Wifo: Steuerreform und Asylwerber kurbeln Wirtschaft in Österreich an

Wifo: Steuerreform und Asylwerber kurbeln Wirtschaft in Österreich an

Steuerreform und Flüchtlinge werden Österreichs Wirtschaftswachstum 2016 und 2017 beschleunigen.

2016 und 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit jeweils 1,6 bis 1,7 Prozent stärker wachsen als in den Jahren zuvor, so die Experten des Wifo und des IHS. Die Steuerreform und die Flüchtlinge tragen maßgeblich zum BIP-Anstieg bei. Die Arbeitslosigkeit hingegen wird weiter ansteigen.

2015 war ein eher mageres Jahr: Die heimische Wirtschaft wuchs lediglich um 0,8 Prozent im Vergleich zu 2014. Die schwache Weltwirtschaft dämpfte den Außenhandel, die Investitionen zogen erst im Jahresverlauf an und der private Konsum hält sich aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit - derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei 9,1 Prozent (internationale Definition) - und der schwachen Einkommensentwicklung zurück.

Erfreulicher sind die Aussichten für die kommenden beiden Jahre: Das Bruttoinlandsprodukt wird 2016 und 2017 um jeweils 1,7 Prozent. Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnet mit jeweils 1,6 Prozent für beide Jahre. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zieht die heimische Nachfrage an - vor allem aufgrund der wachsenden Zahl der Asylanträge 2015 und 2016. Kommendes Jahr erwartet das Wifo 61.000 ganzjährig zu betreuenden Personen: Pro Person sei in der Grundversorgung mit etwa 11.000 Euro zu rechnen. Teurer ist die Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen in Wohneinrichtungen. Für sie veranschlagt das Wifo etwa 45.000 Euro pro Person.

Die Ausgaben für Betreuung und Grundversorgung von Asylsuchenden sowie für die bedarfsorientierte Mindestsicherung kurbeln aber die öffentlichen und privaten Ausgaben an. So rechnet die Österreichische Nationalbank mit Kosten in Höhe von 2,7 Milliarden Euro für die Jahre 2015 bis 2017. Die Notenbank spricht von einer Art "Konjunkturprogramm mit hoher Konsumquote".

Steuerreform entlastet Haushalte deutlich

Auch die am 1. Jänner 2016 in Kraft tretende Steuerreform soll die Einkommen der privaten Haushalte entlasten: Im Schnitt mit rund 900 Euro jährlich. Laut Wifo trägt allein die fünf Milliarden Euro schwere Steuerreform 0,4 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum bei. Die Konsumausgaben steigen zwar, sie werden jedoch durch Gegenfinanzierungsmaßnahmen abgeschwächt.

Positive Wirkung hat auch das außenwirtschaftliche Umfeld, das in den kommenden Jahren wieder etwas mehr an Dynamik gewinnt. In den USA etwa ist die Arbeitslosigkeit derzeit bei fünf Prozent, was mit einer Vollbeschäftigung gleichgesetzt werden kann. Niedriger war die Quote zuletzt nur im Februar 2008 bevor die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen ist.

Laut Wifo bleibt die Konjunktur in den USA robust. Im Euroraum erholt sich die Wirtschaft hingegen nur zögerlich. Die jüngste Zinswende der US-Notenbank Fed signalisiert ein "Ende der Wirtschaftskrise" und wird ebenfalls Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Das Wifo geht außerdem davon aus, dass die Talsohle der Rohstoffpreisentwicklung weitgehend erreicht sein dürfte. Dadurch erholen sich auch die Schwellenländer allmählich wieder. Die Ölpreise sind auf mehrjährigen Tiefstständen. Die Sorten Brent und WTI dümpeln derzeit bei einem Preis von rund 35,69 bzw. 35,17 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Mitte 2014 lagen die Preise noch deutlich über der 100-Dollar-Marke. Auch die in der Nacht bekanntgegeben Zinswende hat den Ölpreis abermals um über ein Prozent verbilligt. Analysten von Goldman Sachs rechnen für kommendes Jahr sogar mit einem WTI-Preis von 20 US-Dollar. Die niedrigen Ölpreise dämpften auch die Inflation im heurigen Jahr. Für 2016 und 2017 rechnet das Wifo mit einem Anstieg von 1,5 bzw. 1,7 Prozent.

Arbeitslosigkeit wird weiter steigen

Trüb sind die Aussichten für den österreichischen Arbeitsmarkt. Der Trend der derzeit hohen Arbeitslosigkeit wird anhalten. 2016 erwartet das Wifo eine Arbeitslosenquote von 9,7, 2017 von 10,2 Prozent (internationale Definition). Die Zahl der Beschäftigten wird zwar weiter steigen, vor allem in den Dienstleistungsbereichen. Dennoch wird der Beschäftigungsaufbau nicht mit dem Anstieg des Arbeitskräfteangebotes mithalten können. Das IHS geht von etwas optimistischeren Zahlen aus: 9,5 Prozent im kommenden Jahr, 9,8 Prozent 2017 werden ohne Beschäftigung sein.

Auch wenn die Belastung geringer ausfällt als in den vergangenen Jahren, so wirkt sich die Bankenhilfe dennoch auf die öffentlichen Haushalte aus. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) plant für die Bankenhilfe- und abwicklung 772 Millionen Euro für 2016 ein. Für die Flüchtlingsmigration rechnet das Wifo mit höheren Ausgaben. Aufgrund der Steuerreform sinken die Einnahmen des Staates aus der Lohn- und Einkommensteuer. Niedrige Zinszahlungen, geringere Ausgaben für Pensionen als veranschlagt und eine günstige Einnahmenentwicklung entlasten aber das Budget.

Das Maastricht-Defizit Österreichs (Anm. Budget- oder Haushaltsdefizit darf lt. EU-Vorgabe maximal 3,0 Prozent vom BIP betragen), wird heuer rund 1,6 Prozent der Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Es wird 2016 auf 1,9 Prozent ansteigen - und laut Wifo 2017 wieder auf 1,7 Prozent zurückgehen.

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