Österreichs KMU wollen mehr Flüchtlinge einstellen

Österreichs KMU wollen mehr Flüchtlinge einstellen

Neben Großunternehmen wollen immer mehr KMU Flüchtlinge einstellen, um den Mangel an Fachkräften auszugleichen. Lauter wird auch der Ruf nach gesteuerter Zuwanderung und Talente-Checks. Dabei stehen ihnen bürokratische Hürden ebenso wie mangelnde Sprachkenntnisse im Weg.

Schon im Sommer 2015 hatten namhafte österreichische Unternehmer gegenüber dem Magazin "Format" mitgeteilt, dass man zwar gerne Flüchtlinge als Arbeitnehmer einstellen würde, um den Fachkräftemangel ausgleichen würde, dies aber durch diverse politische und bürokraktische Hürden verhindert wird. Ihre Forderungen an die Politik verstärken die Manager nun, wie eine vom Beratungsunternehmen EY unter 900 mittelständischen Unternehmen durchgeführte Studie zeigt: Laut dem "EY Mittelstandsbarometer 2016" orten mehr als zwei Drittel (68%) Verbesserungspotenzial bei den Integrationsmaßnahmen, 42 Prozent sogar in „erheblichem“ Ausmaß. Nur jeder hundertste Unternehmensverantwortliche bezeichnet die derzeitigen Maßnahmen als „eher gut“, kein einziger als „sehr gut“.

Anlässlich der Flüchtlings-Jobmesse "Chancenreich" hat trend.at Österreichs Top-Manager über ihre Einstellung zu Flüchtlingen als Arbeitnehmer befragt. Klicken Sie sich durch die Slideshow, um alle Statements zu lesen.

Georg Pölzl, Generaldirektor Post AG

"Wir haben in der Österreichisches Post AG laufend Bedarf an neuen MitarbeiterInnen. Daher nehmen wir an den unterschiedlichsten Jobmessen teil und haben uns entschlossen, auch an der Flüchtlings-Jobmesse „Chancenreich“ teilzunehmen, um auch dort geeignete Kandidaten für unsere offenen Positionen zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass es darüber hinaus wichtig ist, den Menschen eine Chance zu geben. Derzeit bieten wir offene Stellen in der Vorsortierung, Zustellung bis zum IT Spezialisten, Controller und vieles mehr an."

Alois Huber, Geschäftsführer Spar Wien und Niederösterreich

"Wir sind ein Unternehmen, das keine Berührungsängste hat und aktiv beim Integrationsprozess junger Menschen helfen möchte. Richtig umgesetzt, bietet die Zuwanderung eine Chance, den Fachkräftemangel im Land auszugleichen."

Dabei sei eine zügige Integration aus Sicht der Befragten in Mittelstandsunternehmen besonders wichtig: Mehr als vier von fünf (83%) sprechen sich dafür aus, asylberechtigte Flüchtlinge so rasch wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nur jeder Sechste spricht sich „eher“ dagegen aus. Laut Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich, fordern Österreichs KMU fast geschlossen eine möglichst rasche und zielgerichtete Integration von asylberechtigten Flüchtlingen in den heimischen Arbeitsmarkt: "Gleichzeitig sind die derzeitigen Maßnahmen für einen Großteil der Unternehmen eindeutig unzureichend", sagt er: "Dadurch wird ihnen auch die Chance genommen, vakante Stellen durch qualifizierte asylberechtigte Personen zu besetzen." Für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration brauche es dringend gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Mehr Unternehmen wollen Flüchtlinge einstellen

Die überwiegende Mehrheit der heimischen Mittelstandsunternehmen würde Flüchtlinge mit offenen Armen in ihrem Betrieb empfangen – der ohnehin schon hohe Anteil ist im Vergleich zum Jahresbeginn nochmals gestiegen. Im Jänner 2016 gaben bereits 76 Prozent an, Flüchtlinge grundsätzlich in ihrem Unternehmen beschäftigen zu wollen. Mittlerweile sind es sogar 82 Prozent, die Flüchtlingen mit Arbeitsberechtigung eine Stelle geben würden. Das sind insgesamt mehr als 32.500 mittelständische Betriebe.

