Ventocom: Mit HoT Hofer Telekom frischer Wind im Mobilfunk

Mit HoT – Hofer Telekom – geht das vom früheren tele.ring und Orange Austria CEO Michael Krammer gegründete Unternehmen Ventocom am 2. Jänner 2015 als virtueller Netzbetreiber an den Start. Weitere Projekte sollen folgen.

Ventocom: Mit HoT Hofer Telekom frischer Wind im Mobilfunk
Ventocom: Mit HoT Hofer Telekom frischer Wind im Mobilfunk

Michael Krammer - Szenen einer Karriere: tele.ring, One, Orange, Rapid Wien, Ventocom (im Uhrzeigersinn von links unten).

Michael Krammer ist ein alter Fuchs im Mobilfunk-Business. Als tele.ring Geschäftsführer hat er Österreichs Mobilfunk-Branche so lange mit Kampfpreisen geärgert, bis das Unternehmen von T-Mobile gekauft wurde. Nach einer Zwischenstation beim deutschen Netzbetreiber E-Plus ging er in der Folge mit der gleichen Masche und dem Netzbetreiber „One“ so erfolgreich auf Kundenjagd, dass dieser von der französischen Orange übernommen wurde. Bei Orange machte er so lange weiter, bis das Unternehmen schließlich an Hutchison Drei Austria (Drei) ging.

Nach dem im Dezember 2012 besiegelten Verkauf von Orange an Drei verschwand Krammer vorerst aus der Branche, bot sein Wissen als Unternehmensberater an und wurde Präsident beim österreichischen Fußball-Rekordmeister SK Rapid. Im Zuge der Nationalratswahlen 2013 war er Obmann des Personenkomitees für ÖVP-Spitzenkandidat Michael Spindelegger "Mein-Anliegen.at".

Im Hintergrund bereitete er seine Rückkehr in das Telekom-Business vor. Mit einem Kernteam von vier Mitstreitern, die allesamt ebenfalls seit einer Ewigkeit in verschiedenen Bereichen des Telekom-Sektors arbeiten, gründete er das Unternehmen Ventocom, das als virtueller Netzbetreiber einen frischen Wind in den heimischen Mobilfunkmarkt bringen will.

Versteckt am Start

Mobile Virtual Network Operator – MVNO – werden Unternehmen wie Ventocom genannt, die ohne eigene Netzwerk-Infrastruktur oder Lizenz Mobilfunkdienstleistungen über das Netz eines anderen Betreibers anbieten. Das Thema spielte in Österreich bisher eine sehr untergeordnete Rolle. Das wird sich 1015 allerdings ändern. Als eine der Auflagen, die mit dem Verkauf von Orange verbunden waren, muss Hutchison das Netz für bis zu 16 MVNOs öffnen.

Die Idee eines MVNO ist nicht neu. Seit Oktober 2008 ist etwa schon Red Bull im Netz von A1 als Red Bull Mobile aktiv, Spar mischt seit 2011 mit der Marke „S-Budget“ im tele.ring-Netz mit und international reüssiert beispielsweise der Milliardär Richard Branson mit Virgin Mobile.

Neu ist allerdings, dass Ventocom nicht unter eigenem Namen selbst als Mobilfunkanbieter aktiv wird, sondern lieber die zweite Geige im Hintergrund spielt; den Service-Partner gibt, der Unternehmen wie ab dem 2. Jänner 2015 dem Lebensmitteldiskonter Hofer und einem Netzbetreiber zusammenbringt. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Der echte Netzbetreiber - Ventocom kooperiert mit T-Mobile - stellt die Infrastruktur zur Verfügung, Ventocom übernimmt die Produktentwicklung und der Marken-Partner das Marketing und den Vertrieb.

Im Falle von HoT – Hofer Telekom, die Marke, mit der Ventocm am 2. Jänner in Österreich an den Start geht, übernimmt Hofer das Marketing und den Vertrieb und bringt gleich 45.000 Kunden mit: Jeder der 9000 Hofer-Mitarbeiter hat zum Start fünf SIM-Karten erhalten. Eine zur eigenen Verwendung und vier, um sie zu Weihnachten an Familienmitglieder oder Freunde zu verschenken. Details zum Angebot von HoT finden Sie hier.

Tödliches Marketing

Für Krammer und seine Company sind diese 45.000 Kunden zum Start ebenfalls ein gutes Einstandsgeschenk. Auch wenn sich der Manager nicht der Illusion hingibt, dass alle Karten auch tatsächlich benutzt werden. „Hofer als Partner ist für uns aber schon eine wichtige Säule“, erklärt er. Krammer ist freilich zuversichtlich, dass der Ventocom-Plan, mit weiteren Partnern zu kooperieren, die wie Hofer eine eigene Marketingpower und Vertriebs-Infrastruktur mitbringen, aufgehen wird: „Ohne einen solchen Partner wäre es als MVNO kaum möglich, erfolgreich zu wirtschaften.“ Die gut 20 Prozent der Kosten, die für diese beiden Posten anfallen, wären anders nicht zu schultern. „Sonst bleibt man auf ewig ein Nischenprodukt oder ein Rohrkrepierer.“

