"Wir setzen auf Qualität“

Telekom-Austria-Generaldirektor Hannes Ametsreiter über die verschiedenen Wege zum Breitband, Guru-Service, neue Mobilfunkmarken und Start-up-Hilfe.

"Wir setzen auf Qualität“

Format: Sie hatten gerade ein paar "Mexikaner“-Tage. Die Mehrheitseigentümer waren wieder einmal in Wien. Was passiert an diesen Tagen eigentlich?

Hannes Ametsreiter: Intensiver als normale Tage sind sie jedenfalls. Jeden Tag Termine bis spätabends, Treffen mit den CEOs aus den Ländern. Man geht jedes Land, jeden Markt, jede Technologie durch - auch die Synergieeffekte, wo wir einander unterstützen können. Das ist ein intensives Miteinander. Aber das ist auch gut so. Wir sind jetzt eine Gruppe.

Format: Mit welchem Blick sehen Sie auf Ihre Länder im kommenden Jahr?

Hannes Ametsreiter: Die Märkte sind extrem unterschiedlich. Der wirtschaftliche Ausblick, vor allem in Südosteuropa, ist ein eingetrübter. Kroatien und Bulgarien haben es sicher am schwersten. Meine Grundstimmung für unsere einzelnen Töchter ist aber positiv, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig bleiben.

Format: Technologisch setzen Sie auf die konvergente Strategie, also Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand. Stärken Sie Ihre Töchter dabei 2015 mit weiteren Zukäufen?

Hannes Ametsreiter: Fünf von acht unserer Unternehmen sind konvergent, das sind zwei Drittel. Damit sind wir weltweit führend, das hat sonst keine Gruppe. Natürlich soll das so weitergehen. Ob wir zukaufen, hängt von den Möglichkeiten ab: Gibt es sie überhaupt? Wie gut sind sie?

Format: Was Sie am Heimmarkt freuen wird, ist der Umstand, dass es die Breitbandmilliarde nun doch gibt. Sind Sie zufrieden mit der angekündigten Verteilung?

Hannes Ametsreiter: Wir sind glücklich, dass die Bundesregierung erkannt hat, dass der Infrastrukturausbau wichtig ist, und dass die eine Milliarde an die Industrie zurückfließt. Die Frage jetzt ist, wie setzt man es um, dass sie möglichst "schnell beim Bürger ist“ - also aus den Euros mehr Bandbreite wird. Wir sind bereit, massiv in Breitband zu investieren, die Kapitalerhöhung wird dazu dienen.

Format: Was halten Sie vom "NÖ-Modell“, wo das Land die Erschließung strukturschwacher Gegenden finanzieren will, Provider sich dann in diese Infrastruktur einmieten?

Hannes Ametsreiter: Es ist klar, dass sich viele bemühen, hier Modelle vorzuschlagen. Die Konzepte werden in den Ministerien gebündelt und dann die besten ausgesucht.

Format: Dass sich für Provider die Erschließung bestimmter Regionen nicht rechnet, ist evident. Das Land schafft die Basis und Provider die Bandbreite. Ist doch praktisch?

Hannes Ametsreiter: Diese Modelle mit kleinen Strukturen haben sich als nicht zielführend erwiesen. Wir haben verschiedenste Initiativen gesehen, die sich nicht in dem Ausmaß durchgesetzt haben, wie man vermutet hätte. Aber - es hat jeder Ansatz seine Berechtigung.

Format: Reden wir über die Inhalte, wofür diese Bandbreiten gebraucht werden. Netflix wurde von den Medien aufgeregt erwartet. Von den Verbrauchern auch?

Hannes Ametsreiter: Wir spüren es schon. Netflix generiert ein Riesendatenvolumen. Ob es sich als Standard durchsetzen wird, ist noch völlig offen. Wenn wir es im internationalen Vergleich betrachten, hinkt Netflix in Österreich noch etwas nach.

Format: Nehmen die Kunden das Angebot der unterschiedlichen Geschwindigkeiten an?

Hannes Ametsreiter: Immer mehr. Beim Breitbandfestnetz hatten wir einen echten Durchbruch. Wir haben als Standard acht Megabit und verkaufen sehr erfolgreich Zusatzpakete. Bei den 16-Mbit-Paketen wachsen wir mit 70 Prozent. Bei den 30-Mbit-Paketen mit über 200 Prozent. Die Kunden sehen, dass sie mehr Bandbreite brauchen, und sind auch bereit, dafür zu zahlen.

