas mehr als 42.000 Asylanträge wurden im vergangenen Jahr in Österreich gestellt.

Der Grad der Arbeitslosigkeit unter den anerkannten Flüchtlingen ist hoch. Aktuell sind fast 28.000 Asylberechtigte aus Nicht-EU-Ländern beim Arbeitsmarktservice als arbeitssuchend gemeldet, und im Jahr 2017 wird diese Zahl allen Prognosen zufolge weiter steigen. Die Ursache dafür ist vor allem darin zu finden, dass in der nächsten Zeit über zahlreiche Asylanträge entschieden wird. Die erfolgreiche Integration der anerkannten Flüchtlinge ist demnach eine der zentralen Herausforderungen, die der heimische Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren zu bewältigen hat.

Mittelstand als Triebfeder

Eine besondere Rolle kommt dabei den mittelständischen Unternehmen in Österreich zu. Denn Flüchtlinge sind, wie die EY-Befragung zeigt, als Arbeitskräfte im österreichischen Mittelstand gefragter denn je. Mehr als 33.000 mittelständische Betriebe wollen Flüchtlinge mit Arbeitsberechtigung anstellen, das sind etwa 85 Prozent. Die Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen ist damit gegenüber der vor einem Jahr, im Jänner 2016, durchgeführten Umfrage weiter gestiegen. Damals hatten sich 76 Prozent der Unternehmen dafür ausgesprochen.

Befeuert werden diese Überlegungen durch den seit dem Vorjahr weiter verschärften Fachkräftemangel: Momentan geben bereits drei von vier Unternehmen an, dass es schwer ist, geeignete Mitarbeiter für offene Stellen zu finden. Gleichzeitig will aber jedes dritte Unternehmen (29 Prozent) im nächsten Halbjahr zusätzliche Stellen schaffen. Fast zwei von drei mittelständischen Unternehmen in Österreich befürworten daher auch eine gesteuerte Zuwanderung nach Österreich, um gezielt Fachkräfte zu finden.

"Österreichs mittelständische Betriebe sehen in den neuen asylberechtigten Arbeitsmarktteilnehmern eine Chance, den immer drastischeren Arbeitskräftemangel auszugleichen", meint dazu Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich. Viele Betriebe suchen bereits händeringend nach Fachkräften für vakante Stellen.Entsprechend groß ist auch die Bereitschaft, Flüchtlinge anzustellen

4.300 Betriebe mit Flüchtlingen

Jedes neunte österreichische Mittelstandsunternehmen den EY-Berechnungen zufolge aktuell zumindest einen Flüchtling. Bei rund einem Viertel davon sind es sogar vier oder mehr. Die höchste Flüchtlingsquote in Unternehmen gibt es in Oberösterreich. Dort haben 16,7 Prozent der Betriebe einen oder mehrere Flüchtlinge angestellt. Dahinter folgen Unternehmen aus der Steiermark (14,6%) und Salzburg (12,4%). In Niederösterreich (4,2%), Kärnten (6,2%) und dem Burgenland (7,4%) finden sich hingegen in den wenigsten Unternehmen Flüchtlinge unter den Beschäftigten.

In Oberösterreichs Betrieben sind Flüchtlinge ganz allgemeinen besonders willkommen. Dort würden 93 Prozent der Betriebe Asylberechtigte anstellen. Dahinter folgen Salzburg und Wien (je 89%). Am wenigsten ausgeprägt ist die Bereitschaft, Flüchtlingen eine Stelle im eigenen Betrieb zu geben, bei Unternehmen in Kärnten (79%), Tirol (80%), der Steiermark und dem Burgenland (je 81%).

Ruf nach Integrationsmaßnahmen

Weiterhin kommt aus der Wirtschaft aber auch der Ruf nach gezielten Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen. Um gezielt Fachkräfte zu finden, sollten Flüchtlinge
einem Talente-Check unterzogen werden. Drei von fünf Unternehmen attestieren bei der Integration erhebliches Verbesserungspotenzial, jedes Dritte sogar starkes. Nur jedes fünfzigste Unternehmen bewertet die derzeitigen Maßnahmen positiv. Eine zügige Integration wäre dabei aus Sicht der Unternehmen besonders wichtig. „Für vier von fünf Unternehmen ist eine möglichst rasche Integration von asylberechtigten Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt eine absolute Notwendigkeit", erklärt Maukner das Ergebnis der EY-Befragung

Die größte Hürde bei der Einstellung von Flüchtlingen stellen die mangelnden Deutschkenntnisse dar. Mehr als die Hälfte der Befragten klagt jedoch auch über mangelnde Fachkenntnisse der potenziellen Arbeitskräfte. Ob unter den Flüchtlingen auch die dringend benötigten Fachkräfte zu finden sind, ist angesichts dieser Beurteilung daher eher fraglich. Als weitere Hindernisse bei der Beschäftigung von Flüchtlingen nennen Unternehmen den bürokratischen Aufwand und die unklare Gesetzeslage während der oft lange andauernden Asylverfahren, inklusive der stets drohenden Gefahr, dass die Mitarbeiter von einen Tag auf den anderen abgeschoben werden.

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