Wiener Linien: Siemens kämpft gegen Bombardier

Am 1.12. gaben die Wiener Linien bekannt, dass sie nächste Wiener Bim-Generation nicht von Siemens kommen soll - sondern vom Konkurrenten Bombardier. Siemens beeinsprucht nun die Vergabe.

Wiener Linien: Siemens kämpft gegen Bombardier

So sollte die Straßenbahn von Bombardier für die Wiener Linien aussehen.

Man hege Zweifel an "wesentlichen Entscheidungsgrundlagen", hieß es. Vor allem die Standards in Sachen Barrierefreiheit sehe man beim Siegermodell nicht erfüllt. Laut dem Siemens-Sprecher haben Experten des Unternehmens Details wie etwa die Einstiegshöhe unter die Lupe genommen. Hier schneide der ULF besser ab, wurde versichert. Denn die geltenden Bestimmungen in Sachen Barrierefreiheit sehe man beim Konkurrenz-Modell nicht erfüllt, hieß es. Der Einspruch beim Landesverwaltungsgericht sei auch gemacht worden, um die Interessen des Standorts in Wien zu wahren, wurde bei Siemens betont. Die bisherigen ULF-Garnituren waren im Werk in Simmering produziert worden - die neuen Bombardier-Züge werden allerdings ebenfalls in der Bundeshauptstadt - im Werk in der Donaustadt, wo 66 Mitarbeiter beschäftigt sind - gefertigt.

Der Einspruch wurde innerhalb der dafür in der Ausschreibung genannten Frist beim Wiener Verwaltungsgerichtshof eingebracht. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bestätigten die Wiener Linien gegenüber format.at, dass der Einspruch von Siemens durchaus möglich ist, man aber auf jeden Fall ein faires Verfahren geführt habe.

Bei den Wiener Linien glaubt man nicht, dass der nun erfolgte Schritt viel ändern wird: "Wir gehen davon aus, dass das Gericht unsere Entscheidung bestätigen wird", erklärte ein Sprecher. Er verwies auf den im Verfahren angewendeten Kriterienkatalog. Dieser sei von allen Teilnehmern akzeptiert worden. Man gehe auch davon aus, dass Bombardier die Garnituren so wie vereinbart liefern könne.

Auch bei Bombardier zeigte man sich auf APA-Anfrage relativ gelassen über den Siemens-Einspruch: "Wir sind der Ansicht, dass die Wiener Linien ein transparentes Vergabeverfahren durchgeführt haben", betonte dort eine Sprecherin. Details wolle man nicht kommentieren: "Wir nehmen den Einspruch zur Kenntnis."

562 Millionen Euro

Die Wiener Linien haben sich zuletzt dafür entschieden, bei Bombardier bis zu 156 Niederflur-Bims des Typs "Flexity" zu bestellen, die zwischen 2018 und 2026 geliefert werden sollen. Das Auftragsvolumen beträgt 562 Millionen Euro. Siemens hatte sich mit dem Konkurrenzmodell "ULF" beworben und ging bei der Auftragsvergabe leer aus. Auch die alten Siemens-Züge werden schrittweise ausgemustert: Ab 2026 soll keine Hochflur-Bim mehr in Wien unterwegs sein, sondern nur noch die barrierefreien Niederflur-Straßenbahnen.

Ein wichtiger Punkt bei der Auftragsvergabe war auch der Wartungsvertrag: Die laufende Wartung wird zwar weiterhin mit eigenem Personal erledigt, aber im Auftrag und auf Risiko des Herstellers - das ist bei den ULFs von Siemens nicht der Fall. Wie viel sich die Wiener Linien durch diese Lösung gegenüber dem ULF sparen, wurde nicht bekannt gegeben.

Was bisher geschah: Unter diesem Link.