Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer der Krise

Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer der Krise
Kinder und Jugendliche sind die großen Verlierer der Krise

Rund 26 Millionen Kinder und Jugendliche sind in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Auch die Kluft zwischen Jung und Alt nimmt zu und die soziale Spaltung zwischen Nord- und Südeuropa bleibt immens. Das sind die zentralen Ergebnisse des von der Bertelsmann Stiftung erstellten Social Justice Index 2015, in dem Österreich Rang sechs belegt.

Kinder und Jugendliche sind die größten Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise. Rund 26 Millionen und damit 27,9 Prozent aller unter 18-Jährigen sind in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Geringe Zukunftsperspektiven haben auch die 5,4 Millionen jungen Menschen, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind. Eine Kluft bei der sozialen Gerechtigkeit verläuft in Europa insbesondere zwischen Nord und Süd sowie zwischen Jung und Alt. Dies sind die Ergebnisse des Social Justice Index, mit dem die Bertelsmann Stiftung jährlich untersucht, wie sich soziale Gerechtigkeit in den 28 EU-Staaten entwickelt. Österreich belegt im aktuellen Index Rang sechs, vor Deutschland.

5,4 Millionen junge Europäer weder in Ausbildung noch in Beschäftigung

Allein in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, seit 2007 von 6,4 auf 7,6 Millionen gestiegen. Sie leben entweder in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens, leiden unter schweren materiellen Entbehrungen oder wachsen in quasi-erwerbslosen Haushalten auf.

Auch viele der 20- bis 24-jährigen EU-Bürger befinden sich in prekären Situationen: 5,4 Millionen von ihnen sind weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. In 25 Mitgliedstaaten der EU hat sich ihre Zahl seit 2008 teils erheblich erhöht. Deutschland und Schweden bilden positive Ausnahmen. Die negativste Entwicklung verzeichneten die südeuropäischen Länder: In Spanien stieg der Anteil der betroffenen 20- bis 24-Jährigen von 16,6 auf 24,8 Prozent, in Italien sogar von 21,6 auf 32 Prozent.

Soziale Gerechtigkeit: Österreich gehört zu den Spitzenreitern, Bulgarien, Rumänien und Griechenland sind die Schlusslichter.

In der EU wächst die Kluft zwischen den Generationen

Eine längerfristige Beobachtung zeigt: Europaweit wächst die Kluft zwischen den Generationen. Während der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Kinder im EU-Durchschnitt seit 2007 von 26,4 auf 27,9 Prozent gestiegen ist, hat sich der entsprechende Anteil in der Bevölkerungsgruppe der 65-Jährigen von 24,4 auf 17,8 Prozent verringert. Hauptgrund: Im Laufe der Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Pensionen und Altersbezüge der älteren Menschen nicht beziehungsweise nicht so stark geschrumpft wie die Einkommen der jüngeren Bevölkerung.

Verschärft wird die gegensätzliche Entwicklung zwischen Jung und Alt durch drei europaweite Trends: Die steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte belastet vor allem die jüngeren Generationen, Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung stagnieren und alternde Gesellschaften erhöhen den Druck auf die Finanzierbarkeit sozialer Sicherungssysteme.

Aart De Geus, Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, erinnert an die bereits bestehende Beschäftigungsgarantie und -initiative der EU für junge Menschen: Diese müsse in den Mitgliedstaaten konsequent umgesetzt und mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Obwohl in vielen europäischen Ländern wieder leichte Aufwärtsentwicklungen am Arbeitsmarkt zu erkennen sind, kann von einer umfassenden Trendwende in Sachen sozialer Gerechtigkeit noch nicht die Rede sein.

Österreich punktet mit Arbeitsmarkt

Österreich liegt beim Social Justice Index auf Rang sechs. Ausschlaggebend dafür sind die guten Zugangschancen zum Arbeitsmarkt hier liegt Österreich auf Platz zwei hinter Dänemark. Die niedrige Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit (1,5 bzw. 10,3 Prozent) sowie die wenigen befristeten Jobs (8,8 Prozent) sind dafür entscheidend. Zurückgeführt wird die vergleichsweise gute Entwicklung unter anderem auf Sozialpartnerschaft und Lehrlingsausbildung. Lob gibt es auch für die jüngste Gesundheitsreform - bessere Koordinierung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung zur Eindämmung der Kosten - und den niedrigen Anteil an Jugendlichen ohne Job und Ausbildungsplatz.

Als problematisch sehen die Autoren allerdings die wachsende Kluft zwischen Jung und Alt. Probleme gibt es demnach sowohl bei Schulen und Universitäten (mangelnde Bildungschancen für ärmere und Kinder mit Migrationshintergrund) als auch bei der Armutsbekämpfung: Seit 2007 ist der Anteil der von Armut und Ausgrenzung bedrohten Kinder und Jugendlichen von 18,5 auf 23,3 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Das Risiko der Altersarmut ist dagegen von 18,6 Prozent (2009) auf 15,7 Prozent (2014) gesunken.

Download: Social Justice Index 2015

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