Besonders positiv gegenüber Flüchtlingen als Arbeitnehmern eingestellt sind Unternehmen aus der Industrie (84%) und aus den Bereichen Handel bzw. Dienstleistung (je 83%). Immerhin mehr als die Hälfte (56%) der Unternehmen würde Flüchtlingen sogar unabhängig von deren Asylstatus Arbeit geben. Gerade in Betrieben im Westen Österreichs wären Flüchtlinge besonders willkommen: In Vorarlberg (88,9%) und Tirol (87,8%) ist die Bereitschaft am größten, gefolgt von Wien (83,9%). Im Burgenland (74,7%) und der Steiermark (78,4%) ist die Zustimmung am wenigsten ausgeprägt.

Die Forderung der heimischen Unternehmen nach einer schnellen und erfolgreichen Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen ist nicht nur ein genereller Wunsch, sondern hat auch einen sehr konkreten wirtschaftlichen Hintergrund: Die überwiegende Mehrheit sieht in den neuen Arbeitsmarktteilnehmern eine Möglichkeit, den immer größer werdenden Fachkräftemangel auszugleichen. "In fast jedem zweiten Unternehmen können momentan – aufgrund eines Mangels an Bewerbern – freie Stellen nicht besetzt werden", sagt Maukner: "Wenn man es schafft, die richtigen Bewerber mit den richtigen Unternehmen zusammenzubringen, kann der Arbeitsmarkteintritt von asylberechtigten Flüchtlingen eine große Chance für die österreichische Wirtschaft sein.“

Unternehmer wünschen sich gesteuerte Zuwanderung

Immer mehr österreichische KMU-Manager äußern auch den Wunsch nach einer gesteuerten Zuwanderung: Diese befürworten insgesamt 70 Prozent der Unternehmen in Österreich – zu Jahresbeginn sprachen sich erst 55 Prozent dafür aus, den Fachkräftemangel durch gezielte Zuwanderung auszugleichen. Wie schon zu Jahresbeginn befürworten Unternehmen in Wien (77,1%) eine gesteuerte Zuwanderung am stärksten, gefolgt von Salzburg (75%) und Niederösterreich (73,9%). Am deutlich kritischsten sind Betriebe aus der Steiermark (59%).

Damit einher geht auch eine deutlich gestiegene Zustimmung zu systematischen „Talente-Checks“. Neun von zehn (90%) Unternehmen in Österreich befürworten die gezielte Erhebung von Qualifikationen unter Flüchtlingen, um Fachkräfte zu finden. Seit dem Jahresbeginn stieg dieser ohnehin schon hohe Anteil damit um 13 Prozentpunkte (77%) an. Besonders vehement ist der Ruf nach „Talente-Checks“ in der Bau- bzw. Energiebranche (93%). Nur jeder Zehnte (10%) hält wenig oder nichts von „Talente-Checks“, zu Jahresbeginn gab das noch fast jeder Vierte (23%) zu Protokoll. Die stärksten Befürworter kommen aus Oberösterreich (91,9%), Wien und Salzburg (je 91,8%).

Hindernisse: Sprache und Bürokratie

Als größte Hürde bei der Einstellung von Flüchtlingen nennen rund neun von zehn Unternehmen (89%) mangelnde Deutschkenntnisse – dieses Problem hat sich in den Augen der Befragten seit Jahresbeginn weiter verstärkt (76%). Ebenfalls problematisch sei aus Sicht von 55 Prozent der Befragten eine mangelnde Qualifikation von Flüchtlingen, zu Jahresbeginn sahen 45 Prozent das als Hindernis.

Viele mittelständische Unternehmen schrecken außerdem gesetzliche und bürokratische Hürden ab: 45 Prozent (Jahresbeginn 2016: 47%) nennen den hohen bürokratischen Aufwand bei der Einstellung von Flüchtlingen als Hindernis. 44 Prozent (Jahresbeginn 2016: 45%) sehen die unklare Gesetzeslage während laufender Asylverfahren als Problem.

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