Österreichische Post kauft sich eine Bank

Georg Pölzl, Generaldirektor Österreichische Post AG

Post-Generaldirektor Georg Pölzl wird nun auch zum Banker.

Nach der Scheidung von Bawag P.S.K. hat die Österreichische Post einen neuen Bankpartner gefunden: Die Post übernimmt mehrheitlich das Grazer Bankhaus Brüll Kallmus. Ab 2020 sollen gemeinsam Finanzdienstleistungen angeboten werden.

Die österreichische Post hat ihren neuen Finanzpartner gefunden: Sie wird 80 Prozent an der kleinen Grazer Brüll Kallmus Bank AG übernehmen und zahlt dafür 56 Millionen Euro. Inklusive Folgeinvestitionen wird der Kapitalchef laut Post-Chef Georg Pölzl bei 70 bis 80 Millionen Euro liegen.

Brüll Kallmus ist eine von mehreren Bank-Töchtern der Grazer Wechselseitigen-Gruppe. Wesentlichster Ertragsfaktor der Bank war bisher das Wertpapiergeschäft (Anleihehandel), und damit die Provisionserträge. Nun soll gemeinsam mit der Post ein eigenständiges und flächendeckendes Finanzdienstleistungsangebot mit Zahlungsverkehrs-, Kredit-, Einlagen- und Fondsangeboten geschaffen werden. Die Post rechnet daher auch mit einem starken Kundenwachstum bei der neuen Partnerbank.

Hintergrund ist, dass Ende 2019 die langjährige Partnerschaft der Post mit der Bawag ausläuft. Ein zunächst ersatzweise angestrebtes Joint Venture mit der deutschen FinTech-Gruppe war im Herbst 2018 geplatzt. Gemeinsam mit dem Online-Broker (Flatex) und Anbieter digitaler Finanztechnologien, wollte man eine moderne Bank bauen. Doch die Vorstellungen der Post und des forschen FinTech-Chefs Frank Niehage ließen sich nicht unter einen Hut bringen. Es spießte sich schon an der Frage, wie die Managementpositionen besetzt werden sollen

Zeitdruck bei der Partnersuche

Die Post war deshalb zuletzt fast schon ein wenig unter Zeitdruck bei der Partnersuche gestanden. Auch Kooperationen mit der spanischen Bank Santander oder der deutschen Commerzbank wurden für möglich gehalten.

Die Postführung gab sich in der Causa dennoch gelassen und verwies darauf, dass zuletzt lediglich 2,5 Prozent des Umsatzes, also rund 50 Millionen Euro, aus den Finanzgeschäften. Aber so unbedeutend war die Sache dennoch nicht. Zumal die Post Ende 2019 von der Bawag 300 weitgehend unkündbare Finanzberater zurückbekommen wird. Und: Ohne Gelddienstleistungen drohte die Bedeutung des Filialnetzes weiter abzunehmen.

Post-, Bank- und Versicherungsgeschäft

Beim Aufbau des Geschäfts mit Brüll Kallmus rechnet Post-Chef in den ersten drei Jahren mit Anlaufkosten, danach mit positiven Ergebnisbeiträgen. "Das wird sich rentieren, indem wir viele Kunden gewinnen werden, vor allem durch die flächendeckende Versorgung", sagte Pölzl. Besonders im ländlichen Raum werde ja Finanzdienstleistung immer weiter ausgedünnt.

Ziel sei es, sowohl online als auch physisch präsent zu sein - das Netz der Post mit ihren 1.800 Geschäftsstellen an selbst betriebenen Filialen und Post-Partnern sei eine hervorragende Basis dafür. "Wir können zu sehr günstigen Bedingungen ein flächendeckendes Filialnetz und Finanzdienstleistungen anbieten. Ich glaube, das ist unser Hauptvorteil", erklärte Pölzl.

Die Partnerschaft vereine zudem die Vertriebsstärke der Österreichischen Post über ihr landesweites Netz mit dem Bank- und Versicherungs-Know-how der GraWe-Gruppe. Das Geschäftsmodell werde fokussiert und risikoavers gestaltet. Finanzdienstleistungen weiterer Partner sollen das Produktportfolio abrunden. Über das Leistungsangebot und den Marktauftritt werde man zu gegebener Zeit berichten.

EZB entscheidet

Für die Genehmigung des Brüll-Kallmus-Erwerbs wurde über die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA ein Eigentümerkontrollverfahren bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleitet. Das dürfte allerdings bloß Formsache sein. Übernahmen in dieser Größenordnung werden von der EZB üblicherweise durchgewunken.

Die Post-Aktie [ISIN AT0000APOST4] hat im Lauf des Jahres 2019 bereits knapp 25 Prozent an Wert zugelegt, nach der Bekanntgabe der Übernahme aber kuzfristig leicht an Wert abgegeben.


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