WIFO: Skiverbünde verzerren Wettbewerb

Tagesskipässe in Verbundskigebieten sind bis zu 18 Prozent teurer als in gleichwertigen unabhängigen Skigebieten. Aufgrund der Aufweichung des Wettbewerbes in Skiverbünden kosten auch Mehrtagespässe mehr, als in vergleichbaren unabhängigen Gebieten, werden tatsächlich alle Verbundteile genutzt. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) empfiehlt daher eine umfassende Branchenuntersuchung durch die Bundeswettbewerbsbehörde.

WIFO: Skiverbünde verzerren Wettbewerb

Der Zusammenschluss einzelner Skigebiete zu einem Verbund scheint zunächst nur Vorteile für die Kunden zu bringen. Mit einem Pass können mehrere Gebiete genutzt werden. Durch die fehlende Konkurrenz komme es hier laut WIFO aber zu einer nicht unerheblichen Preissteigerung, bei Tages- wie Mehrtagesskipässen.

Preissteigerungen für Skipässe lagen in den letzten fünf Jahren deutlich über der jährlichen Inflationsrate (rund zwei Prozent). Jährlich legte der Preis für den Spaß im weißen Pulver um drei bis vier Prozent zu. Gleichzeitig wurden immer mehr Skiverbünde gegründet. In Zusammenhang mit dem ältesten und größten Skiverbund Österreichs gab es im Jahr 2003/04 bereits ein Verfahren des Kartellgerichtes beziehungsweise der Bundeswettbewerbsbehörde. Detaillierte empirische Untersuchungen zu den Auswirkungen der Verbundbildung unter Österreichs Skigebieten auf die Preise von Skipässen fehlen allerdings bislang, meldet das WIFO.

Verbundskigebiete bieten im Regelfall individuelle Tagesskipässe und gemeinsame Mehrtagespässe an. Effizienzgewinne durch Größenvorteile, die aus den Verbundstrukturen resultieren, können in Skiverbünden preissenkend wirken. Darüber hinaus bietet der gemeinsame Skipass mögliche Preisvorteile für Mehrtagesgäste, welche die Infrastruktur verschiedener Verbundteile nutzen. Tagesgäste wie auch jene Mehrtagesgäste, die nur einen oder wenige Teile eines Skiverbundes nutzen, zahlen hingegen im Vergleich drauf. Höhere Preise in Verbundskigebieten können prinzipiell auch in einer höheren Zahlungsbereitschaft der Gäste aufgrund der mit dem Verbund assoziierten "Marke" als Qualitätssignal begründet sein.

Vergleichsweise höhere Preise im Verbund

Insbesondere bei Tagesgästen befinden sich nahegelegene Skigebiete in Wettbewerb. Jede Form der Kooperation innerhalb einer Gruppe benachbarter Gebiete vermehrt die lokale Marktmacht der kooperierenden Unternehmen, selbst wenn auf dem Markt insgesamt eine Vielzahl an Skigebieten etabliert ist. Das WIFO ermittelte mit statistischen Verfahren den Zusammenhang zwischen Skiverbünden und Preisen der Skipässe in einer gemeinsamen Analyse mit der Wirtschaftsuniversität Wien. Von 23 Skigebieten weisen lediglich zwei signifikant niedrigere Preise aus, als ohne Verbundmitgliedschaft zu erwarten wäre. Bei 13 Verbünden besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Verbundmitgliedschaft und dem Preis der Tagespässe. Die Preisaufschläge durch Verbundsmitgliedschaft machen bis zu 18 Prozent beziehungsweise sechs Euro aus.

Absolute Preisaufschläge für Tagespässe durch Verbundmitgliedschaft In € gegenüber dem geschätzten Preis ohne Verbundmitgliedschaft:

Mehr Pass, mehr Spaß

Das WIFO gesteht zu, dass viele der Skiverbünde für jene Gäste Vorteile bieten, die das gesamte oder zumindest weite Teile des Angebots eines Verbundes gleichmäßig nutzen. Die ökonomische Sinnhaftigkeit sehr großer, überregionaler Skiverbünde sei dabei jedoch anzuzweifeln. In einigen Skiverbünden ist der Preis der angebotenen Sechstagespässe zudem sogar höher als die Kosten, die Wochengästen gemäß den vorliegenden Schätzergebnissen für sechs einzelne Tagespässe bei Wegfall der Verbundstruktur entstehen würden.

Christoph Eisinger, Managing Director eines der größten Skiverbünde Österreichs "Ski amadé", sieht keinerlei Begründung für eine Verwässerung des Wettbewerbs: "Wir verhindern keinen Wettbewerb. Im Gegenteil, wir stehen in Konkurrenz mit Skigebieten in anderen Bundesländern Österreichs und in internationalem Wettbewerb mit Skigebieten auf der ganzen Welt." Der Kunde in Ski amadé habe einen Vorteil, da er für den Preis, den er für eine Skiregion zahlen würde, vier weitere Regionen ohne zusätzlich Kosten dazu bekommt. Ski amadé habe beispielsweise grundsätzlich große, weitläufige Skischaukeln bzw. –regionen, die schon einzeln für sich alleine betrachtet den Preis des Verbunds- Skipasses rechtfertigen.

WIFO fordert umfassende Untersuchung

Eine vertiefende Analyse spricht jedoch gegen diese These: Verbundskigebiete, die hauptsächlich von Skigebieten des eigenen Verbundes umgebenen sind, verrechnen (unter Berücksichtigung ihrer Charakteristika) im Durchschnitt höhere Preise für Tagespässe als gleichwertige Skigebiete desselben Verbundes, die hauptsächlich von Skigebieten außerhalb des eigenen Verbundes umgeben sind. Zudem korrelieren die Preise der Tagespässe innerhalb eines Skiverbundes stärker als zwischen nahegelegenen Skigebieten außerhalb des Verbundes (wiederum unter Berücksichtigung der jeweiligen Skigebietscharakteristika). Alle genannten Ergebnisse stimmen mit den Erkenntnissen der ökonomischen Theorie zu wettbewerbsschädigendem Preissetzungsverhalten auf räumlich differenzierten Märkten überein.

Aus wettbewerbspolitscher Sicht empfiehlt das WIFO daher eine umfassende Branchenuntersuchung durch die Bundeswettbewerbsbehörde, um empirisch fundierte Schlussfolgerungen über die Auswirkungen der Preisstrategien der Skiverbunde auf die Gesamtwohlfahrt ableiten zu können. Für eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse wären noch Informationen über die Zahl der verkauften Skipässe und über das Nutzungsverhalten der Mehrtagesgäste erforderlich.