Österreichs „Ausbildungsliga“: Der Kampf um Image, Zuschauer und Infrastruktur

Österreichs „Ausbildungsliga“: Der Kampf um Image, Zuschauer und Infrastruktur
Österreichs „Ausbildungsliga“: Der Kampf um Image, Zuschauer und Infrastruktur

Mit besserem Image zu mehr Erfolg.

Eine große Chance, die heimische Fußball-Bundesliga auch als Produkt auf die Zukunft vorzubereiten, wurde mit der Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft 2008 verpasst. Die Schweiz hingegen hat die Chance genutzt – sportlich und was das Image anbetrifft. Österreich will mit einer neuen Strategie durchstarten. Und vor allem Fans wieder in moderne Stadien holen.

Wien. Das Ziel ist ambitioniert: Österreichs Bundesliga will künftig im internationalen Fußball mitmischen. Probleme mit dem Image, knappe Budgets, Zuschauerschwund sowie veraltete Stadien, aber auch der Aderlass durch den Wegkauf von talentierten Spielern machen dem heimischen Top-Fußball besonders zu schaffen.

Die Bundesliga hat gemeinsam mit dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) die Zukunftsstrategie „Fußball-Bundesliga 2020“ ausgearbeitet, zu deren Eckpunkte die sportlichen Zielsetzungen, die wirtschaftliche Vision sowie die Infrastruktur zählen. Vorrangiges Top-Ziel sei ein fixer Startplatz in der Champions League. 25 Spieler sollen auf europäisches Top-Niveau gebracht werden. Drei große Baustellen machen der heimischen Bundesliga besonders zu schaffen: Der Zuschauerschwund, die Infrastruktur sowie das Image.

Mittelfristig will die Liga wieder 10.000 Zuschauer im Schnitt ins Stadion holen, was aufgrund des rückläufigen Interesses problematisch ist. In der Hinrunde der laufenden Saison zählten die zehn Bundesliga-Klubs bei den Matches im Schnitt gerade einmal 6.664 Zuschauer. „Wir haben aus der Euro 2008 zu wenig gemacht“, sagt Bundesliga-Präsident Hans Rinner im Hinblick auf die veralteten Stadien und den wirtschaftlichen Status Quo mit den angespannten Budgets. „Die Infrastruktur ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Fan fordert einen Komfort im Stadion – und da ist die Größe nicht entscheidend.“

Auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ortet Rinner große Versäumnisse. Außerdem würden Traditionsklubs wie der GAK, LASK oder auch Innsbruck fehlen. Dass man in Österreich heute vor „300, 800 oder 1000 Zuschauer“ spielt und das Image einer "Dorfliga" hat, habe man auch selbst zu mitzuverantworten. Dazu zählt auch die Tatsache, dass Dorfklubs mit der Unterstützung von Mäzenen schnell nach oben kommen, und auch bald wieder verschwinden, weil der Profibetrieb wirtschaftlich sich schwer finanzieren lässt.

„Wenn das Einzugsgebiet nicht groß genug ist, ist eine sinnvolle Vermarktung des Klubs nicht möglich“, meint Sportvermarkter Herwig Straka, Geschäftsführer emotion management. Straka plädiert für ein System nach US-Vorbild, wo finanziell solvente Klubs eine Antrittsgarantie bekommen - ungeachtet, ob der sportliche Erfolg die Teams auch qualifiziert. Auf Seiten der Bundesliga stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Das Kriterien sei einerseits der sportliche Erfolg. Andererseits seien auch Lizenzauflagen ein Auswahlkriterien dafür, ob ein Klub im Profifußball teilnehmen darf. Die Antrittsgarantie sei im übrigen ein Konzept, das bereits im Jahr 2000 diskutiert wurde, sagt Liga-Vorstand Christian Ebenbauer.

Im Gegensatz zu Österreich hat die Schweiz die Chance als Co-Ausrichter der EURO 2008 genutzt. Vier Stadien wurden zur Euro 2008 neu gebaut und drei Neubauten folgten direkt danach. Ein Stadion wird derzeit renoviert. „Man verdient nur mit einem modernen Stadion Geld im Fußball“, sagt Claudius Schäfer, CEO der Schweizer Liga. „Der Zuschauer muss ein Dach über dem Kopf haben, man muss ihm moderne Sitze bieten.“ Die Größe der Fußballarena sei nicht das entscheidende Kriterium.