Format: Konfrontiert sind Sie aber auch mit unzufriedenen Kunden, die wegen der Preiserhöhungen im Mobilfunk von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht haben.

Hannes Ametsreiter: Es gab Bewegungen im Markt. Man sieht also, dass er funktioniert. Wenn man die Preise erhöht, verliert man den einen oder anderen Kunden, dafür gewinnt man andere. Ich glaube, dass Qualität am Ende überzeugt. Das hat auch ein Netztest (Anm.: Connect) gerade erst wieder bestätigt. Wir haben die beste Spektrumssituation im heimischen Mobilfunk. Das sind gute Voraussetzungen, um auch die nächsten zehn Jahre das beste Netz zu haben.

Format: Es sind die preissensiblen Kunden, die kündigen. Macht Ihnen das gar nichts?

Hannes Ametsreiter: Wir setzen klar auf Qualität, das hat seinen Preis. Wir haben aber auch günstigere Marken im Angebot. Der Kunde entscheidet, ob er ein hochqualitatives Produkt mit exzellentem Service und Shops, die er konsultieren kann, nimmt oder das mit dem Bestpreis. Wir sind die Einzigen, die Kunden bei Updates, Installationen und anderen Dingen helfen - mit dem speziellen "Guru“-Service. Unsere Shops werden dafür gestürmt. Jetzt stellen wir weitere Experten als "Gurus“ ein.

Format: Zurück zu den Diskontmarken. Behalten Sie beide, bob und yesss!? Was ändert sich bei yesss!, wenn der Vertriebskanal über Hofer wegfällt?

Hannes Ametsreiter: Statt nur bei einem Vertriebspartner wird es die yesss!-Startersets ab 2. Jänner quasi "an jedem Eck“ geben. Die Ladebons werden ebenfalls bei deutlich mehr Handelspartnern erhältlich sein. Andere Vertriebskanäle reißen sich darum. Und wir bleiben beiden Marken treu, auf jeden Fall.

Format: Einige neue Mobilfunkmarken kündigen sich an. Rechnen Sie mit mehr Wettbewerb?

Hannes Ametsreiter: Ich rechne schon mit mehr Dynamik im Markt.

Format: Im Sommer hatte die BWB moniert, dass seitens A1 zu wenig Commitment für neue Anbieter da sei. Auch der Vorwurf von "Behinderung“ stand im Raum.

Hannes Ametsreiter: Das ist nicht korrekt. Wir holen MVNOs auf unser Netz und tun das weiterhin. Aktuell sind es sechs virtuelle Betreiber.

Format: Was bietet A1 einem MVNO?

Hannes Ametsreiter: Erst müssen wir entscheiden, ob wir mit dem MVNO zusammenarbeiten wollen. Wir bieten ein exzellentes Netz.

Format: Mit offenen Armen empfangen Sie seit Längerem heimische Start-ups. Kürzlich haben Sie am A1 Campus wieder welche einquartiert. Was bekommen die von A1?

Hannes Ametsreiter: Wir haben gerade zehn neu aufgenommen. Leider mussten wir einige abweisen, der Ansturm war so groß. Sie bekommen Büros und Infrastruktur in Form einer 10.000-Mbit-Leitung, Computer und Handys für maximal drei Jahre kostenlos. Dazu machen wir Events: Wie pitcht man? Wie knüpft man Kontakte ins Silicon Valley? Und sie können Gespräche mit unseren Fachabteilungen führen - von der Rechts- bis zur Marketingabteilung. Das sind Kontakte und Know-how, die für Start-ups oft unerreichbar sind. Was wir nicht bieten, ist Finanzierung.

Format: Und was bekommen Sie dafür?

Hannes Ametsreiter: Wenn sie einen Exit machen, erwarten wir uns einen kleinen Anteil am Equity. Wenn das Projekt nicht erfolgreich ist, stellen wir keine Forderungen.

Zur Person. Hannes Ametsreiter, 47, ist seit 2009 Generaldirektor der Gruppe (23 Mio. Kunden, acht Länder). América Móvil hält 59,7 %. Von der jüngsten Kapitalerhöhung (1 Mrd.) fließen 400 Mio. in den Breitbandausbau. In Österreich gibt es Festnetz und Mobilfunk (A1, bob, yesss!). Die Q3-Zahlen der Gruppe: 1,049 Mrd. (+1,2 %) Umsatz, 127,8 Mio. (+149 %) Überschuss. Das Neunmonatsergebnis 2014 ist mit 22,6 Mio. Euro leicht negativ.

Lesen Sie den ganzen Artikel in FORMAT Nr. 51/52 2014
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