Österreichs Familienbetriebe kämpfen um Fachkräfte

Österreichs Familienbetriebe kämpfen um Fachkräfte

Das Wachstum könnte für Familienunternehmen durch fehlende Facharbeiter schnell eingebremst werden.

Die heimischen Familienbetriebe sehen ihre wirtschaftliche Zukunft positiv. Große Probleme gibt es aber bei der Personalsuche. Qualifizierte Mitarbeiter sind rar. Jeder zweite Familienbetrieb hat Schwierigkeiten Fachkräfte zu finden.

Qualifizierte Mitarbeiter sind gefragt, aber wo sind sie zu finden - das ist die Frage, die sich vor allem den heimischen Familienbetrieben stellt. Vor allem in Zeiten des Wachstums ist die Sucher nach Fachkräften eine zentrale Frage. 43 Prozent der heimischen Familienunternehmen nennen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als ein großes Problem für das kommende Jahr, wie aus dem European Family Business Barometer, welches von European Family Businesses (EFB) und KPMG hervorgeht, der jährlich veröffentlicht wird.

Trotz Schwierigkeiten bei der Personalsuche haben 71 Prozent der befragten Unternehmen im abgelaufenen Jahr den Umsatz steigern können. Das Jahr 2017 sei dennoch "ein starkes Jahr". Die Hälfte der Unternehmen wollen ihren Gewinn wider ins Unternehmen investieren. Das Thema Recruiting bleibt jedoch das Top-Thema. Für 54 Prozent der Familienunternehmen ist das das Thema Nummer 1.

Zudem klagen die Unternehmer über steigende Lohnnebenkosten, die das zusätzlichen Druck bedeuten. Die Zukunft der EU mit den zum Teil bereits geäußerten protektionistischen Schranken macht den Unternehmern zusätzliche Sorgen.

Ein weiteres großes Thema ist die digitale Transformation. Branchenübergreifend wird das von den Unternehmen als eine der größten Herausforderungen angesehen. 46 Prozent der österreichischen Familienunternehmen halten sich bei diesem Thema für eher visionär und innovativ. Fast genauso viele - nämlich 44 Prozent - schätzen sich selbst noch eher als konservativ und passiv ein.

„Qualifizierte Mitarbeiter zu finden stellt für Familienunternehmen zunehmend eine der größten Herausforderungen dar", sagt Peter Humer, Partner bei KPMG Österreich. Die Nachfrage übersteigt derzeit das Angebot, was zu einer Kostensteigerung führe. "Es kommt nicht überraschend, dass sich Familienunternehmen eine Verbesserung der Arbeitsgesetze wünschen“ meint Humer.

Mehr Integration

Die Zukunft der EU ist für die Unternehmer ebenso ein Kernthema. Sorge bereitet den österreichischen Familienunternehmen die Unsicherheit im Hinblick auch die Gesetzesänderung, die sich negativ auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit auswirken könnten..

Angesichts vom umgreifenden Protektionismus und der politischen Regulierungen einiger Regierungen wünschen sich Unternehmer mehr Integration (Österreich 85 Prozent/Europa 56 Prozent) sowie Gesetze zum Abbau bürokratischer Hürden (Österreich 44 Prozent/Europa 33 Prozent), niedrigere Steuern (Österreich 21 Prozent/Europa 32 Prozent) und den erleichterten Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften (Österreich 46 Prozent/ Europa 39 Prozent). Gleichzeitig fordern die Unternehmer geringeren Lohnnebenkosten (Österreich 56 Prozent/Europa 27 Prozent)

Strategische Investitionen im Mittelpunkt

Der Mangel an Fachkräften macht die Unternehmer offenbar spendabel. Nur acht Prozent der befragten österreichischen Unternehmen wollen den Gewinn aus dem Unternehmen abziehen. Die übrigen Unternehmen setzen auf Investitionen in strategische Initiativen wie den Aufbau oder die Verbesserung von Infrastruktur, Produktion oder Marketing (52 Prozent) oder zusätzliche Arbeitskräfte (23 Prozent).

Doch Österreich steht damit nicht alleine da. Europaweit planen 47 Prozent der Familienunternehmen die Gewinne wieder ins Unternehmen zu investieren. 27 Prozent der Unternehmen wollen angesichts der wirtschaftlich positiven Entwicklung auch die Belegschaft aufstocken.

Der Wille zur Veränderung

Durchaus selbstbewusst sehen laut KPMG 76 Prozent der Befragten eine hohe Kompetenz für die bevorstehende Veränderung im eigenen Haus. Zwei Drittel (61 Prozent) sehen das eigene Unternehmen als proaktiven Vorreiter, wenn es darum geht, diverse Prozesse zu verbessern.

Wenn die digitale Transformation Kernkompetenzen, den direkten Kundenkontakt aber auch die IT Security betrifft, dann wollen die Unternehmen die erforderlichen Kompetenzen intern aufbauen. Darüber hinaus geht der Trend dahin benötigte Komponenten wie etwa Anwendungssoftware durch externe Zukäufe in das Unternehmen zu integrieren.

Neue Kooperationen

Um die Digitalisierung zu bewältigen, wollen sich Familienbetriebe auch gegenüber "dynamischen und flexible Start-ups" öffnen. Für drei von vier befragten heimischen Unternehmern (73 Prozent) ist hierbei eine Zusammenarbeit denkbar. Das heißt aber nicht, dass nun eine Kooperationswelle angeschoben wird. Viele Unternehmer stehen noch immer auf der Bremse. Nur 15 Prozent der österreichischen Familienunternehmer sind bereits Kooperationen eingegangen. Und nur acht Prozent der Befragten planen zukünftig Verbindungen einzugehen.

„Insgesamt zeigt das Barometer, dass sich die besseren wirtschaftlichen Bedingungen und die Investition in Innovationen für Österreichs Familienunternehmen auszahlen. Wenn es ihnen gelingt, die Herausforderungen zu meistern und geeignete Arbeitskräfte zu finden, sollte ihnen ihr Wachstum eine stark positive Zukunft eröffnen“ ist Yann-Georg Hansa, Partner KPMG Österreich, überzeugt.

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