"Die Stimmung ist grottenschlecht"

"Die Stimmung ist grottenschlecht"

Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft: "Von den Banken gibt es für Gründer überhaupt kein Geld mehr."

Knapp die Hälfte der österreichischen Jungunternehmer glaubt laut einer aktuellen Umfrage, dass es mit der heimischen Wirtschaft heuer bergab geht. Das ist der schlechteste Wert seit Beginn der Wirtschaftskrise.

Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, blickt nicht gerade mit Optimismus auf die aktuelle Lage der Republik: „Wir haben vor uns ein stinkendes Gebräu aus verschleppten Reformen, Versagen der Politik in Sachen Hypo, Rekordverschuldung, hoher Arbeitslosigkeit und Nullwachstum“, sagt er am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Zudem – und das weiß Rohrmair-Lewis nur allzu gut – ist die Stimmung unter Österreichs Jungunternehmern „grottenschlecht“.

Knapp die Hälfte (46 Prozent) erwartet, dass sich die wirtschaftliche Lage Österreichs in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird, besagt eine aktuelle Umfrage des market Institut unter 1000 Jungunternehmern im Auftrag der Jungen Wirtschaft. „Das ist der schlechteste Wert seit Beginn der Wirtschaftskrise“, sagt Rohrmair-Lewis – im Sommer des Vorjahres hatten nur 37 Prozent mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage gerechnet.

Weniger neue Jobs durch Jungunternehmer

Die Meinung zur Volkswirtschaft spiegelt sich auch in den individuellen Zukunftsaussichten der Befragten wider: Im Juni 2011 erwarteten noch 22 Prozent schlechtere Erträge im eigenen Unternehmen, in der aktuellen Umfrage sind es bereits 33 Prozent. Nun glauben 37 Prozent der Befragten, dass sich ihre Kostensituation verschlechtern wird – das sind zwar weniger als im Juni 2014 (44 Prozent), aber noch immer das schlechteste Ergebnis der vergangenen drei Jahre.

Die negative Grundstimmung hat freilich auch einen Effekt auf den Jobmarkt: 72 Prozent können sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorstellen, neue Mitarbeiter einzustellen; die Hälfe der Befragten ist sich sogar sicher, keine weiteren Mitarbeiter in absehbarer Zeit aufzunehmen. Auch ansonsten sind wenige Investitionen geplant: 37 Prozent wollen ihre Investitionen zurückfahren, nur 20 Prozent werden in Zukunft mehr investieren.

Weniger Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie

„Wirtschaft hat in höchstem Maß mit Psychologie zu tun“, sagt Rohrmair-Lewis: Es besteht ein enormes Arbeitsplatzpotenzial, wenn man den Unternehmen ein wenig Optimismus in die Hand gibt – derzeit ist es für die meisten Unternehmer aber unattraktiv, Mitarbeiter einzustellen. Dabei gibt es nach Ansicht der Jungen Wirtschaft genug Schrauben, an denen man drehen könnte, um die Stimmung zu heben – etwa die Entlastung des Faktors Arbeit, der Abbau von Bürokratie und die Ermöglichung alternativer Finanzierungsformen.

In Sachen Mitarbeiter fordert Rohrmair-Lewis etwa, die Lohnnebenkosten zu senken – „beziehungsweise, sie für den ersten Mitarbeiter komplett abzuschaffen“, sagt er. In Summe würde der Sozialstaat profitieren, da es jeweils einen Arbeitslosen weniger gebe, rechnet er vor.

Beim Abbau der Bürokratie sieht er „viele kleine Probleme, die in Summe zu einem großen Problem werden“. Etwa gebe es viele Gesetze zum Arbeitnehmerschutz, die kaum ein Unternehmer auswendig kenne – hier sei es nötig, die Gesetze auf das Fundamentale zu beschränken. Ferner fordert er die Abschaffung der Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung, sowie Änderungen bei der Notariatspflicht. Unerwähnt lässt der Vorsitzende der Jungen Wirtschaft hingegen die Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer, die vielen Ein-Personen-Unternehmen ein Dorn im Auge ist. Erst auf Nachfrage verteidigt er das Konzept mit dem Argument, dass die zu leistenden Beträge für Selbständige hier relativ gering seien.

Crowdfunding soll 2015 kommen

Ein großes Anliegen ist Rohrmair-Lewis die Verbesserung der Rahmenbedingungen für alternative Finanzierungsformen. „Maßnahmen für Crowdfunding wurden für März 2014 avisiert, dann aber von einem Koalitionspartner wieder blockiert“, sagt er. Nun ist er optimistisch, dass es im ersten Halbjahr 2015 zu einer Einigung kommt: „Das muss einfach sein“, sagt er entschlossen – denn von den Banken gebe es überhaupt kein Geld mehr für Neugründungen. In Sachen Investorenschutz rät Rohrmair-Lewis, sich vor falschen Versprechen in Acht zu nehmen: „Bei Crowdinvesting besteht das Risiko, dass das Geschäft scheitert und das Geld dann weg ist“, warnt er: „Es sollten daher stets nur angemessene Beträge investiert werden.“

In Summe müsse der „Vater Staat“ zum „Partner Staat“ werden, so Rohrmair-Lewis – um somit das Unternehmerdasein attraktiver zu machen. „Denn manche Bekannte fragen mich, warum ich mich überhaupt selbständig mache, ob ich nicht lieber etwas vernünftiges machen will“, sagt er abschließend: „Dabei haben auch Größen wie Dietrich Mateschitz mal klein angefangen.“

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