Start-ups: 5 Wege zu frischem Geld in der frühen Phase

Start-ups: 5 Wege zu frischem Geld in der frühen Phase

Wie kommen Start-ups in der frühen Phase der Gründung zu Kapital? Zwei Experten geben für format.at Ratschläge rund um Crowdfunding, Förderungen und Work Investment.

Start-ups brauchen Kapital, um den Ausbau ihres Unternehmens voran zu treiben – doch ausgerechnet das ist in der frühen Phase rar; denn den Gründern fehlt es oft an den richtigen Kontakten, und Banken sind ebenfalls vorsichtig in Bezug auf risikobehaftete Geschäftsideen. Doch es braucht nicht unbedingt die Unterstützung von Business Angels oder Risikokapitalgebern, um an das nötige Kleingeld zu kommen. Format.at stellt mit Hilfe zweier Experten fünf unterschiedliche Wege vor, mit denen Start-ups auch in der frühen Phase finanziell aufrüsten können.

1. Peer-to-Peer-Lending

Eine Möglichkeit ist, sich von anderen Unternehmern Geld zu leihen und im gleichen Atemzug auch Beratung in Anspruch zu nehmen: „Andere bereits erfolgreiche Entrepreneure kennen die Stolpersteine, die einem in den Weg gelegt werden“, sagt Dorian Hildebrandt, Geschäftsführer der Work-Investment-Plattform Tageau. Sie haben außerdem im Laufe der Jahre ein Gespür dafür entwickelt, welches Vorhaben Erfolgspotential hat und welches nicht. Im Peer-to-Peer-Lending geben sie deshalb Privatkredite, ohne dass zum Beispiel eine Bank als Vermittler dazwischen tritt. Den Kontakt zu diesen Personen bekommt man meist über Networking-Events auf diversen Start-up-Veranstaltungen.

Paul Pöltner, Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform conda.at, weist allerdings darauf hin, dass diese Form der Finanzierung nur Sinn macht, wenn bereits ein Team und ein Prototyp vorhanden sind – damit der Investor abschätzen kann, worauf er sich einlässt. Zudem wird es schwierig, wenn das Start-up scheitert und vor einem großen Schuldenberg steht, ergänzt Hildebrand: „Dieses Risiko sollte jeder Gründer auf dem Schirm haben und gut überlegt den Schritt zum Peer-to-Peer-Lending wagen.“

2. Crowdfunding und Crowdinvesting

Anstatt wie beim Peer-to-Peer-Lending auf einen einzelnen Investor zu setzen, lässt man beim Crowdfunding ganz einfach potenzielle Kunden durch ihr Investment entscheiden, ob die Idee zustande kommen soll – möglich ist dies durch diverse Plattformen im Internet. Zu unterscheiden sind Crowdfunding und Crowdinvesting: Beim ersteren geht es darum, ein einzelnes Produkt zu finanzieren, beim Crowdinvesting hingegen sind die Investoren am Unternehmen selbst beteiligt. „Für kleinere Vorfinanzierungen von 5000 bis 10.000 Euro eignet sich Crowdfunding gut, bei größeren Beträgen ist Crowdinvesting das richtige Mittel“, sagt Pöltner.

Hildebrandt rät dazu, bei Crowdfunding und Crowdinvesting auch das Kleingedruckte zu lesen, da jede Crowd-Plattform andere Bedingungen und Vorgaben aufweist. „Für Startups, die sich noch sehr weit am Anfang in der Gründungsphase befinden, kann Crowdfunding gegebenenfalls zu früh sein, da das kreative Werben um die Finanzierung durch die Masse zeitlich und finanziell sehr intensiv sein kann“, sagt er: „Crowdfunding würde ich in den meisten Fällen Startups raten, die schon über die Early-Startup-Stage hinausgewachsen sind und bereits ein starkes Team aufgebaut haben“.

3. Förderungen

Gerade für Start-ups in der frühen Phase gibt es in Österreich aber viele Förderungen, die in der Gründungsphase unterstützend wirken – prominente Stellen dafür sind FFG, AWS oder die Wirtschaftsagentur Wien. Laut Pöltner müssen Start-ups aber genau analysieren, welches Unternehmen man in welcher Branche hat und welche Förderung man dafür braucht: „Kleine Unternehmen sollten kleine Förderungen beantragen“, sagt er: Denn sonst werden sie mit zu viel Bürokratie konfrontiert, oder qualifizieren sich gar nicht für die entsprechende Förderung. Für manche Branchen, etwa Gastronomie, zahlt sich das Beantragen einer Förderung nicht aus, da sie für viele Förderungen nicht als förderwürdig gelten.

4. Contests

''Manchmal kann auch ein bisschen Glück gepaart mit einem überragenden Pitch den Unternehmensstart ankurbeln'', sagt Hildebrandt. Gewinnsummen von Contests und Gründer-Wettbewerben, die oft in Verbindung mit einem Mentoring-Programm ausgeschrieben sind, stellen eine nützliche Unterstützung dar. In Österreich wurde etwa jüngst den Preis „trend@venture 2015“ des Wirtschaftsmagazins trend verliehen; auch auf dem Pioneers Festival Ende Mai wird es wieder eine Challenge geben. Namhafte Wettbewerbe in Deutschland hören auf die Namen start2grow, Gründerchampions, KUER Gründungswettbewerb, CODE_n_Award und BayStartUP. Pöltner wirft allerdings ein, dass derartige Wettbewerbe für die teilnehmenden Unternehmen mit einem hohen Aufwand verbunden sind – und dass die zu gewinnenden Beträge zwar ein nettes Zusatzgeld darstellen, man darauf aber keine Finanzierung aufbauen sollte.

5. Work Investment

Hildebrandt führt schließlich noch den Geschäftsbereich seiner eigenen Plattform tageau.com ins Rennen: Work Investment. Dabei investieren Experten nicht Kapital, sondern ihr Know-How in das junge Start-up und erhalten dafür Unternehmensanteile. Im Grunde also nicht sehr viel anders als wenn Freunde mit unterschiedlichen Kompetenzen beschließen, gemeinsam das Start-up zu gründen – außer, dass Tageau Fremde mit ihren jeweiligen benötigten Kompetenzen zusammenbringt. Die hohen Personalkosten, die gerade in der Gründungsphase anfallen würden, entfallen dabei, wirbt Hildebrandt. Pöltner merkt jedoch an, dass man sich genau überlegen sollte, für welche Leistungen man fremden Menschen welche Anteile geben will: „Neue Akteure zu integrieren wird schwieriger, wenn schon eine Struktur vorhanden ist“, sagt Pöltner: „Dann muss man aufpassen, dass die Anteile der ursprünglichen Gründer nicht verwässert werden.“

Allgemein, so Pöltner, stehen die genannten Instrumente aber nicht in Konkurrenz zu einander: Sie sind ein Pool an Möglichkeiten für Start-ups in der frühen Phase, die man je nach individueller Situation unterschiedlich miteinander kombinieren kann.

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