In den ersten Wochen nach dem Start von HoT wird es für Ventocom vor allem darum gehen, dem neuen Baby das Laufen zu lernen. „Alle Kraft für HoT“, ist die Devise. Doch Kramers Plan ist natürlich, sein neues Unternehmen auf weitere, stabile Säulen zu stellen. Auch wenn er betont, dass die Kooperation als „nach normalen, betriebswirtschaftlichen Maßstäben als langfristig“ eingestuft werden kann: Auf einem Bein steht es sich auf Dauer eben schlecht. Ohne einen konkreten Namen oder Wunschpartner zu nennen erklärt Krammer, aus welchen Ecken weitere Partner kommen könnten: Banken, Versicherungen, Medienhäuser. Unternehmen eben, die eine breite Kundenbasis, sowie ein funktionierendes Marketing und Vertriebsnetz mitbringen.

Ein Jahr lang haben Krammer und sein Team an der Entwicklung der Ventocom-Angebote gearbeitet. Sechs Monate dauere es, vom Beginn der Verhandlungen bis Ventocom mit einem weiteren Partner an den Start gehen könne. Der nächste Streich könnte daher im Sommer oder Herbst folgen.

Partnersuche

Die Marschroute steht: Nach dem Sprung ins kalte Wasserbad mit Hofer sollen die Angebote, die wie er erklärt „alle Vorteile von Wertkarten-Angeboten (Prepaid) mit Vertrags-Angeboten kombinieren“, mit weiteren Brand-Partnern ausgerollt werden. Wobei Ventocom seinen Partner eine gewisse Exklusivität zusichert: Im Handel werde man ausschließlich mit Hofer kooperieren, der echte Netzpartner wird exklusiv T-Mobile bleiben. Krammer: „T-Mobile hat das bessere Netz als Hutchison, deutsche Ingenieurskunst hat uns überzeugt.“ Zu wirtschaftlichen Details der Partnerschaften wie den Revenue-Share-Modellen dahinter schweigt Krammer. "Darüber sprechen wir nicht", wimmelt er die Frage danach ab.

Dafür erklärt er, dass sich Ventocom in den anderen Branchen ebenfalls jeweils nur einen Partner anlachen will. Auch im Fußball. Hier hat Krammer ohnehin schon lange sein Herz an Rapid abgegeben, und dem Verein will Kramer natürlich auch ein eigenes Mobilfunk-Label schenken: Rapid Mobil könnte noch im Jahr 2015 starten. Womöglich zum Neustart der Bundesliga-Saison im Sommer 2015. „Mal sehen, ob sich das ausgeht“, meint der Vereinspräsident verschmitzt, „das wäre jedenfalls eine super Community."

Zielgruppe sollen in jedem Fall Privatkunden bleiben. Kleinbetriebe oder Selbstständige werden das Ventocom-Angebot ebenfalls verwenden können. Aus dem dezidierten Business-Geschäft mit VPN-Netzwerken, Nebenstellen-Anlagen und so weiter will man sich allerdings heraushalten.

Was Kunden wollen

Außerdem sieht Krammer bei den Privatkunden angesichts des sich ändernden Konsum- und Kommunikationsverhaltens wesentlich bessere Chancen, mit den neuen Angeboten ins Geschäft zu kommen. „Tarife mit 24 Monaten Bindefrist sind ein Auslaufmodell“, erklärt er und „unlimitierte, ungedrosselte Datenmodelle werden im Mobilfunk bald der Vergangenheit angehören“ und „Verträge werden obsolet“. Man müsse nachdenken, wie das Geschäft in Zukunft funktionieren kann. Und es sei keine Hexerei.

Man müsse nur die Nutzungszahlen lesen und richtig interpretieren können, und die sagen: Sprachtelefonie stagniert, SMS werden unbedeutend, die Datennutzung explodiert und neue Handys ziehen als Lockmittel um Kunden zu gewinnen immer weniger. Über 80 Prozent der Benutzer im Handy-verrückten Österreich könnten sich bereits vorstellen, einen SIM Only Tarif zu wählen und ihr Smartphone wo auch immer selbst zu kaufen. „Man muss auch wissen, dass die Verträge, bei denen die Kunden 50 Euro monatliche Grundgebühr zahlen, weil sie ein neues Top-Smartphone dazu bekommen, diejenigen mit der höchsten Ausfallsquote sind“, sagt Krammer.

Das heißt: Viele Kunden können schon nach wenigen Monaten die Grundgebühr nicht mehr zahlen, kommen aber aus den für Jahre abgeschlossenen Verträgen nicht mehr heraus. Das Smartphone als Schuldenfalle ist leider eine traurige Realität, gerade bei den Jüngeren. Damit will Ventocom erst gar nicht in Berührung kommen. Sonst könnte der frische Wind, den das Unternehmen in den Markt bringen will, am Ende auch noch drehen und zum Gegenwind werden.