Österreicher im Ausland: "Wirtschaftsflüchtlinge", made in Austria

Österreicher im Ausland: "Wirtschaftsflüchtlinge", made in Austria

Auch Österreicher sind ins Ausland gezogen, um dort zu leben und zu arbeiten - viele von ihnen sind das, was man heute als "Wirtschaftsflüchtlinge" bezeichnen würde. Ihre Erwerbstätigenquote ist höher als jene der im Inland lebenden Österreicher.

Die Diskussion um die Integration von Flüchtlingen am heimischen Arbeitsmarkt wird mitweilen emotional geführt. Vergessen wird dabei, dass auch Österreich eine lange Auswanderungsgeschichte hat und heute noch viele Österreicher im Ausland arbeiten. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg suchten sich etliche Menschen einen Job in einem fremden Land, weil sie in der Heimat kein Auskommen fanden.

Derzeit leben allein in den EU- und EFTA-Ländern (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) rund 264.000 Österreicher. Das ergab die letzte europaweite Volkszählung im Jahr 2011. Die meisten Auslandsösterreicher (81 Prozent) verweilen in den 14 "alten" EU-Staaten und nur 3 Prozent in den neuen Mitgliedsländern im Osten.

Wozu in die Ferne schweifen...

Das beliebteste Auswanderungsland der Österreicher ist Deutschland. Mitte Juli 2015 lebten laut deutscher Statistik fast 180.000 Österreicher seit mindestens einem Jahr im Nachbarland. Vor allem in den 1970er-Jahren sind viele Österreicher nach Deutschland gegangen, um dort zu arbeiten, sagt Migrationsexpertin Gudrun Biffl von der Donau-Universität Krems. Das hat sich aber geändert: Im Gefolge von "Hartz IV" kamen zahlreiche Deutsche zum Jobben nach Österreich, typischerweise arbeiten viele Ostdeutsche auf österreichischen Skihütten oder saisonweise in Gasthäusern. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Deutschen, die in Österreich leben, von 91.194 auf 170.475 Personen.

Beliebt bei Österreichern war und ist auch die Schweiz. Rund 40.000 Menschen mit österreichischem Pass leben momentan in der benachbarten Alpenrepublik. Menschen mit Doppelstaatsbürgerschaft sind hier, wie auch bei Deutschland, nicht mitgezählt. "Deutschland, die Schweiz, aber auch das Vereinigte Königreich waren schon bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges Anziehungspunkt für österreichische Arbeitsmigrantinnen und -migranten", erklärte die Statistik Austria 2015 in einem "Schnellbericht" zu Auslandsösterreichern.

Wirtschaftsflüchtlinge aus Österreich

Viele der Menschen, die man heute wohl als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen würde, hatten ursprünglich vor, nur ein paar Jahre im Ausland Geld zu verdienen und dann zurückzukehren. Etliche ließen sich aber dann doch dauerhaft im neuen Land nieder.

Wenig bekannt ist etwa die Auswanderungswelle von jungen Steirerinnen und Kärntnerinnen in den ersten zwei Jahrzehnten nach Kriegsende. Sie fanden in der Schweiz, aber auch in Holland als "Haustöchter" oder in der Gastronomie Arbeit, wie die drei Grazer Forscherinnen Anita Prettenthaler-Ziegerhofer, Karin Schmidlechner und Ute Sonnleitner 2010 in einem Buch herausgearbeitet haben. Schon im Jahr 1950 lebten mehr als 22.000 Österreicher in der Schweiz, zwei Drittel davon Frauen.

35.000 Österreicher in den USA

Auch in die klassischen Auswanderungsländer USA, Kanada, Australien oder Südafrika zog es in den 1950er- und -60er-Jahren viele Österreicher. Heute sind die USA das drittwichtigste Emigrationsziel, 35.000 Österreicher leben dort laut Statistik Austria. Es folgen Australien und Großbritannien mit je 25.000 österreichischen Staatsbürgern. Zahlreiche Österreicher gingen auch in den Süden: In Argentinien halten sich 17.000 Menschen mit österreichischem Pass auf, in Südafrika 14.000 und in Spanien und Brasilien jeweils etwa 10.000.

Im kleinen Liechtenstein stellen die rund 2.200 Auslandsösterreicher mit 17 Prozent einen großen Anteil an der ausländischen Bevölkerung.

Wertvolle Arbeiter aus dem Ausland

Freilich gehen nicht alle Auslandsösterreicher in ihrer neuen Heimat einer Beschäftigung nach. Jedoch ist ihre Erwerbstätigenquote vielfach höher als jene der Österreicher, die in ihrem Geburtsland leben - insbesondere in den alten EU-Staaten sowie in den EFTA-Ländern. In Österreich waren im Vergleichsjahr 2011 56,3 Prozent der Personen ab 15 Jahren erwerbstätig, in Irland dagegen 69,7 Prozent der dort lebenden Österreicher, in Norwegen 68,6 Prozent, in der Schweiz 65,7 Prozent und in Deutschland 61,6 Prozent. In diesen Ländern war auch die Erwerbsquote der ausgewanderten Frauen deutlich höher als in Österreich.

Anders in den USA, Australien und Kanada. Die meisten Österreicher sind bereits während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in diese Länder geflohen, sie sind heute daher bereits in fortgeschrittenem Alter und nicht mehr erwerbstätig. So sind zum Beispiel fast 49 Prozent der Auslandsösterreicher in den USA mindestens 65 Jahre alt - der US-Schnitt liegt bei 14,1 Prozent.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Nachkriegsösterreich hatten immer weniger Menschen Grund, ihr (Arbeits-)Glück im Ausland zu suchen. Zumal in Österreich die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg und sogenannte Gastarbeiter gezielt angeworben wurden - so wie zuvor die Schweiz via Zeitungsannoncen in Österreich "brave Mädchen" gesucht hatte.

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