Viel Facetten, ein Problem

Das Image-Problem des heimischen Fußballs hat viele Facetten. Und es ist nicht nur fehlende Komfort im Stadion, was am Image des Fußball nagt. Es sind auch die Sicherheitsbedenken. Nach einer Umfrage glauben rund 40 Prozent einer Umfrage, dass es massive Sicherheitsprobleme bei den Matches der heimischen Top-Liga gibt. Dies glauben vor allem Personen, die seit Jahren nicht mehr ins Stadion kommen.

Geht es um die Relevanz im internationalen Vergleich, sprechen viele Fußballfans gerne von „Operettenliga“ bis hin zu „Dorfklubliga“. ÖFB-Präsident Leo Windtner ortet ein massives Imageproblem der heimischen Liga: „Wenn man in Mittel- oder Westösterreich Bundesliga sagt, dann denken die meisten Leute daran die ARD am Samstag einzuschalten.“ Daher müsse die Österreichische Bundesliga als Marke neu positioniert werden.

„Wir wollen von der Operetten-Liga zum Vorbild werden“, meint Bundesliga-Vorstand Reinhard Herowits. Dazu brauchen wir Stabilität, Wachstum und ein positives Image. „Zu glauben, wir wollen im großen Reigen mitspielen, ist eine Illusion“, meint Bundesliga-Präsident Rinner. "Wir sind eine Ausbildungsliga“. Bis auf die Top-5-Ligen Europas seien alle anderen Fußballligen in derselben Situation wie Österreich. Wichtig sei, dass Österreich Spieler ausbilde, die übers Ausland dann wieder in der Nationalmannschaft zum Leistungsträger werden. „Und das müssen wird dann auch vom Image wieder runterbringen auf die Bundesliga“, so Rinner. Im internationalen Vergleich sei es freilich schwierig, talentierte Spieler in Österreich zu halten.

Die Qualität der Spieler

Dass es am Niveau der heimischen Liga fehlen könnte, will Ex-Fußballnationalspieler Herbert Prohaska nicht gelten lassen: „Die Spieler sind besser austrainiert als früher, sie sind schon in jungen Jahren Top-Athleten.“ Und auch bei den Trainern samt den Fußball-Akademien sieht Prohaska große Fortschritte und viel Qualität.

Ein großes Problem sei das Abwerben der Spieler schon aus den Jugendmannschaften, obwohl es für sei besser sei erst als „gefestigter 20-Jähriger“ ins Ausland zu wechseln. Da sind einerseits die europäischen Großklubs, denen es einfach gemacht wird für relativ geringe Beträge unzählige Spieler schon im Alter von 16 Jahren abzuwerben. „Die Großklubs haben bei der Verpflichtung von Jugendspielern kein Risiko. Sie kaufen einfach die 15-Jährigen und zahlen dafür 100.000 oder 150.000 Euro“. Prohaska fordert die derzeit gültige Ausbildungsvergütung deutlich anzuheben. Mindestens eine, besser zwei Millionen Euro Ablösesumme sollen Klubs für die Nachwuchskicker zahlen müssen. Prohaska: „Bei diesen Beträgen müssen auch die finanzstarken Klubs sich überlegen, ob sie nicht wahllos noch nicht bekannte Spieler kaufen.

Und eine wesentliche Rolle spielen auch die Spielervermittler. „Wenn ein Spielervermittler den Eltern sagt, ich mache euch zum Millionär, dann ist ein junger Spieler weg“, so Prohaska.

Der Ex-Internationale fordert Bundesliga und ÖFB auf beim UEFA-Chef Michel Platini persönlich zum Thema Nachwuchsfußballer vorzusprechen und eine Nachbesserung der UEFA-Statuten zu fordern. Nur so könnten die Klubs einerseits finanziell angemessen entschädigt werden und andererseits der unbegrenzte Zugriff auf die Jugendspieler gebremst werden. „Ich kenne viele Spieler, die ins Ausland transferiert wurden und von denen heute niemand mehr spricht“, so Prohaska.

Auch in der Schweiz sieht man die Top-Liga als „Ausbildungsliga“. „Wir sind mit der U17 Weltmeister geworden“, so CEO Schäfer. Und für die Top-Ligen haben die Schweizer bereits 15 Spieler ausbilden können. Über den Umweg Ausland hat es die Schweiz auch geschafft mit dem Nationalteam unter die Top 10 der Welt zu kommen und sich auch für die Welt- und Europameisterschaften zu qualifizieren.

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